Wuppertal: Ohne Not in die Notaufnahme

Wuppertal: Ohne Not in die Notaufnahme

Immer mehr Patienten kommen bereits mit leichten Verletzungen in die Kliniken. Das führt zu längeren Wartezeiten.

Wuppertal. „Das Spektrum reicht von der Impfung über den einfachen Schnupfen bis hin zum abgebrochenen Fingernagel“, weiß der langjährige Leiter der Notfall-Ambulanz und Pflegedienstleiter des Bethesda-Krankenhauses ein Lied von den Patienten zu singen, die ohne Not die Notaufnahme beanspruchen. Ein Grund, weshalb die Kliniken nicht nur in Wuppertal das elektronisch gestützte „Manchester Triage-System“ eingeführt haben, bei dem die Dringlichkeit der Behandlung nach professioneller Einschätzung des Schweregrades über die Reihenfolge der Versorgung entscheidet.

. . . erklärt Bernd Sanner, Ärztlicher Direktor des Bethesda-Krankenhauses. Die Reihenfolge der Behandlung erfolgt nach einem international erprobten System.

„Schwere Notfälle haben dabei immer höchste und damit vorrangige Priorität“, erklärt Jörn Grabert, Pressesprecher des Helios Universitätsklinikums Wuppertal. „Schwerstverletzte oder Patienten mit akutem Brustschmerz werden auf jeden Fall sofort versorgt“, bestätigt das Bethesda-Krankenhaus, dessen Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Medizinischen Klinik, Professor Bernd Sanner, den international gültigen, fünfgliedrigen Farben-Code erklärt: „Rot bedeutet, dass der Patient sofort behandelt werden muss.“

Das heißt aber auch, dass leichter Verletzte oder weniger schwer Erkrankte in der Kategorie „blau“ bei erhöhtem Patientenaufkommen etwa an Wochenenden oder an Feiertagen mit längeren Wartezeiten rechnen müssen.

„Wir sehen einen allgemeinen Trend zur Inanspruchnahme der Notaufnahme und damit durchaus Probleme in der Versorgungsstruktur“ führt Grabert aus und weist darauf hin, dass das Helios bei kontinuierlich hohen Patientenzahlen im Notfallzentrum einen intensiven Austausch mit niedergelassenen Ärzten und der Kassenärztlichen Vereinigung pflegt. So soll auf jeden Fall eine bestmögliche Versorgung der Patienten im Tal sichergestellt werden.

„Der Grund für die häufige Inanspruchnahme der Ambulanz liegt wohl im Rückgang der niedergelassenen Mediziner im gesamten Bundesgebiet“, stellt Carmen Reimer, Unternehmenskommunikation des Bethesda-Krankenhauses, fest. Der „Arzt des Vertrauens“ stehe oft nicht mehr zur Verfügung, zum anderen bieten die Mediziner nur noch verkürzte Sprechstunden an.

Die bedeutende Säule der ambulanten Versorgung außerhalb der üblichen Praxisöffnungszeiten ist aber der Bereitschaftsdienst der kassenärztlichen Vereinigung. Der ist unter der Telefonnummer 116 117 zu erreichen.

Eine beruhigende Stellungnahme kommt von Michael Dohmann, Geschäftsführer des Klinikverbundes St. Petrus und St. Joseph: „Unsere Notaufnahme im St. Petrus-Krankenhaus ist rund um die Uhr besetzt.“ Und grundsätzlich gilt: „Es wird niemand ohne Versorgung weggeschickt.“