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OB-Wahl in Wuppertal: Henrik Dahlmann - der unbekannte Faktor

OB-Wahl in Wuppertal : Henrik Dahlmann, der unbekannte Faktor

Henrik Dahlmann macht keinen Hehl daraus, dass viele, sogar sehr viele Wuppertaler, die am 13. September ihr Kreuzchen für den OB machen, vom Kandidaten der Freien Wähler bislang eher wenig gehört haben dürften.

„Ich bin der unbekannte Faktor.“ Henrik Dahlmann macht keinen Hehl daraus, dass viele, sogar sehr viele Wuppertaler, die am 13. September ihr Kreuzchen für den OB machen, vom Kandidaten der Freien Wähler bislang eher wenig gehört haben dürften. „Henrik Wer?“ Er sei politisch noch nicht so groß in Erscheinung getreten, räumt der 40-Jährige beim Besuch in der WZ-Redaktion ein. Dass er als unbeschriebenes Blatt ins Rennen geht, könne mitunter ein Vorteil sein, sagt er. Und, ist er überzeugt, „so ein Rückstand bei der Bekanntheit lässt sich aufholen“. Straßenwahlkampf, darauf freue er sich schon.

Wer Henrik Dahlmann googelt, landet erstmal auf der Seite der Allianz für Wuppertal. Die gibt es strenggenommen gar nicht mehr, denn 2019 schlossen sich die AfW und die WfW zu den Freien Wählern zusammen. Dahlmann ist Geschäftsführer. Und bald auch Oberbürgermeister? Der studierte Historiker lächelt. Nein, da bleibe er realistisch. Die Wahl würden schon die „beiden Großen“, Amtsinhaber Andreas Mucke (SPD) und Uwe Schneidewind (CDU/Grüne) unter sich ausmachen. Das Ziel der Freien Wähler: „Den Bürgerinnen und Bürgern ein bürgerliches Angebot machen, die sich nicht von Herrn Schneidewind vertreten sehen.“

Es gehe auch um die Plätze - und vor der FDP (Marcel Hafke) und der Linken (Bernhard Sander) zu landen. Wie viel Prozent der Stimmen dazu nötig seien, da wagt er noch keine Prognose. Zumindest deutet er an, was die Freien Wähler als Enttäuschung sehen würden. „Hinter der FDP zu stehen.“

Dabei stand Dahlmann, der aus einem, wie er sagt, konservativ-liberalen Elternhaus stammt, der FDP mal durchaus nahe, ohne selbst Mitglied zu sein. Das wurde er erst 2014 aus Protest – in der AfD. Als Euro-Kritiker, der sich, wie zum Beispiel Ratsherr Ralf Wegener, bei der FDP nicht mehr aufgehoben fühlte. Nach dem Führungsstreit innerhalb der Bundespartei sei man aber nur ein Jahr später wieder ausgetreten. Darüber sei er heute „unendlich froh“, angesichts des Werdegangs, den die AfD seitdem nahm. „Das hätte ich nie vertreten können.“ Als Makel in der Biografie sieht er die Mitgliedschaft nicht. Vorwürfe habe ihm deswegen niemand bisher gemacht. „Ich habe damals ja auch schnell die Reißleine gezogen.“

Als Wuppertaler „durch und durch“ beschreibt sich Dahlmann. „Ich liebe diese Stadt.“ Hier ist er aufgewachsen, hat sein Abitur an der Privaten Herderschule gemacht, an der Universität studiert. Nur einer seiner Studentenjobs brachte ihn einmal länger weg aus dem Bergischen. Beim Onkel in Finnland half er auf dem Hof bei der Ernte und der Tieraufzucht mit. Aus einem anderen Hobby zu Uni-Zeiten wurde ein kleines Gewerbe. Über sein Antiquariat vertreibt er vor allem Geschichtsliteratur und historische Romane. „Das, was ich auch privat am liebsten lese.“

Als Fan von Klassik-Konzerten komme er in Wuppertal voll auf seine Kosten. Oder bei Spaziergängen im Grünen, am liebsten in den Barmer Anlagen oder auf dem Scharpenacken. Wuppertal biete so viel und „kann mehr, als es momentan zeigt“. Dass er mal als OB-Kandidat in seiner Heimatstadt antritt, hätte er früher nie gedacht. „Aber es ist eine Ehre.“ Für einen, der von sich sagt, dass er schon immer in die Politik wollte.

Dass die Freien Wähler einen eigenen Kandidaten aufstellen, sei früh klar gewesen. Auch, um selbst Position zu beziehen. Im Rat trug die Fraktion des Öfteren Anträge von CDU und Grünen mit. Etwa bei der Bereitstellung von Haushaltsmitteln für die marode Brücke Kirchhofstraße. Oder kürzlich, als gemeinsam mit dem Kernbündnis und der FDP der Plan auf den Weg gebracht wurde, den Platz Ost neben Primark in eine begrünte Taxistellfläche umzuwandeln. „Wir sind aber kein Anhängsel einer großen Fraktion“, betont Dahlmann.

„Die Verwaltung muss einsehen, dass sie für die Bürger da sein muss“, beschreibt er seine Sicht auf Wuppertals Politik. Leuchtturm-Projekte wie das Pina-Bausch-Zentrum oder die Buga sieht der OB-Kandidat kritisch. „Wuppertal kann sich das aktuell nicht leisten.“

Echte Bürgerbeteiligung sei wichtig, „gerade Kommunalpolitik muss die Wünsche, aber auch die Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger vor Ort im Auge haben“. Auch dass die Stadt nun in die Bahndirektion ziehen will, passt den Freien Wählern nicht. „Der Bürger steht doch nicht in der Pflicht, Herrn Clees die Miete zu bezahlen.“

Themen wie Digitalisierung, Sozialer Wohnungsbau und der Umgang mit Wohn- und Gewerbeflächen („Innen- vor Außenentwicklung“) werden sein Werben um Unterstützer bestimmen. Dass der Wahlkampf Neuland für ihn sein wird, gibt er zu. Im Gespräch wirkt Dahlmann ruhig und zurückhaltend. Kein Lautsprecher. Kann er auch anders? Laut werden? „Auf jeden Fall. Gerade bei politischen Themen, die mir am Herzen liegen.“ Wichtig sei aber immer, „dass der Ton gewahrt wird“.

Dass er nicht zur Diskussionsveranstaltung mit den anderen OB-Kandidaten auf den Carnaper Platz eingeladen wurde, „war wirklich schade“. Warum er nicht auf der Liste stand, habe Wuppertalaktiv, der Organisator, nicht wirklich begründet. Doch weitere Runden werden folgen. „Und da werden wir auch versuchen, dabei zu sein.“ Der Öffentlichkeit zu zeigen, wer er ist und für was er steht, wird schließlich das wichtigste sein. Damit möglichst viele bei der Frage „Henrik Wer?“ bald eine Antwort parat haben.