Nichts als Ärger mit den kühnen Dachkonstruktionen

Nichts als Ärger mit den kühnen Dachkonstruktionen

Ein Zeltdach über der Schwanenstraße und die „Dinger vom Werth“: Mit Dächern in den Fußgängerzonen hatte die Stadt wenig Glück.

Wuppertal war vor gut 50 Jahren eine der ersten deutschen Städte, in denen Konzepte für autofreie, fußgängerfreundliche Innenstädte entwickelt wurden. Wenige Jahre später sorgten die Elberfelder bundesweit für Aufsehen, als sie Ideen für eine Überdachung ihrer Fußgängerzone in die Tat umsetzten. Wuppertal kämpfte schon damals gegen das Image, mit Regenfällen reicher gesegnet zu sein als andere Städte. Da wollte das bergische Oberzentrum den Passanten als besondere Attraktion beim Einkaufsbummel ein Dach über dem Kopf bieten.

WZ-Fotograf Kurt Keil erinnert sich daran, dass die Idee zu einer Zeit aufkam, als kühn geschwungene Dächer weltweit für Aufsehen sorgten. Die Olympischen Spiele 1972 kündigten sich an und der Bau des Olympiastadions setzte Maßstäbe. In seiner Chronik zur Stadtgeschichte „Fußgängerparadiese für Elberfeld und Barmen“ berichtet Hinrich Heyken, dass die Firma Enka-Glanzstoff eine Kunststoffüberdachung für Teile der Elberfelder Fußgängerzone gestiftet hatte, um Material für das Zeltdach in München zu testen. Eine Überdachung der Schlössersgasse funktionierte nicht, man wich auf die Schwanenstraße aus.

Bilder erzählen

Stadtgeschichte

Kurt Keil schoss Fotos von der Montage des Zeltdaches und der Präsentation durch Stadt und Architekten. Wie er weiter berichtet, verlor das Elberfelder Zeltdach im Gegensatz zur vielbewunderten Münchener Konstruktion aber bald schon an Glanz. „Im Verlaufe der nächsten Jahre schwindet bei den Beteiligten die Freude über den Stadtbummel unter dem Dach. Die Kunststoffbedachung wird durch Schmutz und Verfärbung unansehnlich, das Licht darunter schummerig. Vor allem aber erhebt die Feuerwehr ernsthafte Bedenken wegen der Sicherheit im Brandfalle. Schließlich wird das Dach sechs Jahre später 1976 wieder abmontiert“, heißt es in der Chronik.

Noch kläglicher scheiterte der Versuch der Stadt, den Barmern ein Dach über dem Kopf zu spendieren. 1991 geht eine Dachkonstruktion in der Barmer Fußgängerzone als „Die Dinger vom Werth“ in die Stadtgeschichte ein. Zunächst wird monatelang erbittert über Größe und Form der zwei Stahlkonstruktionen gestritten. Trotz massiver Proteste von Passanten und Geschäftsleuten, denen die „Dinger vom Werth“ viel zu groß ausgefallen sind, setzte die Stadt den Ratsbeschluss um und baute mit Kosten von 300 000 Mark. Der Skandal war perfekt, als von Kritikern eine Prüfung der Baugenehmigung gefordert wurde. Es stellte sich heraus, dass die Stadt einen Schwarzbau errichtet hatte. Die Konstruktion musste wieder abgebaut werden. Eine Planenkonstruktion am Alten Markt wurde als „Hungertuch“ verspottet. Als vor der Gründung der ISG Barmen Werth 2011 Ideen zur Verschönerung der Fußgängerzone gesammelt werden, wird ein Konzept zur Überdachung vorgestellt. Doch die Idee wird nicht weiter verfolgt. Inzwischen scheinen die Wuppertaler erkannt zu haben, dass Regenschirme eine unkompliziertere Lösung sind.