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Offene Ausbildungsstellen im bergischen Dreieck jetzt noch zu besetzen

Ausbildungsstart : Flexibler Ausbildungsstart

Offene Stellen in sämtlichen Bereichen können auch nach offiziellem Ausbildungsbeginn gesichert werden

Auch fast drei Monate nach dem offiziellen Ausbildungsstart können immer noch Stellen im Bergischen Dreieck für 2020 besetzt werden. Für viele neue Auszubildende hat die Ausbildung wie immer bereits im Sommer angefangen. Aber in diesem Jahr sind bergische Betriebe und Berufsschulen äußerst flexibel.

Die Bergische Industrie- und Handelskammer (IHK) hat auch dieses Jahr unzählige Auszubildende sowie Unternehmen beraten und vermittelt. Dabei lief einiges anders als sonst. So wurde wegen der Corona-Pandemie eine spezielle Internetseite eingerichtet, auf der Bewerber und ausbildende Unternehmen zueinander finden und miteinander kommunizieren können. Trotzdem gibt es weiterhin offene Stellen.

Eine Erklärung dafür: große Unsicherheit bei Bewerbern sowie Unternehmen. Laut Michael Oelkers, dem stellvertretenden Leiter im Bereich Aus- und Weiterbildung bei der Bergischen IHK, hätten sowohl Ausbildungssuchende als auch Betriebe ihre Suche aufgrund dieser Unsicherheit zunächst zurückgeschraubt.

Dass die Ausbildungsvermittlung jetzt weitergeht, liegt vor allem auch an der bundesweiten Ausbildungsprämie. Mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ sollen ausbildende Betriebe dabei unterstützt werden, das Ausbildungsplatzangebot aufrecht zu erhalten. So soll etwa auch Kurzarbeit für Auszubildende vermieden werden.

Oelkers versichert, es sei kein Problem, wenn die Auszubildenden durch den verspäteten Start einige Wochen verpasst hätten. In der jetzigen Phase sei man sehr flexibel. In manchen Fällen hätten Bewerber, die sich für eine Stelle im nächsten Jahr beworben haben, sogar die Möglichkeit gehabt, jetzt schon anzufangen.

Auch bei der Kreishandwerkerschaft Solingen-Wuppertal können neue Auszubildende nach Angaben von Kreishandwerksmeister Arnd Krüger bis Ende des Herbstes anfangen. Dieser Schritt sei mit den Berufsschulen abgesprochen. „Alle sind herzlich willkommen“, so Krüger.

Viele Bewerber hatten wegen der anfangs schwer einschätzbaren Situation eine Betriebsausbildung vorerst abgehakt und stattdessen eine schulische Ausbildung begonnen. Daher gebe es, so Oelkers jetzt aber auch Verkürzungsmöglichkeiten. Die IHK berate in diesem Fall so, dass genug Zeit zur Prüfungsvorbereitung bleibt. „Da gibt es totale Flexibilität“, sagt Oelkers.

Flexibilität ist auch bei Bewerbern gefragt. Dazu hatte Martin Klebe, Chef der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal, im August gesagt: „Häufig hilft es, wenn Jugendliche zu ihrem Wunschberuf auch Alternativen entwickeln. Oft liegt der Schlüssel für einen erfolgreichen Berufseinstieg direkt vor der Tür, zum Beispiel hinter einer ungewohnten Berufsbezeichnung oder in einem kleinen oder weniger bekannten Betrieb.“

Die Berufsschulen seien ebenfalls flexibel, so Oelkers. Viele würden die Inhalte der vergangenen Wochen nachreichen. Das sei vor allem für die Unternehmen wichtig, die jetzt noch auf der Suche sind. Die Beratung der IHK spielt dabei eine wichtige Rolle. Oelkers betont zudem, dass noch Stellen aus allen Bereichen, etwa in der IT-Branche, in der Industrie und im Bürowesen in der Ausbildungsplatzbörse zu finden sind.

Was den Schutz vor Corona-Infektionen angeht, hätten sowohl Betriebe als auch Berufsschulen transparente Hygienekonzepte entwickelt. So habe die IHK Anfang des Schuljahres mit den betroffenen Schulleitungen gesprochen. Zuvor hätten Betriebe gezögert, ihre Auszubildenden in die Berufsschule zu schicken, da in unterschiedlichen Betrieben strenge Hygienevorschriften herrschen. Aber auch die Schulen seien sehr sensibel und stellten ihre Hygienekonzepte unter anderem auf ihren Webseiten vor, sodass sich der Betrieb dort informieren kann. Auch bei Prüfungen würden Hygienevorschriften eingehalten.

Coronabedingt mussten manche Auszubildende ihre Tätigkeit – je nach Beruf – im Home-Office antreten. Dafür mussten ebenfalls besondere Konzepte entwickelt werden. Oelkers betonte, dass es wichtig sei, dass der Bezug zum Ausbilder dabei nicht verloren geht. Durch die Notsituation habe sich für alle Beteiligten eine Menge verändert. „Durch die Gesamtsituation ist da eine größere Offenheit“, sagte Oelkers abschließend.