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Panagiotis Paschalis will als Chef ins Barmer Rathaus zurückkehren

Wuppertals OB-Kandidaten : Paschalis setzt auf die Trumpfkarte Unabhängigkeit

Als unabhängiger Kandidat möchte Panagiotis Paschalis Oberbürgermeister von Wuppertal werden. Der 59-Jährige sagt, dass er die Bürger an allen wesentlichen Entscheidungen beteiligen wolle.

Unabhängigkeit - das ist ein Wort mit großer Bedeutung für den Kandidaten Panagiotis Paschalis (59). Unabhängig von einer Partei, die ihn mit Personal und Geld im Wahlkampf unterstützt, und unabhängig von wirtschaftlichen Zwängen will sich der Vater von vier Söhnen im September bei der Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal durchsetzen und dann in einer neuen Funktion ins Rathaus zurückkehren.

Von 2015 bis 2017 war Paschalis in der Verwaltung als erster Beigeordneter für Bürgerbeteiligung Deutschlands tätig. Das Aufgabengebiet des Juristen umfasste außerdem die Steuerung des Stadtkonzerns und das Management der städtischen Beteiligungen. Unabhängig von der Politik war Paschalis in dieses Amt allerdings nicht gewählt worden, denn die SPD hatte ihr langjähriges Parteimitglied ins Wahlamt gehoben. Diese Personalie erwies sich als folgenschweres Missverständnis - für Paschalis und für die Sozialdemokraten.

Am 23. Juni 1961 wurde Panagiotis Paschalis in Kolestati, einem kleinen Bergdorf in Epirus in Griechenland, geboren. 1964 zogen seine Eltern als Gastarbeiter nach Deutschland, er selbst blieb bis 1968 bei den Großeltern in Griechenland zurück. In Herten besuchte er nach seinem Nachzug die griechische Grundschule und machte 1981 am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Gelsenkirchen das Abitur. „Ich war ein Gastarbeiterkind und bin ein Beispiel für gelungene Integration. Ich komme aus einfachen Verhältnissen und daher hatte ich mir als erstes Ziel gesetzt, so schnell wie möglich unabhängig zu sein“, beschreibt Paschalis ein Lebensmotto, das er nun auf seine Arbeit als Oberbürgermeister übertragen will.

„An allen wesentlichen Entscheidungen werde ich die Bürger beteiligen. In der Zusammenarbeit mit der Politik lege ich Wert darauf, über die beste Lösung zu entscheiden und Mehrheiten zu finden. Ich sehe mich in der Mitte des politischen Spektrums. Die Aussage von Marcel Hafke, er sei der einzige Kandidat des bürgerlichen Lagers, ist nicht zutreffend. Ich war bis 2017 Mitglied der SPD und habe nach 35 Jahren Parteizugehörigkeit ein rotes Herz für die Schwachen, aber als Jurist und ehemaliger Bankdirektor bin ich eher konservativ aufgestellt, trete für Recht und Gesetz im positiven Sinne ein, da sie Demokratie erst möglich machen.“

Den Parteien wirft Paschalis „eine gewisse Übergriffigkeit“ in Bezug auf die Gewaltenteilung vor, was eine „latente Anfälligkeit gegenüber Korruption“ zur Folge habe. Die Kontrolle des Stadtkonzerns mit 11 000 Mitarbeitern durch den Stadtrat finde aufgrund des Parteieneinflusses bei der Personalauswahl nur eingeschränkt statt. Es sind Thesen, mit denen sich Paschalis weder in der Verwaltung noch bei der politischen Konkurrenz Freunde gemacht hat.

Im Rat der Stadt durfte Paschalis 2017 zuletzt nur noch auf die Unterstützung der Fraktion Die Linke zählen. Die Aufarbeitung des sogenannten ASS-Skandals führte zum Bruch mit der SPD, seiner Abwahl durch den Rat und zu einer ganzen Reihe juristischer Auseinandersetzungen, die zum Teil noch nicht abgeschlossen sind. Vor wenigen Tagen hat das Amtsgericht Wuppertal gegen Paschalis Strafbefehl über eine Geldstrafe von 4000 Euro wegen übler Nachrede erlassen. Paschalis hatte 2018 Strafanzeige gegen Oberbürgermeister Andreas Mucke, Stadtdirektor Johannes Slawig, zahlreiche Politiker und Mitarbeiter des Rechnungsprüfungsamtes gestellt, weil er die Abmachung zwischen der Stadt und der Leasing-Firma ASS sowie den Umgang der Stadt damit zweifelhaft fand. Laut Strafbefehl warf er dem Oberbürgermeister, dem Stadtdirektor und politischen Spitzen der Stadt eine so genannte Unrechtsvereinbarung vor, obwohl er gewusst habe, dass das nicht zutreffe, so der Vorwurf. Gegen den Strafbefehl hat Paschalis Einspruch eingelegt.

„Ich freue mich, dass das Amtsgericht Wuppertal hoffentlich noch vor den Wahlen das Verfahren eröffnen wird, in dem der Sachverhalt geklärt wird“, sagt Paschalis und sieht sich weiter in der Rolle des Aufklärers. Die Stadt hatte mit dem Sportmarketingunternehmen ASS aus Bochum über Jahre ein dubioses Gegengeschäft betrieben. Der ASS-Skandal werde nicht im Mittelpunkt seines Wahlkampfs stehen, so Paschalis.

In der Struktur sei Wuppertal eine Stadt mit kleinteiligen bürgerlichen Elementen, deren Entwicklungspotenzial in den Quartieren durch ein Nebeneinander von Wohnen, Einzelhandel und umweltschonendem Gewerbe liege. Paschalis lebt mit seiner Familie in einer Gründerzeit-Villa in Vohwinkel und hat sich dort sein Wahlkampfbüro eingerichtet. Es ist unschwer vorstellbar, dass für den Privatmann Paschalis dieses Haus als Rückzugsort Bedeutung hat und dass ihm dort seine Familie Kraft gibt, als OB-Kandidat nach beruflichen Rückschlägen wieder in die Offensive zu gehen. Seine Ehefrau Petra, die als Grundschullehrerin in Velbert tätig ist, und Panagiotis Paschalis sind seit 40 Jahren ein Paar.

Die Corona-Pandemie hat vielen Plänen des Wahlkämpfers einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Auftaktveranstaltung am 18. Februar im Kontakthof sind wegen des Abstandsgebots keine vergleichbaren Treffen mit potenziellen Wählern gefolgt. In den sozialen Medien ist der Kandidat präsent, schlägt in Kommentaren zuweilen eine harte Gangart an und schießt mit seinen Äußerungen immer wieder einmal über das Ziel hinaus. Es geht um Aufmerksamkeit - für einen unabhängigen Kandidaten, der politisches Neuland betritt, ein rares Gut.