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„Pfaffentropfen“: Der Traum vom Wuppertaler Wein geht zu Ende

Krankheitsbedingt : „Pfaffentropfen“: Der Traum vom Wuppertaler Wein geht zu Ende

Hobby-Winzer gesucht: Nach dem Ende der Weinproduktion am Dönberg soll die Ausstattung für einen guten Zweck verkauft werden.

Zwei Flaschen hat sie am Ende doch noch im Keller gefunden, die einzigen, die übrig geblieben sind von den paar hundert, die sie in zehn Jahren hier im Bungalowgarten abgefüllt haben. 2016er Pfaffentropfen, feinherber Weißwein, Phoe­nix-Traube, Dönberger Höhenlage.

Der Jahrgang 2021, er wäre kein guter geworden, sagt Gertrud Meyer. Der späte Frost, als die Reben schon blühten, der viele Regen, der die Beeren faulen lässt. Klein und grau hängen sie an den Reben zwischen Rosenstöcken und Hortensien. Nur unter dem Plexiglasdach der Laube wachsen dicke grüne Trauben.

Mit der Terrassenüberdachung hat es damals angefangen. So viele Trauben trugen die beiden Rebstöcke, die das Holzgerüst begrünen sollten, dass das Ehepaar Meyer sie tütenweise an Nachbarn verschenkte. Bis Eckehard Fröhmelt, damals Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Dönberg, bei einem Besuch vorschlug: „Macht doch Wein draus.“

Gerhard Martin Meyer arbeitete sich ein in die Weinproduktion – akribisch, wie er alle seine Hobbys betrieb, beschaffte sich Fachbücher, fuhr an die Mosel, suchte Rat bei Winzern und half bei der Weinherstellung. „Wenn mein Mann etwas macht, dann richtig“, sagt Gertrud Meyer. Und auch wenn ihr Mann, der beruflich lange Jahre im Vertriebsaußendienst der Wicküler-Brauerei durch Deutschland gereist war, schnell feststellte, Bier sei leichter herzustellen: Gerhard Martin Meyer hielt fest am Wein. Lernte Oechselgrad und Schwefelung zu berechnen, investierte Tausende Euro in Maischemühle, Presse, Gärfässer.

Eckehard Fröhmelt hatte den Mann gefunden, der seinen Traum vom Wuppertaler Wein umsetzen konnte. Eine fixe Idee war das, sagt Fröhmelt: dass man in jeder Gegend Deutschlands Wein anbauen kann. Wenn selbst auf Nordseeinseln Weinbau möglich ist, warum nicht auch in Wuppertal? Schon in den 1990er Jahren hatte er im Garten des Pfarrhauses am Dönberg zwei Rebstöcke gepflanzt, Wein war daraus nie geworden. Jetzt steuerte er Trauben für die Produktion der Meyers bei, 2009 präsentierten sie den ersten Jahrgang, 26 Flaschen. „Dönberger Sonnenschein“ sollte der Weißwein eigentlich heißen, dann tauften sie ihn doch noch um in „Pfaffentropfen“.

Erste Lese war ein Spektakel
mit Fernsehbildern

Die erste Lese war ein Spektakel. In einer Plastikwanne im Garten stand mit bloßen Füßen ein Nachbar und stampfte die Trauben, vor dem Haus parkte ein Übertragungswagen des WDR, die Kabel führten durchs Küchenfenster.

„Ich habe mich wenig darum gekümmert“, sagt Gertrud Meyer. „Ich durfte nur hinterher immer den Dreck wegmachen.“ Weinlandschaften, die Moselberge, Südtirol, die liebt sie. Die Weinproduktion nicht so sehr.  Der Rebschnitt, eine Heidenarbeit, der ewige Kampf gegen den Mehltau, weil sie die Rebstöcke nicht spritzen wollten. Der Betrieb der Presse, der die Wasserrechnung in die Höhe trieb, und wenn schließlich das Abfüllen losging, klebte alles, „eine Schweinerei war das.“ Gertrud Meyer putzte den mostklebrigen Innenhof. Entsorgte die Unmengen Abfall, die beim Pressen anfielen. Riss den weißen Teppichboden im Schlafzimmer heraus, nachdem die Männer beim Keltern einmal zu oft die Abkürzung von der angrenzenden Terrasse ins Bad genommen hatten. Backte Zwiebelkuchen, wenn sich ganze Vereine sonntagsmittags zur Weinprobe anmeldeten. Sagte oft: Das ist jetzt der letzte Jahrgang. Und machte doch weiter mit, im Hintergrund.

Der 2018er-Jahrgang war dann wirklich der letzte. Aus gesundheitlichen Gründen musste Gerhard Martin Meyer vor drei Jahren die Weinproduktion aufgeben. Schon Monate vor dem Abfüllen riefen Menschen an, um sich Flaschen zu sichern, am Ende gaben sie selbst den allerletzten Sechser-Karton weg, den sie eigentlich als Erinnerung aufheben wollten.

Die über Jahre zusammengesammelte Ausstattung lagert derzeit ungenutzt im Keller und im Gartenhaus: Pressen, Etikettiermaschine, Fässer, Schläuche, Flaschen, Korken. Nun möchte Gertrud Meyer alles verkaufen, der Erlös soll dem Dönberger Hospiz oder einer anderen gemeinnützigen Einrichtung zugutekommen. Der Preis ist Verhandlungssache, Interessenten können sich telefonisch melden unter der Nummer 0202/77867.