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Ortsbauernschaften kritisieren die Buga-Pläne

Ortsbauernschaften kritisieren die Buga-Pläne

Wuppertaler Landwirte nutzen den Sommerempfang für deutliche Worte in Richtung Stadt.

Es war eine Gelegenheit für deutliche Worte. Auch wenn alle Beteiligten beim traditionellen Sommerempfang der Wuppertaler Landwirtschaft immer wieder das partnerschaftliche Miteinander betonten, fehlte es doch nicht an Konfliktstoff. Die Ortsbauernschaften Wuppertal-West und Wuppertal-Ost hatten Vertreter aus Politik, Verwaltung und Landwirtschaftskammer auf den Hof „Gut zur Linden“ in Vohwinkel eingeladen. Aus ihrem Unmut gegen den aus ihrer Sicht immer stärker ausgeprägten Flächenfraß machten die Landwirte keinen Hehl. Auch die weiter zunehmende Bürokratisierung mit einem Dschungel an Vorschriften war Thema. Zentraler Kritikpunkt war beim Sommerempfang aber die geplante Ausrichtung der Bundesgartenschau (Buga) in der Bergischen Metropole.

„Wenn die Pläne so umgesetzt werden, wie sie im Moment vorgesehen sind, wird es die Landwirtschaft in Wuppertal, so wie wir sie kennen, langfristig nicht mehr geben“, warnt Ortslandwirt Carsten Bröcker vom Gut zur Linden. Durch die Buga würden nach seiner Schätzung 20 Hektar an Ackerflächen und 30 Hektar Wald wegfallen. Er appellierte eindringlich an die Stadtspitze, das Vorhaben in der jetzigen Form noch einmal zu überdenken. Tatsächlich sind die Buga-Pläne für 2027 oder 2029 äußerst kühn. Allein im Wuppertaler Westen soll zwischen Bahnstraße, Homanndamm, der Bahntrasse und der Straße Grünewald ein rund 30 Hektar großer Park mit Wohnbebauung entstehen. Hinzukommen zehn Hektar für 5000 Autostellplätze im Bereich der Buntenbeck. Dafür sollen die entsprechenden Grünflächen während der Buga mit Schotter versehen werden. Darüber kann Carsten Bröcker nur den Kopf schütteln. „Ein Rückbau in landwirtschaftliche Flächen ist aus technischer Sicht und aus Kostengründen fast unmöglich“, urteilt er.

Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) betonte dagegen beim Sommerempfang den städtebaulichen Nutzen der Buga. „Für die Außenwirkung der Stadt wären rund 1,2 Millionen Besucher ein enormer Gewinn“, findet er. Gleichwohl bemühte sich Mucke darum, die Wogen zwischen Politik und Landwirtschaft zu glätten. Bei neuen Projekten würden möglichst viele Flächen wieder genutzt und in diesen Fällen eben nicht auf der grünen Wiese gebaut. Der Anteil daran liege derzeit bei rund 60 Prozent. Ganz verhindert werden könne der Flächenverbrauch aber nicht. „Wuppertal wächst und wir brauchen Ansiedlungsmöglichkeiten für Wohnen, Industrie und Gewerbe“, erklärt Andreas Mucke.

Für ihn ist aber auch die Landwirtschaft im Stadtgebiet unverzichtbar. „Ohne sie gäbe es keine Lebensmittel aus der Region“, betont er. Die Ortsbauernschaften seien ein guter, verlässlicher Partner. Angesichts schwieriger werdender Rahmenbedingungen verdienen die Anstrengungen der mittelständischen Betriebe nach Ansicht des Oberbürgermeisters großen Respekt.

Diese Würdigung kam bei den Landwirten wiederum gut an. „Wir müssen über die vorhandenen Probleme konstruktiv sprechen“, findet der Vorsitzende der Ortsbauernschaft Wuppertal-Ost, Martin Dahlmann. Der Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NRW und Vorsitzende der Kreisbauernschaft Mettmann sprach sich für „wirtschaftlich intelligente“ Lösungen im Ballungsraum aus. „Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, dass die Flächen endlich sind“, sagt Dahlmann.

Beim ebenfalls umstrittenen Thema Kleine Höhe sei er derzeit noch recht entspannt. Kritischer sieht er das von den Ratsfraktionen von SPD und CDU ausgerufene Handlungsprogramm für zusätzliche Wohnbauprojekte in Wuppertal auf über 100 Hektar. „Für die Gesamtlandwirtschaft ist das sehr problematisch“, findet Dahlmann.