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Ölberg feiert: Königliches Kult-Fest bei Kaiserwetter

Ölberg feiert: Königliches Kult-Fest bei Kaiserwetter

Straßenevent: Zum vierten mal stellten die Ölberger ihre Sofas auf die Straße und luden zum Straßenfest. Und wieder kamen Tausende auf den Berg.

Ölberg. Martin Pick hatte wohl gespürt, dass der Ölberg ein besonderes Viertel sein muss. Auf dem Weg zu einem Maklertermin fuhr der Lehrer aus Düsseldorf während der Wohnungssuche durch die Marienstraße und war sich sicher: Hier will ich wohnen. Sechs Monate später ist Pick sich sicher, am Ölberg seine neue Heimat gefunden zu haben. Auf das Ölbergfest freut sich der Lehrer am Carl-Fuhlrott Gymnasium für Deutsch und Biologie schon seit Wochen. "Meine Freunde erzählten mir immer wieder, wie toll das Fest ist", sagt er.

Nur bei der Frage mit dem Sofa auf der Straße hat Pick lange gezögert - schließlich wohnt er im dritten Stock. Doch dann stehen am Samstag nicht nur Gartenstühle, Couchtisch und Grill auf der Marienstraße: Auch Picks Ledercouch hat dort - zumindest temporär - ein neues zu Hause gefunden.

Wohl dem, der in Martin Picks Runde oder an den Tischen der Nachbarn einen der begehrten Sitzplätze ergattern konnte: Ab dem Spätnachmittag drängen sich die unzähligen Besucher bei strahlendem Sonnenschein dicht an dicht die Marienstraße in Richtung Schusterplatz hinauf.

Das Ölbergfest zeigt in der vierten Auflage, was die "Ölberger" und das Flair des Viertels so einzigartig macht. "Die Leute sind einfach herzlich und helfen einander", gerät auch Pick ins Schwärmen. Südländisch sei die Atmposphäre - erst recht bei dem Wetter. Wieder haben die Ölberger Glück. Sommerliche Temperaturen locken Tausende auf den Berg. Streckenweise geht auf der Marienstraße gar nichts mehr. So dicht gedrängt schieben sich die Menschenmassen an Gegrilltem, an Bier und Saft, Kaffee und Kuchen, an Würstchen und Döner den bergauf.

Als Martin Pick um neun Uhr abends den Grill anschmeißt, ist in seiner Runde kein Platz mehr frei und den Gastgeber freut es. Oft bleiben an diesem Abend wildfremde Menschen an seiner Couch stehen und man kommt ins Gespräch.

Die ganze Vielfalt des Viertels ist am Samstag greifbar: Familien, Punker, Alternative, Senioren und junge Studenten flanieren gemeinsam durch die Straßen des Viertels, lediglich bei der Eröffnung des Festes geraten das Landespolizeiorchester und ein paar Autonome aneinander. Nichts wirklich Ernstes, das Fest bleibt friedlich - bis in die Nacht. Die Bilanz der Polizei gestern: keine besonderen Vorkommnisse. Martin Pick ist ebenfalls zufrieden. Wenn nun nicht wieder das Sofa in den dritten Stock müsste. . .