Pflege: Der Nachwuchs fehlt

Pflege: Der Nachwuchs fehlt

Im Pflege- und Gesundheitswesen mangelt es an Fachkräften. Geringe Bezahlung und hohe Belastung machen den Beruf für viele junge Menschen unattraktiv.

Wuppertal. 300 Jobs auf einen Schlag gab es am Donnerstag im Berufsinfromations-Zentrum (BiZ) der Agentur für Arbeit zu vergeben. Denn so viele Arbeitskräfte fehlen in den Pflege- und Gesundheitsberufen in Wuppertal. Beratung zu Beschäftigungsmöglichkeiten und Ausbildungen boten am Donnerstag zwölf Unternehmen sowie die Arbeitsagentur bei der Infobörse „Pflege und Gesundheit“ an. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen des Fachkräftemangels: „Die richtig guten und examinierten Kräfte sind in der Regel zwischen 45 und 55 Jahre alt. Wenn sie in den Ruhestand gehen, entsteht eine Lücke“, sagte Karl Schlieper, Mitarbeiter des Arbeitgeber-Services der Arbeitsagentur, über die Lage in der Gesundheitsbranche.

„Junge Leute fehlen uns“, sagte auch Sascha Jennewein, Personalreferent bei der Bergischen Diakonie. Als einen der Gründe für den Fachkräftemangel sieht Jennewein den negativen Ruf des Berufsbildes. „Die Arbeit im Pflegebereich wirkt auf viele nicht besonders attraktiv“, sagt der Personalreferent. Das habe vor allem mit dem im Vergleich zu den hohen Arbeitsbelastungen geringen Gehalt zu tun. 2100 bis 2500 Euro brutto verdient laut Jennewein eine examinierte Altenpflegerin bei der Diakonie. „Wir sind nun einmal an Tarife gebunden und können kein Wunschgehalt zahlen“, sagt Jennewein — und hebt zugleich die positiven Aspekte hervor: Urlaubs- und Weihnachtsgeld, eine allein vom Arbeitgeber finanzierte Altersvorsorge, gutes Arbeitsklima.

Was den Fachkräftemangel betrifft, spricht man im Helios Klinikum zurzeit noch von der Ruhe vor dem Sturm. „In diesem Jahr bilden wir dreimal 30 Teilnehmer zum Gesundheits- und Krankenpfleger aus. Und im nächsten Jahr kommt ja dann der doppelte Abiturjahrgang“, sagt Ursula Töpfer vom Bildungszentrum der Klinik. Ab 2014 könne es dann aber weniger werden. „Die Politik hat eben dafür gesorgt, dass die Zulagen abgenommen haben“, sagt Töpfer.

Neben der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin bietet Helios auch eine Ausbildung zur Medizinisch-Technischen Assistentin in zwei verschiedenen Bereichen an. „Alle zwei Jahre nehmen wir aber nur 18 Auszubildende auf — was auch am geringen Bekanntheitsgrad dieser Ausbildung liegen könnte“, vermutet Simone Hoellmann vom Bildungszentrum.

Trotz geringer Bezahlung und hoher Arbeitsbelastung — von ihrem Berufswunsch Krankenschwester lässt sich Natalie nicht abbringen. „Ich möchte unter Menschen arbeiten und sie pflegen. Das ist ein gutes Gefühl“, sagt die 21-Jährige, die bereits ein Praktikum im Krankenhaus absolviert hat. „Das ist eben mein Traumberuf“, fügt sie hinzu.

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