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Pfarrer Erhard Ufermann aus Wuppertal will mehr Musik im Leben

Glaube : Pfarrer Erhard Ufermann will mehr Musik im Leben

Der 63-Jährige verabschiedet sich aus dem Dienst der evangelischen Kirche um sich mehr dem Jazz zu widmen. Außerdem hat er drei konkrete Ziele vor Augen.

Mehr Musik im Leben wollte Erhard Ufermann. Deshalb verabschiedet er sich nun mit 63 Jahren aus dem Dienst der evangelischen Kirche. Der Pfarrer hat schon viele verschiedene Dinge gemacht in seinem Leben: Nach dem Theologiestudium war er 19 Jahre lang als Gefängnispfarrer tätig. „Das war mir eine Herzensangelegenheit. Dort konnte ich auch theologisch und mit Gruppenarbeit experimentieren.“ Für seine Bibelgruppe habe es damals sogar eine Warteliste gegeben.

Dann arbeitete der Jazzmusiker einige Jahre lang freiberuflich mit Andy Dino Iussa: Unter dem Motto „Kultur wirkt“ schufen die beiden soziale Kulturprojekte an ungewöhnlichen Orten, mit den Menschen, die diese Orte bevölkerten. So luden sie mit der „Gerüch(t)eküche“ auf den Schusterplatz, konzipierten in Herne ein Theaterstück mit Kindern und Senioren unterschiedlicher Herkunft oder brachten das Leben von Langzeitarbeitslosen auf die Bühne. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, zitiert Ufermann den Philosophen Martin Buber und richtete seine Arbeit immer danach aus.

Einige Jahre lang kümmerte sich der jazzende Pfarrer dann im Referat Kultur und Musik um die Wuppertaler Kirchenmusik; anschließend wechselte er mit einer halben Stelle in die Citykirche am Kirchplatz. Er organisierte 130 Veranstaltungen im Jahr und ließ alle in sein Haus: Kirchennahe und Kirchenferne, Linke und Traditionalisten, Junge und Alte, große und kleine Kooperationspartner. „Mir war die große Bandbreite wichtig“, betont Ufermann, der die Citykirche als Experimentierfeld für Kirche ansah. Der Erfolg gibt ihm recht: „Die Zahlen unserer Gottesdienstbesucher gehen seit 2009 stetig nach oben!“

Er möchte Kirche auch nach außen tragen. Kurz vor seinem Weggang hat er deshalb noch organisiert, dass am Gerüst der Citykirche ein Urwald entsteht. Eine Kinderbuchillustratorin bemalt gerade eine zehn mal zwanzig Meter große Plane mit entsprechenden Pflanzen. Darin versteckt sie Tiere und Dinge, die eigentlich nicht im Urwald zu finden sind. „Das wird dann ein Quiz – als Gewinn gibt es Stofftiere“, erklärt Erhard Ufermann.

Formation war schon
in Südamerika eingeladen

Nachdem ihm eine längere Krankheit Zeit zum Überlegen gab, möchte er sich jetzt voll der Musik widmen. Gerade hatte er mit seiner Jazzformation Ufermann seit langer Zeit mal wieder ein Konzert und stellt fest: „Es macht einfach großen Spaß!“

Die Formation war schon auf dem Montreux Jazz Festival und in Südamerika eingeladen. Auch in der Musik sucht Ufermann das Verbindende: So vereint er gemeinsam mit der Sängerin Hayat Chaoui Melodien und Poesie aus dem islamischen, jüdischen und christlichen Kulturkreis. In der Langerfelder Bandfabrik – alter Familienbesitz – wohnt er nicht nur, sondern hat die in normalen Zeiten gut laufende Kulturreihe dort angestoßen.

Den Lebenden die Angst
vor dem Tod nehmen

Zusätzlich hat Erhard Ufermann drei Ideen, die er nun verwirklichen will. Zum einen möchte er auf einem Friedhof ein „Haus des Lebens“ errichten – einen „guten Ort“ aus vergänglichen Materialien, in dem Konzerte, Diskussionen und Begegnungen stattfinden können. „Die Architektur soll spirituell sein“, erklärt der Pfarrer. Am liebsten möchte er Francis Kéré dafür verpflichten, den Architekten des Operndorfes von Christoph Schlingensief in Burkina Faso. So möchte er den Lebenden die Angst vor dem Tod nehmen. Im Moment sucht Ufermann sowohl einen Platz für dieses Haus als auch Geld.

Die zweite Idee ist schon zur Hälfte Wirklichkeit: Der Jazzmusiker schreibt an einem theologischen Musiktheaterstück. Darin trifft Paul (Kirchenvorstand und Informatiker) auf Saidé, die als Freundin von Maria Magdalena den historischen Jesus erlebt hat und in vielen Punkten der kirchlichen Auslegung widerspricht. „Das soll für zwei Schauspieler, Sprecher, Sängerin, Band und großen Chor sein“, erklärt Ufermann. Er hofft, Mitte 2021 fertig zu werden. Aufführungen sind in der Immanuelskirche, Bremen und Göttingen geplant. Und seine dritte Idee ist ein völkerverbindendes ideologisches Projekt für den Frieden. Langweilig wird es Erhard Ufermann jedenfalls nicht so schnell.