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Neuer Kunstverein aus Wuppertal sucht neue Wege der Kommunikation

Kultur : Neuer Kunstverein sucht in der Krise nach neuen Wegen zur Kommunikation

Die Galerie verlegt ihr Jubiläumsprogramm zum Zehnjährigen.

Das Gerücht hielt sich hartnäckig: Sie schließe Wuppertaler Kunstschaffende aus, hieß es über die neue Galerie an der Hofaue. Die zeigte im Mai 2010 ihre erste Ausstellung. Knüpfte bewusst an die Tradition der Kunstvereine des 19. Jahrhunderts an, die die Kunst vom elitären Sockel holen und allen zugänglich machen wollte. Weshalb sie sich „Neuer Kunstverein“ nannte. Zehn Jahre später sollte gefeiert werden, zugleich das Konzept auf den Prüfstand und fit für die Zukunft gemacht werden. Die Coronakrise kam dazwischen. Nun wird das Jubiläumsprogramm in den August verschoben.

Kunst vom eltiären Sockel herunterholen

Erik Schönenberg, der dem Vereinsvorstand angehört, war von Anfang an dabei. Damals, so erinnert der Kunsthistoriker, seien zwei Dinge zusammengetroffen. Der Wunsch der Künstler nach einer städtischen Galerie und ein städtischer Raum, der frei und kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, mangels Finanzierung aber nicht von der Stadt bespielt werden konnte. Drei Diskussionsabende später gründeten im Dezember 2009 40 Wuppertaler den Neuen Kunstverein.

Am 8. Mai öffnete die erste Ausstellung „Wir laden ein“ in dem vier Meter hohen, schlauchartigen Raum im Erdgeschoss des Kolkmannhauses. Produkt zweier Ideen, so Schönenberg: Der Verein sollte nicht durch einen Leiter, sondern durch aktive Mitglieder leben, die Programm und Inhalte bestimmten. Außerdem sollte die Galerie anderen zur Verfügung gestellt werden, „damit dort etwas passieren kann“.

Entsprechend hatten die damals 60/70 Vereins-Mitglieder die neun Künstler eingeladen, die tatsächlich von außerhalb stammten. Was dem Ziel entgegenkam, Neues aus der Gegenwartskunst zu zeigen, das auch die Wuppertaler Kunstszene inspirieren sollte. „Nur Wuppertaler auszustellen, ging doch nicht, wir kannten uns ja alle.“

Und die Mitglieder kümmerten sich von Anfang an um die Ausstellenden – „wir hatten ja keinen Etat“. Eine bunte Ausstellung sei es damals gewesen, erinnert Schönenberg, ein Anstoß für den zweiten Aufschlag, der im Juni 2010 folgte: Die zehn Teile umfassende Ausstellungsreihe „Krisen und Utopien“, die im Drei-Wochen-Rhythmus gespielt wurde. „Da alle mit diskutieren durften, war es einfacher und fruchtbarer, wenn wir ein Thema hatten.“ Außerdem wollte man schnell sein, bekannt werden, sich einprägen.

Ein Oberthema und fünf bis sechs Ausstellungen im Jahr

Die Anfangseuphorie konnte nicht überdauern, die Taktung pegelte sich auf fünf bis sechs Ausstellungen im Jahr ein, aus dem Thema wurde ein Jahresthema, das wiederum von losen nicht auf ein Jahr beschränkten Reihen, etwa zu Natur und Kunst oder Wuppertal, abgelöst wurde.

Höhepunkte waren sicherlich die Gruppenausstellungen (2011 „love and hate Wuppertal“), die vielen spannenden Einzelausstellungen, „bei denen man Sachen kennenlernt, die einem sonst nicht begegnen“, oder die Kooperation mit mittlerweile fünf Schulen, die die Ausstellungen im Kunstverein regelmäßig besuchen, um schließlich dort eine eigene Ausstellung auf die Beine zu stellen. Im November 2020 wäre die achte fällig.

Sie könnte tatsächlich wahr werden. Wie das Jubiläumsprogramm, das nun am 14. August starten soll. Mit der Idee vom Anfang: „Für jedes Jahr eine Schau, also zehn, die wir im Zwei- bis Drei-Wochen-Wechsel zeigen wollen.“ Flankiert von einem Diskussionsprogramm, das über den Kunstverein oder die Kunstpräsentation heute sprechen sollte. Mit Workshops, die Bedürfnisse und Interessen der heute 130 Mitglieder abgreifen sollten.

Zwar sind auch jetzt wieder Ausstellungen erlaubt, aber, so Schönenberg, der technische Aufwand sei zu groß und eine Auseinandersetzung mit der Kunst nicht möglich – ohne Vernissage und mit nur wenigen Besuchern gleichzeitig. „Das ist nicht unsere Vorstellung einer Kunstpräsentation.“

Weshalb nach Abstand wahrenden Kommunikationswegen im Verein gesucht wird. Ein Thema dabei könnte die Coronakrise selbst hergeben. Sie hat den Verein zwar nicht finanziell erschüttert, da er von ehrenamtlichem Einsatz und Fördergeldern lebt. Lahmgelegt hat sie ihn dennoch: Die ausgesetzte Raumnutzung hat den Austausch unmöglich gemacht.