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Peter Vorsteher: Die Wuppertaler wollen persönlich angesprochen werden

Interview : „Die Leute wollen persönlich angesprochen werden“

INTERVIEW Peter Vorsteher sucht einen Nachfolger, der ihn als Vorsitzenden bei den Sudbürgern ablöst.

Herr Vorsteher, Sie haben als Vorsitzender der Sudbürger stets die lokale Politprominenz ins entlegene Sudberg geholt. Hört das jetzt auf, wenn Sie Anfang 2021 ihren Posten abgeben?

Peter Vorsteher: Nein ich bleibe Mitglied und werde den neuen Vorstand weiterhin bei der Organisation unterstützen. Ich will nur aus dem Tagesgeschäft raus.

Warum?

Vorsteher: Hintergrund ist folgender: Ich war jetzt 26 Jahre im Rat der Stadt Wuppertal, das lasse ich jetzt bis zum 31. Oktober auslaufen. Am 31. März ist mein letzter Arbeitstag in der Verwaltung der Polizei. Dann beginnt mein Ruhestand. Da gehen jetzt so ein paar Sachen zu Ende. Ich habe mir mit meiner Lebensgefährtin ein Wohnmobil gekauft und wir wollen jetzt reisen. Das heißt nicht, dass ich jetzt gar nichts mehr mache. Aber nicht mit Mandat.

Wie viel Zeit haben Sie in den vergangenen Jahren ins Ehrenamt gesteckt?

Vorsteher: Man kann sagen, obwohl ich nur normaler Stadtverordneter bin, bin ich an fünf bis sechs Tagen die Woche fürs Ehrenamt unterwegs.

Sind Sie zuversichtlich, dass Sie einen Nachfolger für die Sudbürger finden?

Vorsteher: Das will ich jetzt nicht ausschließen. Es gibt da junge Familienväter und -mütter im Stadtteil mit denen ich im Gespräch bin. Da habe ich schon die Hoffnung, dass sich da jemand hervortut.

Aber eine Zusage haben Sie nicht?

Vorsteher: Nein.

Sie müssen die Leute also noch etwas bearbeiten?

Vorsteher: Was heißt bearbeiten? Ich versuche den Leuten immer klar zu machen, wie wichtig die Arbeit der Bürgervereine ist. Da lassen sich Dinge erreichen, die für den einzelnen nicht möglich gewesen wären.

Wenn Sie so zurückblicken, was konnten Sie mit den Sudbürger erreichen?

Vorsteher: Einmal, dass uns die Blutbuche erhalten geblieben ist. Und natürlich die Bodensanierung der ehemaligen Härterei, wo die Gefahr für die Umwelt gebändigt wurde. Diese Sache war ja 2006 die Initialzündung für die Sudbürger. Am Stiepelhaus haben wir dann die Bebauung verhindert. Jetzt müssen wir in gleicher Weise gegen die Bebauung Hipkendahl kämpfen. Auch wenn es nicht Sudberg ist.

Was ist denn das Thema der Zukunft für Sudberg?

Vorsteher: Wir werden uns sicher verstärkt für den Zustand unserer Straßen einsetzen müssen. Die Bezirksvertretung hat ja jetzt Tempo 30 für ganz Sudberg angeregt, was ich auch unterstütze. Nur, wenn der Straßenzustand so bleibt, dann gibt es gar keine andere Möglichkeit.

Auf wie viele Schultern verteilt sich denn die Arbeit in Ihrem Verein?

Vorsteher: Das habe ich letztens einmal bemängelt. Da wird sich schon viel zu sehr auf den vierköpfigen Vorstand verlassen. Dabei haben wir 94 Mitglieder. Und ich finde: Jeder kann ein bisschen machen.

Warum wollen die Leute nicht so gerne nach vorne gehen im Verein?

Vorsteher: Es kann sein, dass sich das viele nicht so zutrauen. Aber ich habe ja auch mal angefangen. Ich hatte allerdings schon vorher 14 Jahre eine grüne Ratsfraktion geführt.

Sie wohnen ja gar nicht in Sudberg. Gab es da bei Ihrer Wahl vor fünf Jahren keine Vorbehalte?

Vorsteher: Es gab da eine kritische Stimme bei der Jahreshauptversammlung. Der hat sich aber ein Jahr später entschuldigt.

Wie wollen Sie denn jetzt neue Leute für die Vereinsarbeit begeistern?

Vorsteher: Die Leute wollen persönlich angesprochen werden. Wir werden heutzutage mit Mails bombardiert. Da ist es gerade wichtig, dass man direkten Kontakt aufnimmt, wenn man was erreichen will. Facebook und E-Mails, das ist alles wunderbar, aber ich bin da noch ein Freund der ganz alten Methode. Ich rufe die Leute an. Und dann mache ich einen Termin aus.

Also, Vereine, die Mitglieder suchen, müssen mehr auf den persönlichen Kontakt schauen?

Vorsteher: Ja und auch links und rechts gucken. Ich weiß zum Beispiel, dass ich in meinem Verein keinen Nachfolger finde. Also schaue ich, wer sonst noch im Bezirk Gutes tut und suche dort. Ich würde gerne einen Mitte-40-Jährigen finden, der mit neuen Ideen an die Sache rangeht.