Wuppertal: Neuer Investor sieht Perspektive für die Hochhäuser am Schmitteborn

Wuppertal: Neuer Investor sieht Perspektive für die Hochhäuser am Schmitteborn

Die Hochhäuser haben den Besitzer gewechselt. Der will die zum Teil maroden Wohnungen wieder in Schuss bringen und vermieten.

Wuppertal. Der Hochhauskomplex am Schmitteborn hat keine Zukunft mehr — darin waren sich der frühere Eigentümer und die Stadt Wuppertal einig. „Ein städtebaulicher Fehler, den wir gerne korrigieren würden“, sagte dazu Baudezernent Frank Meyer. Doch überraschend für die Stadt hat es nun einen Besitzerwechsel gegeben. Der neue Besitzer Baris Babayigit denkt gar nicht daran, die in den 1970er Jahren gebaute Hochhaussiedlung abreißen zu lassen, sondern sieht gute Chancen, die 201 Wohnungen unter dem Namen „Blockhaus 1-3“ zu sanieren und zu vermieten.

Bei der Stadt Wuppertal ist die Sorge groß, dass sich der soziale Brennpunkt Schmitteborn in Zukunft verschärfen wird, denn sie befürchtet, dass der Schmitteborn beziehungsweise das Projekt Blockhaus vor allem für jene Mieter als Wohnraum interessant sein wird, die woanders keine Chance bekommen. Das Vertrauen der Stadt in den neuen Besitzer ist offenbar begrenzt, denn in der Zukunft sollen in den Wohnungen weder Flüchtlingsfamilien noch Empfängern von Sozialleistungen untergebracht werden.

Der Plan der Stadt war, nach einem Abriss der drei Hochhäuser das frei werdende Areal mit einer Größe von 16 000 Quadratmetern für Ein- und Zweifamilienhäuser neu zu erschließen. Unter dem Namen „Starenschloss“ wurde das Projekt sogar schon bei einer Investorentour im Frühjahr von den städtischen Wirtschaftsförderern bundesweit beworben. Ob „Starenschloss“ oder „Blockhaus 1-3“ — die Gegenwart heißt Schmitteborn. Und die hat in der Nachbarschaft, wo besagte Ein- und Mehrfamilienhausbebauung vorherrscht, keinen guten Ruf. Die Nachbarn — das war bei einer Befragung durch die WZ zu erfahren — wünschten sich die Betonklötze lieber heute als morgen weg. Der Abriss alleine würde allerdings rund 1,3 Millionen Euro kosten, wovor der frühere Besitzer aus Düsseldorf zurückschreckte.

Baris Babayigit sieht die Lage viel positiver. „Die Hochhäuser sind nicht Bauhaus, aber es gibt eine Garantie über 80 Jahre, davon haben wir gerade erst die Hälfte hinter uns. Viele deutsche und türkische Familien haben Interesse an diesen Wohnungen. Zum Jahresende werden nur noch 20 frei sein“, sagt der Immobilienmakler mit Firmensitz in Wuppertal voraus.

Babayigit ist verärgert darüber, dass in anderen Medien über das Projekt berichtet worden sei, ohne dass zuvor mit ihm gesprochen wurde. „Das grenzt an Rufschädigung. Wir wollen renovieren und die Wohnungen frisch machen. Das Feuchtigkeitsproblem in einigen Wohnungen liegt an den Balkonen. Ich werde mir jeden Mieter persönlich anschauen“, sagt Baris Babayigit, der mit den Wohnungen raus aus der Sozialbindung will.

Die Möglichkeit, den Hochhauskomplex zu kaufen und den Abriss selbst in die Wege zu leiten, habe juristisch für die Stadt nicht bestanden. „Zudem bezweifele ich sehr, dass Stadtkämmerer Johannes Slawig für den Kauf von Schmitteborn die notwendigen Mittel bereitgestellt hätte“, sagt Frank Meyer.

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