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Wuppertal: Nur neun Minuten für die Reinigung von Schülerklos

Wuppertal : Nur neun Minuten für die Reinigung von Schülerklos

Zwei Ratsausschüsse beschäftigen sich derzeit mit dem Thema „Sauberkeit an Schulen“.

Wuppertal. Schultoiletten seien dreckig, Klassenräume würden zu selten geputzt und Reinigungskräfte hätten zu wenig Zeit. Diese Einschätzung hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kürzlich veröffentlicht und sich auf Erfahrungen der Schulleitungen berufen (die WZ berichtete).

Den Ruf der Lehrer-Gewerkschaft nach mehr Sauberkeit an Schulen hatten SPD und CDU im Betriebsausschuss des Gebäudemanagements (GMW) zum Anlass genommen, bei der Verwaltung nachzuhören, wie es sich damit tatsächlich verhält. Die ausführliche Antwort, die aus vielen Zahlen und wenig Lösungsansätzen besteht, wird auch den Schulausschuss beschäftigen, der am Mittwoch zusammentritt. Denn die Kernaussage, die schon im GMW-Ausschuss zutage kam, lautet: Kürzere Reinigungsintervalle sind möglich, aber kaum bezahlbar. „Wir haben jetzt beschlossen, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und überlegen, was wie bezahlt werden kann“, sagt GMW-Ausschuss-Mitglied Ioannis Stergiopoulos (SPD).

Beinahe fünf Millionen Euro gibt die Stadt jährlich für die Reinigung der Schulen aus. 670 000 Euro mehr würden es werden, wenn an Schulen mit Ganztagsbetrieb zweimal täglich die Toiletten gereinigt würden. 1,2 Millionen Euro Mehrkosten müssten an anderer Stelle eingespart werden, würden auch die Sanitär- und Umkleideräume in Turnhallen zweimal täglich gereinigt.

109 Schulgebäude mit insgesamt 529 568 Quadratmetern — eine Größe wie 74 Fußballfelder — lässt das GMW von Fremdfirmen säubern. Damit die Reinigungskräfte wissen, was sie zutun haben, gibt es eine Leistungsbeschreibung, die genau erklärt, welche Reinigungsverfahren angewendet werden müssen und wie das Ergebnis auszusehen hat.

So ist im Leistungsverzeichnis für Grund- und Musikschulen zu lesen, dass Abfallbehälter fünfmal pro Woche geleert werden müssen. Türgriffe zu Klassenräumen werden zweieinhalb Mal pro Woche gesäubert, wobei sich die Frage stellt, wie eines halbes Mal geputzt wird, und Schülertische ebenfalls zweieinhalb Mal — vorausgesetzt, sie sind freigeräumt. Einmal in der Woche sind die WC-Fliesenwände vollflächig zu reinigen, im Spritzbereich täglich. Toiletten und Urinale sind ebenfalls einmal am Tag dran.

Die Zeit, die fürs Saubermachen aufgewendet werden darf, richtet sich jedoch nicht nach dem tatsächlichen Bedarf, sondern nach ebenfalls vorgegebenen Größen. Da die Berechnung sehr komplex zu sein scheint und immer mehrere Faktoren dabei einfließen, konnte das GMW den Ausschüssen keinen Zeit-Plan zur Verfügung stellen. Deshalb hat Frank Heinecke vom GMW ein Beispiel angeführt.

Demnach beträgt die Reinigungszeit für ein Schul-WC von 13,35 Quadratmetern mit drei Toiletten und zwei Urinalen 9,21 Minuten. In dieser Zeit muss der Fußboden zweistufig gereinigt werden, die Toiletten und Urinale müssen geputzt werden, Waschbecken mit Ablage und Spiegel sind zu säubern, Seifen- und Handtuchspender sollen nachgefüllt werden und auch der Müllbehälter soll geleert werden. Insgesamt darf die Reinigungskraft die ihr vorgegebenen 9,21 Minuten maximal um zehn Prozent überschreiten.

„Zur Überprüfung, ob die vom GMW beauftragte Reinigungsleistung erbracht wird, werden permanent Kontrollen des Reinigungsergebnisses durchgeführt. Neben der täglichen (stichprobenartigen) Kontrolle durch die Schulhausmeister vor Ort beschäftigt das GMW dafür zweihauptamtliche Kräfte (1,7 Vollzeit-Stellen) im Bereich Gebäudeservice“, teilt Heinecke weiter mit. Nur in fünf Fällen habe es im vergangenen Jahr Mängel in der Reinigung gegeben. „In 810 Fällen war das Reinigungsergebnis beanstandungsfrei.“

Heinecke sagt in seinem Bericht aber auch, dass nur da geputzt wird, wo alles freigeräumt ist — sonst bleibe es dreckig. In diesen Fällen, „verzichtet das GMW auf Kostenerstattung gegenüber der Reinigungsfirma.“ Stattdessen soll der Schulhausmeister der Putzkraft eine andere Aufgabe zuweisen.

Insgesamt kommt Heinecke zu dem Ergebnis, dass kürzere Reinigungsintervalle keine höhere Kundenzufriedenheit bringen würden. Begründung: „Die Beobachtungen der Reinigungskontrolleurinnen ergeben, dass vielfach Toilettenanlagen bereits kurz nach Unterrichtsbeginn den Eindruck einer am Vortag unterlassenen Reinigung vermitteln.“