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Pedalero verlässt das Wuppertaler Luisenviertel

Stadtentwicklung : Denkmal wird saniert: Pedalero verlässt bald die Luisenstraße

Die Arbeiten an der Luisenstraße 71/73 sollen bald starten. Der Fahrradladen und Kurierdienst braucht ab Oktober eine neue Bleibe.

Kneipen, Restaurants und kleine, schnuckelige Lädchen, vor allem mit Mode und Schmuck: Das ist das, was Wuppertaler mit dem Luisenviertel verbinden. Für viele gehört aber auch Pedalero dazu. Das Fahrradgeschäft mit Kurierdienst, von Benedikt Schulz einst gegründet, ist seit gut 20 Jahren eine Institution an der Luisenstraße. Entsprechend groß war die Aufregung, als im vergangenen Jahr öffentlich wurde, dass das Haus, in dem sich der Laden befindet, saniert wird und die Radler über kurz oder lang raus müssen. Im Oktober ist Schluss, erklärt jetzt Stefan Werthwein, der seit einigen Monaten gemeinsam mit Schulz die Geschäfte führt, auf WZ-Anfrage. Das habe der neue Besitzer, die Familie Baumeister aus Wuppertal, im Gespräch mitgeteilt. Bereits geschlossen hat der zweite gewerbliche Mieter in der Hausnummer  71/73, das Schmuckgeschäft „Perlen, Schmuck & Schönes“. Das Wohn-und Geschäftshaus ist eins der ältesten Häuser in der Luisenstraße.

Werkstatt und Kurierdienst laufen bis Herbst noch am Standort weiter. Der Abschied falle schwer, sagt Werthwein. Dass im und am Gebäude allerdings etwas passieren musste, sei nötig gewesen. „Das ist marode. Auch bei uns hat es schon reingeregnet.“ Über Jahre, so Michel Baumeister, war an dem Denkmal gar nichts mehr gemacht worden. Von den Wohnungen war aufgrund des Zustandes zuletzt nur noch eine vermietet.

Dass während der Sanierung, die laut Baumeister etwa ein Jahr dauern soll, der Laden raus muss, sei von vornherein klar gewesen. „Wenn man eins und eins zusammenzählt auch, dass die Miete steigen wird“, so Werthwein, der dafür ein gewisses Verständnis hat. „Das ist schon 1A-Lage hier und die Miete lag unter Standard.“ Der neue Eigentümer müsse die Kosten auch wieder reinholen. Die neuen Preise wolle und könne man aber nicht zahlen.

Trotzdem werde es mit Pedalero an anderer Stelle „in irgendeiner Form weitergehen“.  Der Kurierdienst bleibe auf jeden Fall erhalten. Für den Radladen suche man jetzt eine neue Location.

Nachdem Baumeisters die Pläne 2019 öffentlich gemacht hatten, gab es einige kritische Stimmen. Von „Luxussanierung“ war die Rede, gegen die sich der neue Eigentümer verwehrte. Dass sich das Luisenviertel wandele, sei der Lauf der Zeit, sagt auch Werthwein. Alle wollen ein schönes Viertel, dann müsse auch was gemacht werden. „Ohne Sanierung wäre das Haus irgendwann abrissreif gewesen.“

In Zukunft soll es weiter zwei Ladenlokale im Haus geben

2016 hatte Andrea Wenzel mit „Perlen, Schmuck & Schönes“ ihre Heimat im Denkmal gefunden. Ende Juni war dann Schluss. „Der Abschied ist schade, ich bin schon ein bisschen traurig.“ Sie sei gerade richtig im Luisenviertel angekommen, die Stammkundschaft hätte sich gefunden, so Wenzel, die vorher ihr Geschäft unter dem Namen „Traumzeit“ in Neviges betrieben hatte. Die Sanierung sei nötig, räumt sie ein. „Trotzdem ist bitter, dass der Laden raus muss.“  Eine neuere, höhere Miete wäre für sie nicht bezahlbar gewesen. Wobei sie betont, dass ihre aktuelle Pacht im Vergleich zu anderen Ladengeschäften im Viertel schon gar nicht so wenig gewesen wäre. Wenzel will, wenn möglich, trotzdem im Luisenviertel bleiben. Gespräche mit anderen Vermietern laufen bereits.

Zwei Ladenlokale soll es auch in Zukunft geben. Dazu werden die Wohnungen auf Vordermann gebracht. Die neue Miethöhe soll sich am Standard im Luisenviertel orientieren, sagt Michel Baumeister. Wie hoch genau sie sein wird, steht noch nicht fest. Die ersten Arbeiten sollen beginnen, „sobald die Baugenehmigung da ist“. Der Bauantrag sei schon länger eingereicht. Zuletzt standen aber noch Abstimmungen mit der Unteren Denkmalbehörde unter anderem wegen der Fenster an.

Gerade dass Pedalero geht, sei ein Verlust, sagt Fotograf Wolf Birke, der seit mehr als 40 Jahren seine berufliche Heimat im Luisenviertel hat. Er sieht das Wort „Luxussanierung“ allerdings fehl am Platz. „Wenn man so will, ist jede Sanierung Luxus.“ Er selbst kenne das Haus 71/73 von innen. „Da musste was gemacht werden.“

Die Stimmung in der Straße sei aber nicht so, „dass hier jetzt die Millionäre einziehen“. Birke schmunzelt und sagt: „Die Leute wüssten ja nicht mal, wo sie ihr Auto parken sollen.“ Wer auf den Riesenprofit aus sei, sei im Viertel falsch. Dass hätte sich in den letzten Jahren gezeigt. Und „Abreißen und neu bauen“ wie an vielen Stellen der Stadt sei auch kein Thema, weil viele der Gebäude denkmalgeschützt seien.