Patrick Salmen: Selbstironie und Schnaps fürs Publikum

Patrick Salmen: Selbstironie und Schnaps fürs Publikum

Mit seinem neuen Programm brachte der Wuppertaler Wort-Akrobat seine Zuschauer in der Börse zum Ausrasten.

Wuppertal. „Euphorie klingt ja so als würden wir hier gleich Spaß haben — stimmt aber nicht!“ Mit dieser Warnung begann Patrick Salmen sein neues Solo-Programm „Euphorie!, Euphorie“ in der Börse. Doch rasch zeigte sich: Der Mann sagte die Unwahrheit — denn das Publikum war schlichtweg begeistert von Salmens kleinen Geschichten und Wortkunststücken. Da hätte es die Pinnchen mit Hochprozentigem gar nicht gebraucht, die Salmen zwischenzeitlich durch die Reihen gehen ließ und die mit zunehmender Dauer des Abends für immer lauteres Gelächter sorgten.

Der ehemalige deutsche Poetry-Slam Meister tourt derzeit mit seinem neuen Programm, das überwiegend von selbstironischen Situationen handelt, durch Deutschland. Mit viel trockenem Humor und Ironie witzelt Salmen über Situationen, die selbst vor einem Stadt-Land-Fluss-Spiel mit seinem dreijährigen Neffen keinen Halt machen. Salmen kann einfach nicht verlieren — und den ausgiebigen Siegestanz lässt er sich auch vom betrübten Dreikäsehoch nicht nehmen.

Zudem hat der 26-Jährige zumindest laut seiner in der Börse präsentierten Biografie sogar das „Spiel des Wissens“ komplett auswendig gelernt hat, um seine Eltern beeindrucken zu können. Die Konsequenz: Der kleine Patrick landet im Internat für Hochbegabte. Doch nach zwei Tagen Aufenthalt war klar: „Ich bin dumm wie Zwieback — aber Hauptsache, ich hab bei Stadt, Land, Fluss immer abgeräumt.“

Zwischen solche in den schillerndsten Farben geschilderten Anekdoten baut Salmen immer wieder Literatur- und Geografierätsel ein, in denen er witzige Wortspiele Autoren, Buchtitel, Länder oder Filmtitel erraten lässt. Dabei kann es durchaus passieren, das aus dem berühmten Paul McCartney mal schnell „Paul meckert nie“ wird. Wer da geistig mitkommt, erhält als Belohnung eins der bereits erwähnten Pinnchen. Das Publikum ist begeistert von diesem schrägen Abend.

„Auf seine witzige und wortgewandte Art und Weise zeigt er, was man aus der deutschen Sprache alles rausholen kann“ sagt Petra Schumann. Auch Yunus Gündüz und Verena Spies waren hin und weg — insbesondere von Salmens deutschem Lieblingssatz „Ich habe eine Axt!“, den jener als Standard-Antwort etwa bei unliebsamen Gesprächen mit dem Chef oder beim Streit mit dem Schaffner im verspäteten Zug empfiehlt.

Kein Wunder also angesichts von so viel Publikums-Zuspruch, dass Salmen sich freut, mal wieder in Wuppertal aufzutreten: „Zum ersten Mal seit langem bin ich wieder richtig aufgeregt“, gestand der Bühnen-Profi der WZ. Und verkündete auch gleich sein nächstes Projekt: sein zweites Buch „Tabakblätter und Fallschirmspringer“, das demnächst erscheinen wird. Es handelt vom Altwerden, der Heimat und Erinnerungen. Moment — ist das denn schon ein Thema für einen 26-Jährigen? „Klar“, sagt der Wort-Athlet — schließlich erinnere er sich mit melancholischem Blick an seine sorgenfreien Teenager-Jahre.

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