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Ohne Bekanntheit kein Erfolg

Ohne Bekanntheit kein Erfolg

Die Untersuchung einer Studentin der Uni Wuppertal unter potenziellen Kongress-Veranstaltern und -Teilnehmern zum Bekanntheitsgrad der Stadt ist eine einzige Ohrfeige für das Stadtmarketing. Die Studentin hat herausgefunden, dass offenbar niemand außerhalb Wuppertals Wuppertal so kennt, wie es wirklich ist.

Stattdessen wird die 360 000-Einwohner-Stadt als klein wahrgenommen, als hässlich, als verarmt. Die Schwebebahn hat einen hohen Bekanntheitsgrad, führt aber auch nicht dazu, dass die Menschen in Scharen an die Wupper kommen. Das ist nicht nur schade, sondern auch schädlich. Und es ist hausgemacht.

Seit Jahren arbeitet die Marketing-Wuppertal GmbH daran, das Image der Stadt zu verbessern. Dass dabei die Stadtsparkasse und die Barmenia Versicherung als Mitgesellschafter helfen, ist einerseits aller Ehren wert, andererseits aber auch ein Hinweis darauf, wie wichtig die Wahrnehmung einer Stadt für Unternehmen ist. Selbstverständlich und völlig zu Recht versprechen sich die privatwirtschaftlichen Gesellschafter von ihrem Engagement einen Nutzen. Aber der bleibt aus.

Er bleibt aus, weil das Marketing Wuppertals seit Jahrzehnten über Tuffi und die Schwebebahn nicht hinauskommt. Beide Geschichten sind wunderschön, und die Schwebebahn ist vermutlich das nützlichste Relikt aus Zeiten des Aufbruchs ins 20. Jahrhundert, das es auf der ganzen Welt gibt. Aber sie allein reicht offensichtlich nicht dafür aus, Wuppertal über die eigenen Grenzen hinaus als das zu beschreiben, was Wuppertal ist: modern, weltoffen, bunt, leistungsfähig und vor allem schön durch kulturelle Vielfalt, durch Freizeitwert und Wohnqualität.

Fast jeder Wuppertaler wird schon Leute von außerhalb zu Besuch gehabt haben. Dabei dürften sie viele „das hab’ ich nicht gewusst“ und „das hab’ ich ja noch nie gesehen“ gehört haben. Diese Stadt birgt Überraschungen, die schon den meisten Nachbarn im Kreis Mettmann verborgen bleiben, weil ihnen das öffentliche Wuppertal davon nicht berichtet.

Es ist bezeichnend, dass die Stadthallen-Geschäftsführung auf der Suche nach neuen Kunden und Gästen nun eigene Wege geht, sich mit bundesweit agierenden Veranstaltungsort-Vermarktern zusammentut, weil das Bergische Land allein für die Auslastung dieser weit und breit einzigartigen Location nicht ausreicht. Die städtisch-privatwirtschaftliche Marketing GmbH war dazu bisher offenbar nicht in der Lage.

Ein Wunder ist das nicht. Die Gesellschaft und das Rathaus halten es bisher nicht einmal für nötig, darauf hinzuweisen, dass Wuppertal sogar über einen Flughafen verfügt. Der NRW-Airport ist beispielsweise von Wuppertal-Vohwinkel so schnell zu erreichen wie von Düsseldorf-Benrath. Für Unternehmen, die sich hier womöglich ansiedeln wollen, für Fachkräfte, die vielleicht nach einem neuen Wirkungskreis suchen, ist so eine Information bedeutend.

Es stimmt freilich, dass Wuppertal sich sein Marketing nicht sonderlich viel kosten lässt, was ein grober Fehler ist. Denn Klappern gehört zum Handwerk. Aber selbst mit den verhältnismäßig wenigen Mitteln lässt sich mehr machen als das xte Modell der Schwebebahn zum Selbstbauen. Und die Wuppertalschirme haben ihre besten Zeiten auch lange hinter sich.

Und es stimmt, dass Bekanntheit allein noch keinen Erfolg macht. Aber unbekannt zu sein, unterschätzt zu werden, verhindert ihn auf jeden Fall. Das hat die Studie der Uni Wuppertal leider eindrucksvoll bewiesen.