Patienten sollen schneller Ärzte sehen

Patienten sollen schneller Ärzte sehen

Auch in Wuppertal sind Notaufnahmen überfordert. Es kommen zu viele Patienten. Helios arbeitet an Lösungen.

Die Notaufnahmen in Wuppertal sind belastet. Am Helios Krankenhaus hat es zwischen 2007 und 2017 einen Anstieg von rund 13 000 Patienten im Jahr gegeben - die Zahl der behandelten Notfälle ist von 36 000 auf 49 000 gestiegen.

Auch im Agaplesion Bethesda Krankenhaus gab es zuletzt 40 000 Notfälle im Jahr.

Für Patienten und Ärzte ist das eine Belastung. Patienten im Helios klagten bei der WZ über lange Wartezeiten. Auch wenn das Krankenhaus selbst von einer Erstbegutachtung in etwa 33 Minuten ausgeht. Aber auch dort gibt man zu, dass eben immer mehr Patienten kämen und die Hemmschwelle sinke, in die Notaufnahme zu gehen.

Auch im Bethesda bestätigt man das: Es komme immer häufiger vor, dass Patienten direkt in der Notfallambulanz vorstellig werden und gar nicht erst den Weg zum Haus- oder Facharzt gehen. „Die Erwartungen von Patienten an eine notfallmedizinische Versorgung haben sich geändert“, so die Sprecherin Yvonne Reimers. Immer häufiger werde die Notfallambulanz auch wegen Bagatellproblemen aufgesucht.

Darauf wird aber reagiert. Das Betheda-Krankenhaus hat 2011 eine Trennung von Termin- und Notfallambulanz eingeführt, was die Notfallambulanz leicht entlastet habe.

Wie dringen Patienten behandelt werden müssen, wird über ein Farbsystem eingeteilt. Im Helios wie im Bethesda wird das Triage-System genutzt. Das Spektrum reicht von rot bis blau. „Rot bedeutet zum Beispiel, dass der Patient sofort behandelt werden muss“. erklärt Prof. Dr. Bernd Sanner, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Medizinischen Klinik des Agaplesion Bethesda. „Ergeben seine Symptome die blaue Kategorie, muss er leider Wartezeiten in Kauf nehmen“.

Die „Blauen“ sind nach Dr. Jan Hammer, Leiter des Notfall-Zentrums der Helios-Klinik in der Notaufnahme eigentlich an der falschen Adresse. „Wir haben hier jeden Tag 120 Patienten, von denen man 60 wieder wegschicken könnte“, sagt Hammer.

Das Helios Klinikum reagiert darauf jetzt mit einem Pilotprojekt, verrät Kliniksprecher Jörn Grabert. Es nennt sich „First View“. „Die Patienten, die tagsüber kommen, werden kurz nach der Anmeldung zuerst von einem Facharzt gesehen, der dann den weiteren Behandlungsweg einleitet“, erklärt Grabert. „Entweder führt der Weg für den Patienten zum Hausarzt oder es werden sofort weitergehende Untersuchungen im Haus geplant und eingeleitet.“ Das soll die Notaufnahme entlasten und die für weniger Wartezeiten sorgen.

Damit wird das bisherige System umgedreht — wenn bisher eine Pflegekraft die Ersteinschätzung übernommen und Farbcodes vergeben hat, soll jetzt der Facharzt zuerst den Patienten sehen. In der Zeit, in der sonst auf den Facharzt gewartet würde, soll jetzt schon die weitere Behandlung geplant werden. Zumindest tagsüber soll das System so funktionieren. Nachts gelte weiter das Triage-System.

Eine Einschätzung, ob und wie gut das System funktioniert, soll es in rund zwei Monaten geben, so Grabert.

Das Helios-Klinikum in Barmen, bei dem aktuell eine Erweiterung vorbereitet wird, will eine Lösung wie es sie in Frankfurt Höchst gibt ebenfalls anbieten - dort wird ein System getestet, bei dem an einem Tresen entschieden wird, ob ein Patient in die Notaufnahme kommt oder beim ebenfalls dort angesiedelten Ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Letzterer Stand zuletzt in Wuppertal in der Kritik: Chefarzt Jan Hammer kritisierte die spärlichen Öffnungszeiten der zentralen Notdienst-Praxis am Petrus-Krankenhaus. Jetzt könnte sich die Situation aber ändern. Jörn Grabert verrät: „Unsere Klinikgeschäftsführung ist mit dem Kreisstellenvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Austausch darüber, wie sich eine Zusammenarbeit in Zukunft darstellen könnte.“ Denn mit dem Neubau, der auch ein Notfallzentrum beinhaltet, würden „alle räumlichen Voraussetzungen für eine Kooperation mit der KV und die Ansiedlung einer KV-Notfallpraxis“ geschaffen. „Ein Modell wie in Frankfurt-Höchst ist hier problemlos umsetzbar“, versichert Grabert, sobald das Notfallzentrum fertig ist.

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