Wuppertal: Pausentee mit OB Mucke

Wuppertal : Pausentee mit OB Mucke

Für Montag hat Oberbürgermeister Andreas Mucke zur Pressekonferenz ins Rathaus eingeladen. Das macht er fast jede Woche, weil so die Chance steigen könnte, dass in der Zeitung steht, was der Oberbürgermeister gern über sich liest.

Dass es so dann nicht immer kommt, sollte auch den Chef von Rat und Verwaltung beruhigen. Es ist nämlich der Beweis dafür, dass die Pressefreiheit sich trotz anderslautender Gerüchte auch in Wuppertal noch bester Gesundheit erfreut.

Deshalb wird Andreas Mucke es sicher verschmerzen, dass an dieser Stelle nicht nur verraten wird, worum es am Montag geht, sondern dass die Presse sich sogar die Freiheit nimmt, vorab zu beurteilen, was der Oberbürgermeister am Montag berichten wird. Es geht schließlich um die Halbzeit seiner ersten Amtszeit. Und um es gleich vorweg zu sagen, Mucke muss sich und seinen Getreuen irgendetwas Belebendes in den Pausentee mischen, wenn er dieses Spiel noch gewinnen will.

Im Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung hat Mucke kurz nach seiner Wahl gesagt, er wolle, dass die Wuppertaler ihm nach seiner Amtszeit attestieren, dass er geliefert habe, dass er also Probleme gesehen und gelöst, dass er Neues angestoßen hat, was die Stadt noch besser, noch lebenswerter und endlich erfolgreich macht. Zur Halbzeit sieht es danach nicht aus.

Dabei hat Mucke viele Themen richtig erkannt, viele Aufgaben benannt, aber erledigt hat er bisher keine. Das liegt einerseits an ihm selbst. Kaum jemand war von seiner Wahl so überrascht wie Mucke. Als krasser Außenseiter gegen den zu siegessicheren Peter Jung (CDU) ins Rennen gegangen, haben ihm selbst die eigenen Parteigenossen den Erfolg nicht zugetraut. Und als Mucke dann gewann, sah sich die SPD-Ratsfraktion einem Politiker gegenüber, der alles anders machen wollte. Als vermutlich ältester Jungsozialist Wuppertals hat Mucke die Altvorderen der SPD—Fraktion mehr aufgeschreckt als eingebunden. Als leidenschaftlicher Wuppertaler neigte und neigt er dazu, allen alles zu versprechen, wovon er angesichts der Kassenlage und eines eher zahlengesteuerten Stadtkämmerers nicht viel halten kann.

Dass Mucke bisher nicht liefern konnte, liegt andererseits aber auch an den Umständen. Ausgerechnet seine eigene SPD hatte ihm einen hoffnungslos ungeeigneten Bürgerbeteiligungdezernenten ans Bein gebunden, den er nach einer monatelangen, lähmenden und Misstrauen hinterlassenden Auseinandersetzung letztlich vom Stadtrat abberufen lassen musste. Im Stadtrat hat außerdem immer noch die Kooperation von SPD und CDU das Sagen. Die sogenannte Groko und der Oberbürgermeister sind sich in den vergangenen zwei Jahren ungewöhnlich und kontraproduktiv fremd geblieben.

Viel Zeit und viele Partner, eigene Akzente setzen zu können, hat Mucke bisher nicht gefunden. Das „Bündnis gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit“ ist bisher kaum mehr als ein Steckenpferd, von dem niemand weiß, ob es jemals auch nur in Trab kommt. Seine Freude über die wachsende Einwohnerzahl Wuppertals verstellt ihm den Blick dafür, dass dieses Wachstum Wuppertal an die Grenzen seiner Handlungsfähigkeit bringt, weil die Einwohnerschaft überwiegend mitten ins Sozialsystem wächst.

Mucke mangelt es bisher an eigenen Erfolgen. Die aktuelle Entwicklung des Döppersberges ist seinem Vorgänger und der Groko im Stadtrat zu verdanken. Auch aus diesem Grund setzt Mucke alles auf die Karte Bundesgartenschau. Doch die Gefahr ist groß, dass sein Traum am notorischen Geldmangel und an politischer Missgunst zerschellt.

Dennoch ist das Spiel knapp 30 Monate vor Schluss noch nicht verloren. Mucke versteht es, die Menschen in dieser Stadt mit seiner Liebe zu Wuppertal zu erreichen. So hat er 2015 die Wahl gewonnen. So kann er wieder gewinnen. Liefern muss er trotzdem langsam. Nur mit Lokalpatriotismus über- steht er den Wahlkampf 2020 nicht.