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Neues Standardwerk für Familienforscher

Neues Standardwerk für Familienforscher

Ursula Ernestus sichtete zehn Jahre lang Dokumente zu Elberfelder Familienereignissen zwischen 1648 und 1769.

Wuppertal. „Dem Pitter sein Sohn“ zählt heute zu den Ausrutschern, die jedem Schüler angestrichen würden. Einst aber durfte selbst der Herr Pastor dies ungescholten sagen und schreiben. Mehr noch: Die Gemeinde wusste sogar, wer dem Pitter sein Sohn war.

Zehn Jahre lang hangelte sich Ursula Ernestus durch Elberfelder Kirchenbücher und damit durch den reinsten Wust an handschriftlichen Einträgen, die in Wortwahl, Grammatik, Leserlichkeit und Systematik zahlreiche Wünsche offen ließen. Am Ende dieses Unternehmens stellte sie nun im Engelshaus das kiloschwere Ergebnis vor: ein fünfbändiges „Familienbuch Elberfeld, 1648—1769, nach den Kirchenbüchern der reformierten, der lutherischen und der katholischen Gemeinde“.

Als Mitglied des Bergischen Vereins für Familienkunde hatte Ernestus bereits andere Wuppertaler Familienbücher gesichtet und war für diese Arbeit mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet worden. Danach habe sie „der Übermut gepackt“, so dass sie sich an Elberfeld wagte. Um die Aufgabe nicht ausufern zu lassen, beschränkte sich die Bearbeiterin auf einen Zeitraum von gut einem Jahrhundert.

Für diese Grundlagenarbeit richtete Eberhard Illner, Leiter des Historischen Zentrums, seinen Dank an Ursula Ernestus. Vier Lebensgenerationen seien damit urkundlich nachgewiesen, ein Werk von unschätzbarem Wert für Historiker. Da ihm bekannt sei, wie nachlässig oft mit Originalurkunden umgegangen werde, sei diese Arbeit auch mit konservatorischen Vorteilen verbunden.

Während Ernestus einerseits auf bereits digitalisierte Originale zurückgreifen konnte, die in Brühl angefertigt wurden, erwuchsen ihr massive Probleme bei der Nutzung von Quellen, die in Wuppertaler Kirchenarchiven lagern. Der Einblick werde zwar nicht untersagt, doch würden dafür beträchtlich hohe Gebühren verlangt. Das Kopieren sei zudem mit Hinweis auf den Datenschutz teils verboten. Superintendentin Ilka Federschmidt, der ein Exemplar des Werkes überreicht wurde, verteidigte die Gebührenordnung mit Hinweis darauf, dass die Kirchenarchive Geld bitter nötig hätten. Man wolle sich aber gerne mit dem Verein in großer Runde zusammensetzen, um für die Zukunft eine unbürokratische Lösung zu finden.

Eberhard Illner hegt derweil Hoffnungen, dass die Bücher helfen können, Zuwanderungen ins Wuppertal ab dem 18. Jahrhundert zu klären. Das, so Ernestus, könne aber nur im Rahmen weiterer Forschung gelingen.