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Parkdruck am Wuppertaler Ölberg: Feuerwehr kommt fast nicht zum Einsatz

Verkehr : Kein Durchkommen am Ölberg

Zu viele Autos machen die Straßen zu eng: Kürzlich erwischte es die Feuerwehr in der Brunnenstraße.

Kürzlich erwischte es die Feuerwehr. Ein Einsatzwagen blieb fast auf der Brunnenstraße stecken. Auf dem Foto, das eine Nachbarin machte, sieht es nach Zentimeterarbeit aus, den Wagen durch das Spalier parkender Autos zu manövrieren. Einige Fahrzeuge seien leicht beschädigt worden, heißt es am Ölberg. Kollateralschäden. Doch im schlimmsten Fall kostet die Zeit, die die Feuerwehr so verliert, Menschenleben. Der Vorfall zeige einmal mehr: Es muss gehandelt werden. „Die Bewohner hier sind gefährdet“, sagt ein Anwohner, der schon seit längerem Abhilfe fordert. Diesmal sei es vielleicht noch glimpflich ausgegangen, doch wie wird es beim nächsten Mal sein?

Bereits im Juni 2019 hatte er einen Bürgerantrag an die Stadt geschickt. Die Politik möge beschließen, schrieb er, „dass an der Brunnenstraße nur noch eine Straßenseite als Parkplatz ausgewiesen wird“. Doch im Verwaltungsdschungel war der Antrag zwischenzeitlich wohl „verschollen“.  Woran es lag, lasse sich jetzt nicht mehr klären, heißt es auf WZ-Anfrage. Immerhin: Ende November soll er in der BV behandelt werden, wie Klaus Lüdemann (Grüne) bestätigt.

Es dürfte eine heikle Diskussion geben. Bis zu 20 Parkplätze stehen in der Diskussion. An der Reitbahnstraße hat die Stadt bereits Plätze gestrichen. Der Antragssteller betont, dass es ihm um den konkreten Fall an der Brunnenstraße gehe, „die Sicherheit“. Über allem steht aber das Problem, dass es am Ölberg zu viele Autos und zu wenige Parkplätze gibt.

Kritik: Zu viele Kleinlaster
parken am Ölberg

Wobei der Vorfall an der Brunnenstraße nicht unbedingt auf falsch parkende Autos zurückzuführen ist. Denn nachdem vor einigen Monaten die Stadt nach Anwohnerbeschwerden dort fleißig Knöllchen für früher geduldete Gehwegparker verteilt hatte - was aus deren Lager ebenfalls angeprangert wurde (die WZ berichtete) - parkten die Autos jetzt richtig - mit der Folge, dass die Straße zu eng wird.

Nicht zuletzt deshalb hatte der Anwohner in seinem Antrag zur Brunnenstraße die Kritik an der Stadt formuliert, dass deren Parkkonzept voraussetze, „dass keine SUVs und Kleinlastwagen Parkraum in engen Straßen einnehmen“.

Dass der gesamte Stadtteil ein Verkehrsproblem hat, betont die Initiative Mobiler Ölberg seit langem. Und immer wieder würden Autos teilweise auf dem Gehweg parken. Sanktioniert würde das eher selten. Manchmal hätten es Anwohner sogar schwer, „überhaupt aus der Haustür zu kommen“, sagt Matthias Wanner, der ebenfalls an der Brunnenstraße lebt. Und Michelle Schüler-Holdstein berichtet, dass ihre Tochter auf dem Weg zur Schule oft auf die Straße ausweichen muss, weil es auf dem Gehweg zu eng ist. Dabei wolle man sie eigentlich extra nicht mit dem Auto zum Unterricht bringen. „Wir sind ja kein Elterntaxi.“

Die Zahl der Kleinlaster hätte ebenfalls zugenommen, klagt Thomas Weyland. „Die passen eigentlich nicht ins Quartier.“ Firmen würden sich so Betriebshöfe sparen. Andere Anwohner berichten von Leuten, die eigentlich das Luisenviertel besuchen wollen oder in der City arbeiten, ihr Auto aber wegen der guten fußläufigen Verbindung am Ölberg parken. Gar nicht geachtet werde auch darauf, dass fünf bis acht Meter vor Einmündungen gar kein Auto stehen dürfe - was beim WZ-Besuch aber praktisch an jeder Ecke der Fall ist.

Kurzum, viele Probleme - „und Fehlverhalten schafft Realitäten“. Man müsse konzeptionell ansetzen, sagt Weyland. Da sei die Stadt gefordert, der neue OB, die verschiedenen Ressorts. „Verkehrsplanung ist nicht nur Straßenplanung“, betonen Weyland und Wanner. Man sei nicht grundsätzlich gegen Autos, aber der öffentliche Raum müsse neu sortiert werden. Ideen gibt es. Etwa für die Brunnenstraße, die zu einer Spielstraße umgewidmet werden könnte. Und Alternativen werden gebraucht: Noch mehr Car-Sharing-Angebote, mehr ÖPNV-Verbindungen. Damit der eine oder andere vielleicht doch dauerhaft aufs Auto verzichtet.

Auch bei der Stadt suche man nach Möglichkeiten, sagt Sprecherin Ulrike Schmidt-Kessler. Doch der Platz sei eben begrenzt. Der immer wieder geäußerte Wunsch etwa nach einem Quartiersparkhaus - „da würde ich für einen Stellplatz sofort bezahlen“, so eine Anwohnerin - lasse sich kaum realisieren.