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Pfarrer Holger Pyka hat ein Buch über Weihnachten geschrieben

Pfarrer Holger Pyka : Weihnachten wegen Corona auf der Kippe?

Pfarrer Holger Pyka hat ein Buch geschrieben, das den interkativen Adventskalender seiner Gemeinde ins Digitale versetzt.

In der Vorweihnachtszeit öffnen sich in der evangelischen Kirchengemeinde Uellendahl-Ostersbaum seit 20 Jahren Fenster und heimische Wohnzimmer für einen gemeinschaftlichen Adventskalender mit Geschichten und Gesang. Undenkbar in diesem Jahr. Ohne ihren Stadtteiladventskalender wollte die Gemeinde aber nicht sein, so dass man sich schon im Sommer eine Alternative überlegte.

So entstand die Idee, das Geschehen ins Digitale zu verlegen, genauer gesagt auf Youtube. „Eine vorhandene Geschichte zu übernehmen und vorzulesen geht nicht. In meinem jugendlichen Leichtsinn habe ich gesagt, dass wir selber eine Geschichte schreiben müssen“, erzählt Pfarrer Holger Pyka. Schnell war klar, wer mit „wir“ gemeint war,  hat Pyka doch bereits einige Bücher zum Thema „Kreatives Schreiben für Predigt und Preacher Slam“ verfasst.

So zog er sich im September bei sommerlichen Temperaturen zur Einstimmung auf die Weihnachtszeit mit Tee, Spekulatius und Dominosteinen in sein Arbeitszimmer zurück. „Die Idee war schnell da“, erinnert er sich und verfasste eine Adventskalendergeschichte der besonderen Art. Einfach einen Engel auf die Erde kommen lassen wollte er nicht. „Das ist nichts Neues.“ Daher hat er die Geschichte auf die heutige Situation bezogen.

In 25 Kapiteln erzählt „Weihnachten auf der Kippe“ vom Engel Abiel. Im Himmel fragt man sich, ob im Jahr 2020, in der durch Corona veränderten Welt, Weihnachten nicht besser ausfällt. Zur Klärung  wird Abiel auf die Erde geschickt, aber nicht als Engel mit Flügeln, sondern als Paketbote. „Wir wollten eine fortlaufende Geschichte erzählen“, so Pyka und so begegnet Abiel den unterschiedlichsten Menschen und ihren Gepflogenheiten. Humorvoll und tiefsinnig zugleich sind die einzelnen Kapitel.

Abiel trifft eine ältere Dame, die ihn mit selbstgemachtem Eierlikör abfüllt und verrät, dass sie froh ist über Corona. Dann braucht sie keinen Besuch zu empfangen und dafür aufwändig kochen. In einem Spielwarenladen fragt sich Abiel, ob Corona zu Engpässen bei der Farbproduktion geführt hat: Überall nur rosa und blau. Und dann ist da die grausame Herrscherin „Lillyfee“, die ihren Untertanen ihr Bildnis auf alles drucken ließ.

Der erfrischend neue und ungetrübte Blick Abiels hält Lesern und Hörern den Spiegel vor. Die Krippe hält er für Spielzeug, da die hübschen Häuschen für ihn nichts zu tun haben mit der kargen Höhle in Bethlehem. Die blonde, lächelnde Frau gleicht nicht der jungen Maria in Bethlehem. Unterhalten sollen die Geschichten, sich aber auch theologisch mit Weihnachten auseinandersetzen. Nicht belehrend will „Weihnachten auf der Kippe“ sein, aber zum Nachdenken anregen.

So kommt Abiel mit seinem Kollegen in die Kirche, sieht ältere Besucher, hört traurig klingende Musik und denkt beim Anblick der glitzernden City-Arkaden, in die die Menschenmassen ein- und ausströmen: In die Kirche muss ich auch mal.

Jeden Abend ist eine Geschichte von Abiels Begegnungen mit den Menschen und ihren Adventstraditionen auf Youtube zu hören, gelesen von Gemeindemitgliedern vor weihnachtlich dekoriertem Hintergrund. Mit dabei ist auch Karin Spier, die das Projekt begleitete und seit Jahren ehrenamtlich in der Gemeinde tätig ist. Für Pyka hat die Corona-Zeit viel Kreativität und auch Zusammenhalt freigesetzt. „Er wäre sonst sicher nicht zu Abiels Besuch auf der Erde gekommen. Es gibt ein überraschendes Ende am 23. 12. und die Auflösung dann am 24. 12.“ Bleiben Sie dran!