1. NRW
  2. Wuppertal

Pandemie verlangt von den Wuppertaler Kirchengemeinden viel Kreativität

Kirche : Pandemie verlangt von den Kirchen viel Kreativität

Einige Jugendliche verzichten freiwillig auf eine Kommunnion oder Konfirmation in diesem Jahr. Denn sie wollen diese Feier mit ihren Freunden erleben.

Im April und Mai wurden alle Konfirmationen und Kommunionen wegen Corona abgesagt. Die katholischen Kirchen haben ihre Kommunionen teilweise in Kleingruppen bereits nachgeholt. „Wir wollten nicht zu lange warten, damit das Gemeinschaftsgefühl und die Inhalte nicht verloren gehen“, sagt Gemeindereferentin Angela Gotzhein von der katholischen Gemeinde St. Antonius. „Und es war sehr feierlich, weil die Kirche nicht so voll war.“ In den katholischen Kirchen von Cronenberg und Ronsdorf hingegen feiern die 100 Kinder erst im September an acht Terminen Kommunion.

In den evangelischen Gemeinden wird der Eintritt ins Kirchenleben in den meisten Gemeinden nun nach den Sommerferien begangen. Nur vereinzelt wird die Konfirmation noch weiter verschoben wie in der Evangelisch-reformierten Gemeinde Ronsdorf: „Einhellig war die Meinung, erst dann die Konfirmation zu feiern, wenn wieder ,normale‘ Gottesdienst ohne Personenbegrenzung möglich sind. Ob diese Meinung auch im September noch Bestand hat, wird geprüft und dann entschieden“, erzählt Pfarrer Jochen Denker.

Die meisten Gemeinden setzen auf Klein- und Kleinstgruppen. „In enger Zusammenarbeit mit den Eltern haben wir unsere neun Konfirmanden auf drei Gottesdienste geeinigt, damit alle ihre Gäste mitbringen können und keine Beschränkungen pro Familie aufgestellt werden mussten“, berichtet Pfarrerin Dagmar Hörnchen-Schmitt aus der Gemeinde Schellenbeck-Einern. In der Gemeinde Sonnborn hingegen dürfen pro Konfirmand nur fünf Angehörige am Gottesdienst teilnehmen, obwohl die 13 Aspiranten auf zwei Gottesdienste im September verteilt werden. „Wir hoffen nun, dass sich die Dinge bis September noch etwas lockern, damit mehr Familienangehörige teilnehmen können“, sagt Pfarrer Joachim Pannes.

In Vohwinkel feiern die Jugendlichen im Schlossgarten

Kreativ ging die evangelische Gemeinde Vohwinkel an das Problem heran und konnte den Schlosshof Lüntenbeck für die Konfirmation Anfang September bekommen. „Damit, find’ ich, ist uns ein Hammer-Deal gelungen“, jubelt Pfarrer Frank Beyer. Trotzdem finden die Gottesdienste in aufgeteilten Gruppen jeweils im Abstand von drei Stunden statt.

Fingerspitzengefühl müssen die Pfarrer walten lassen, wenn es um die Aufteilung der Jugendlichen für die Konfirmation geht. Viele wollen schließlich gemeinsam mit der besten Freundin/dem besten Freund feiern. Von dieser Herausforderung berichtet Pfarrerin Ruth Knebel aus Evangelisch Ronsdorf: „Meine Konfirmanden sind in diesem Jahr eine so eingeschworene Gruppe, dass sie alle zusammen konfirmiert werden wollten und lieber auf die Anwesenheit der Familien verzichtet hätten als auf die gesamte Gruppe. Dies kollidierte natürlich mit den Vorstellungen der Eltern und Familien. So haben wir uns darauf geeinigt, dass wir am Samstag, 19. September, zusätzlich zu den Konfirmationen einen Abendgottesdienst bei Sonnenuntergang auf einer großen Wiese gemeinsam mit den Eltern feiern werden.“ In Cronenberg hingegen werden die Konfirmanden einfach nach dem Alphabet in Kleingruppen aufgeteilt.

Manche Gemeinden feiern nur mit zwei Konfirmanden, andere übertragen den Gottesdienst im Livestream ins Internet. Auch die neuen Konfirmanden für das nächste Jahr werden beispielsweise in Elberfeld-Südstadt per Video-Gottesdienst vorgestellt. Die Gemeinde Beyenburg-Laaken überlässt den Jugendlichen und deren Familien die Entscheidung, ob sie im Herbst oder erst 2021 konfirmiert werden wollen. „Diejenigen Konfis, die erst nächstes Jahr konfirmiert werden, werden dazu angehalten, die Kreise der Jugendarbeit zu besuchen oder sich als Konfi-Mitarbeiter zu engagieren. Ziel ist, dass sie aus der aktiven Jugendarbeit heraus konfirmiert werden können“, betont Pfarrer Kai Berger. Die Situation verlangt von allen Kirchenmitarbeitern viel Kreativität.