Offene Ganztagsschulen: Eltern fordern flexiblere Abholzeiten

Offene Ganztagsschulen: Eltern fordern flexiblere Abholzeiten

Allgemein gilt für Schüler, die für das Angebot angemeldet sind, eine Anwesenheitspflicht bis 16 Uhr. Etlichen Eltern ist diese Regelung zu starr.

Wuppertal. Auch in Wuppertal fordern Eltern flexible Abholzeiten bei der Nachmittagsbetreuung in offenen Ganztagsschulen (OGS).

Dort gilt eine Anwesenheitspflicht bis 16 Uhr — was nicht nur die berufstätige Mutter Irina Mühler (Namen von der Redaktion geändert) kritisiert. Ihr siebenjähriger Sohn Kevin besucht den offenen Ganztag einer Grundschule im Elberfelder Norden, die es den Eltern bisher ermöglicht, ihre Kinder im Ausnahmefall auch schon um 14 oder 15 Uhr abzuholen.

„Mein Mann und ich arbeiten in Schichten“, berichtet Irina Mühler. „Ich habe als Verkäuferin in Teilzeit wöchentlich wechselnde Anfangszeiten und bin darauf angewiesen, Kevin vor meinem Dienst abholen und beispielsweise zu den Großeltern bringen zu können.“ Die Mutter fürchtet, dass diese Handhabung ab dem neuen Schuljahr unterbunden werden könnte und ist mit ihrem Protest nicht allein: Mittlerweile gibt es Unterschriftenlisten von Eltern, die sich für flexiblere Abholzeiten aussprechen.

Ausnahmen sind in Einzelfällen möglich, wie der Petitionsausschuss des Landtags im Jahr 2006 entschieden hat (siehe Kasten), doch grundsätzlich herrscht Anwesenheitspflicht, wie der städtische Schuldezernent Matthias Nocke (CDU) betont: „„Das Land hat in der Tat die Schrauben angezogen und legt Wert darauf, dass das Format Offene Ganztagsgrundschule, das ja auch einem einheitlichen pädagogischen Konzept und bestimmten Qualitätskriterien folgt, eingehalten wird. Dazu gibt es klare Bestimmungen, an die wir uns halten müssen.“

MatthiasNocke (CDU), Schuldezernent

Von den Eltern werde zuweilen verkannt, „dass es sich bei dem Angebot nicht in erster Linie um eine Betreuungsmaßnahme handelt, sondern tatsächlich um Schule“. Zwar sei die grundsätzliche Entscheidung zur Teilnahme eine freiwillige, „doch wer mitmacht, muss die Regeln akzeptieren“, so Nocke. Es könne nicht angehen, dass einerseits dringend Plätze gebraucht und andererseits Angebote nur zeitweise in Anspruch genommen würden.

Er habe jedoch Verständnis für die Sorgen der Eltern: „Wir werden uns intensiv mit der Frage beschäftigen“, kündigt Nocke an. Es sei zu prüfen, ob und wie „aus der Schulorganisation heraus oder in Absprache mit den freien Trägern, die den Ganztag organisieren, ein Mehr an Flexibilität“ erzielt werden könne.

Irina Mühler und andere Eltern hoffen darauf. Eine strengere Handhabung der Abholzeiten würde die Familie vom Uellendahl vor erhebliche Herausforderungen stellen. „Starre Regeln sind für Schichtarbeitende wie uns ein echtes Problem.“

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