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Pädagogische Hochschule in Wuppertal: Abriss wäre ein Gedächtnisverlust

Ehemalige Pädagogische Hochschule : Hardt: Abriss wäre „Gedächtnisverlust“

Initiative warb um den Erhalt der ehemaligen Pädagogischen Hochschule – doch die Stadt braucht das Areal als Schul-Ausweichquartier.

Die im Vorfeld angekündigte „Spurensuche zur Rettung der Pädagogischen Hochschule auf der Hard“ fiel am Samstag recht statisch aus, zu groß war offenbar das Bedürfnis, sich in Reden für den Erhalt des historischen Gebäudes einzusetzen. Der Förderverein Historische Parkanlagen, die Armin-T.-Wegner-Gesellschaft und der Bergische Geschichtsverein hatten zu dem Treffen geladen, um an die Bedeutung des Objekts zu erinnern und sich gegen den drohenden Abriss zu wenden. Auch etliche Professoren und weitere Dozenten der früheren Pädagogischen Hochschule (PH) waren unter den 50 Teilnehmern. Es gab aber auch kritische Stimmen.

Für die musikalische Einstimmung in das Thema sorgte Ulrich Klan, Vorsitzender der Armin-T.-Wegner-Gesellschaft, der auf seiner Gitarre unter anderem ein Lied vortrug, in dem er ein Zitat des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer vertont hatte. Mit der Würdigung Bonhoeffers – direkt neben dessen Denkmal stehend – erinnerte Klan daran, dass die nach dem Zweiten Weltkrieg in Wuppertal entstandene Pädagogische Akademie (später Hochschule) eine neue Art des Lernens nach dem Ende des Nationalsozialismus ermöglicht habe. Der Abriss des Gebäudes sei deshalb ein „vorsätzlicher Gedächtnisverlust“.

1958 war die Akademie in den Neubau auf der Hardt gezogen

Die Pädagogische Akademie war ab 1946 zuerst in der Thorner Straße 15 untergebracht, erster Rektor war Prof. Dr. Oskar Hammelsbeck. Im Jahr 1958 folgte der Umzug in das neu errichtete Gebäude auf der Hardt, das in unmittelbarer Nähe der Kirchlichen Hochschule auf dem „Heiligen Berg“ entstanden war. 1962 wurde die Akademie in Pädagogische Hochschule umbenannt. Mit der Gründung der Gesamthochschule (die spätere Bergische Uni) in den frühen 70er Jahren wurde der Unterricht dort beendet. Danach diente das Gebäude noch als Justizschule des Landes NRW, zuletzt war es Ausweichquartier während der Sanierungsarbeiten des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums.

Da eine Sanierung der ehemaligen PH – auch aufgrund eines Wasserschadens – zu teuer kommen würde, soll sie nun abgerissen werden. Auf dem Standort sollen Container aufgestellt werden, in denen die Schüler des Ganztagsgymnasiums Johannes Rau unterrichtet werden sollen.

Sanierung könnte Umzugspläne der Schulen verzögern

Von dieser Option riet Fritz Böversen allerdings ab. Der ehemalige Professor der PH verwies darauf, wie wichtig eine positive Lernatmosphäre für den Unterricht sei. „Container können Architektur nicht ersetzen“, sagte Böversen, der 1963 an die PH gekommen war. Er verbinde viele Erinnerungen mit dem Gebäude auf der Hardt.

Die Vorsitzende des Fördervereins Historischer Parkanlagen, Brigitte Alexander, betonte, dass das Ursprungsgebäude ein Ensemble mit dem Garten aus den 1950er Jahren bilde. Sollte das Objekt abgerissen werden, wäre der Garten vermutlich gefährdet. Man wolle nun noch ein weiteres, mittlerweile drittes Mal versuchen, das Gebäude unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Zwei Anträge dazu sind bereits gescheitert – unter anderem, weil nach Ansicht der zuständigen Stellen schon zu viel an dem ursprünglichen Gebäude verändert wurde. So wurde auf dem Dach eine Photovoltaikanlage installiert.

Mehrere Redner kritisierten zudem, dass es der Stadt mit dem Abriss der ehemaligen PH vor allem darum gehe, eine lukrative Fläche für neue Wohnbebauung zu schaffen. Beate Petersen, Vertreterin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), verwies auf die unterirdischen Höhlen in der Hardt, die eine weitere Wohnbebauung vor Probleme stellen könnten.

Nicht alle Teilnehmer mochten sich allerdings dem Chor zum Erhalt des bestehenden Gebäudes anschließen. So gab Claudia Enkrodt zu bedenken, dass es bei dem anstehenden Abriss der früheren PH ja darum gehe, Platz für das Ausweichquartier des Johannes-Rau-Ganztagsgymnasiums zu schaffen. Enkrodt ist Lehrerin für Kunst und Mathematik an der Schule und befürchtet, dass die aktuelle Diskussion um den Erhalt der früheren Hochschule den für den kommenden Sommer geplanten Umzug ihrer Schule „ins Stocken bringt“.