Nordbahntrasse: Streit um Viadukt vor Gericht

Nordbahntrasse: Streit um Viadukt vor Gericht

Die Sanierung an der Schönebecker Straße beschäftigt jetzt die Justiz: Eine Firma aus Neuss hat gegen die Trassen GmbH geklagt — es geht um hohe Mehrkosten.

Barmen. Die Zahlen sprechen für sich: Gut 60.000 Euro waren laut Wuppertal Bewegung für die Abdichtung des Trassen-Viadukts an der Schönebecker Straße in Barmen ursprünglich veranschlagt. Dass es vor der 1. Kammer für Handelssachen am Landgericht jetzt um 110.000 Euro geht, steht für eine Kostenexplosion. In der Auseinandersetzung zwischen der Nordbahntrassen GmbH und der beauftragten Baufirma wird der Fall jetzt juristisch geklärt. Das Unternehmen aus Neuss hat gegen die GmbH geklagt.

Der Fall führt ins Jahr 2011 zurück: Damals ging es um die Sanierung des gut 130 Jahre alten Viaduktes in mehreren Schritten für insgesamt 400.000 Euro. Die Klage dreht sich um die finalen Abdichtungsarbeiten, die im April 2011 erledigt wurden und seitdem verhindern, dass von der Oberseite aus Wasser in die Konstruktion eindringen kann. Dass die Abdichtung unter dem Strich gut 50.000 Euro teurer wurde als geplant, liegt an der Menge des eingesetzten Materials zur Abdichtung (siehe Info-Kasten): Waren dafür ursprünglich nur 300 Kilogramm vorgesehen, wurden tatsächlich 8000 Kilogramm verbaut, was die Baukosten auf 110.000 Euro hochschnellen ließ.

Dass die Menge 25-fach höher ausfiel als geplant, lag am Betonüberbau, mit dem das Viadukt zuvor versehen worden ist — durch Kräfte des zweiten Arbeitsmarktes: Der Beton, auf dem das Dichtmaterial aufzutragen war, wies laut Baufirma eine dermaßen schlechte Qualität auf, dass man anstatt der ursprünglichen 300 Kilogramm 8000 Kilogramm Material verbaut habe.

Hier setzt der Streit an: Die Nordbahntrassen GmbH widerspricht der Baufirma, den Einbau der 25-fachen Menge in jedweder Form beauftragt zu haben: Vielmehr habe man nach Feststellung der mangelhaften Qualität des Betons einen Ortstermin eine Woche später angesetzt, um nach günstigeren Alternativen zu suchen, wie Carsten Gerhardt als Geschäftsführer der Nordbahn-trassen GmbH vor Gericht erklärte. Am 18. April habe man vor Ort dann festgestellt, dass die Firma zwischenzeitlich die 8000 Kilogramm Material verbaut habe.

Zu einer Einigung kam es bei der Güteverhandlung am Dienstag nicht: Während die Nordbahntrassen GmbH erklärte, für die Mehrleistung bereits zusätzlich 10.000 Euro bezahlt zu haben, bot das Bauunternehmen zunächst ein Drittel und zuletzt die Hälfte der strittigen Mehrkosten als Nachlass an. Am 18. Juli gibt es einen weiteren Gerichtstermin.

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