Neue Werkstatt für die Flüchtlingshilfe

Flüchtlingshilfe : Neue Werkstatt für die Flüchtlingshilfe

Durch eine Klage war die Fahrrad-AG ausgebremst worden. Jetzt geht die Arbeit weiter.

Es könnte aus der Kulisse einer Astrid Lindgren Buchverfilmung stammen. Das kleine Holzhäuschen im Innenhof an der Edith-Stein-Straße erinnert mit seinen roten Panelen stark an die typisch schwedische Architektur. Doch zum Wohnen ist der neue Mini-Bau mit den breiten Flügeltüren nicht gedacht. Hier werden die Räder der Bewohner des angrenzenden Übergangsheims instand gesetzt. Unter Anleitung kümmern sich die Asylbewerber selbst um die Reparatur.

Unterstützung bekommen sie von der Fahrrad AG der Flüchtlingshilfe Wuppertal-West. Die Initiative hat in den vergangenen Jahren schon mehrere hundert ausgediente Räder als Spenden gesammelt, repariert und an Flüchtlinge sowie Bedürftige weitergegeben.

Ein Anwohner hatte gegen die Arbeiten im Schuppen geklagt

Zwischenzeitlich wurde dieses Engagement allerdings ausgebremst. Die Bewohner der Einrichtung und die ehrenamtlichen Helfer hatten in der Vergangenheit im alten Schuppen auf dem Gelände gewerkelt. Doch das ist nicht erlaubt, da es dafür keine Genehmigung gibt. Ein Anwohner hatte gegen die Arbeiten geklagt und Recht bekommen. Daher wurde die neue Werkstatt errichtet. Bis zur Genehmigung, Finanzierung und Umsetzung hat es aber einige Zeit gedauert. Jetzt dürfen zumindest in eingeschränkter Form wieder Räder flottgemacht werden.

„Nach dem richterlichen Beschluss ist das für die geflüchteten Menschen an der Edith-Stein-Straße möglich“, erklärt Gerhard Schäfer, Leiter der Fahrrad AG. Ein- bis zweimal pro Woche treffen sich die Beteiligten vor Ort und wechseln Schläuche, ölen Ketten oder ziehen Schrauben nach. „Das sind sehr überschaubare Arbeiten, die keinen Lärm machen“, sagt Helfer Bernhard Stolte. Trotzdem werde auf die vorgeschriebenen Uhrzeiten geachtet. Stolte ist bereits seit der Gründung 2015 Mitglied der Flüchtlingshilfe und macht seit einiger Zeit auch bei der Fahrrad AG mit. „Die Menschen brauchen weiterhin unsere Unterstützung“, betont er.

Besonders die Wohnungssuche sei aufgrund der anziehenden Miet- und Immobilienpreise schwierig geworden. Für Ali Sher aus Bangladesch ist das Übergangsheim daher vorläufig zur dauerhaften Heimat geworden. Für sein Fahrrad und die Möglichkeit es zu reparieren, ist er äußerst dankbar. „Bei schönem Wetter fahre ich damit zur Arbeit“, erzählt er. In seiner Freizeit unternimmt der Angestellte eines Schnellrestaurants außerdem Ausflüge in die Region.

Andere Bewohner helfen mit, obwohl sie die Räder selber gar nicht nutzen. „Viele dürfen nicht arbeiten und freuen sich, wenn sie etwas Sinnvolles tun können“, erläutert Bernhard Stolte. Durch die Zwangspause bei der Instandsetzung fehlen aber derzeit gebrauchte Räder. „Wir würden uns sehr über Sachspenden freuen und übernehmen die Abholung auch selbst“, sagt Gerhard Schäfer. Die Räder dürfen ruhig alt und reparaturbedürftig sein. „Wir kriegen die schon wieder flott“, so Schäfer.

Derzeit ist der Bestand im Schuppen stark ausgedünnt. Hier dürfen die Räder immerhin weiterhin gelagert werden. An der strengen Regelung hatte es Kritik von der Politik gegeben. Die Stadt verweist dagegen auf die rechtliche Situation. „Der Schuppen ist offiziell ein Lager und hier dürfen aus Lärmschutzgründen keine Reparaturen durchgeführt werden“, erklärt Stadtsprecherin Kathrin Petersen. Es gebe dafür eine Genehmigungspflicht. „Wir sind gehalten, das zu prüfen“, sagt Petersen. Die Initiative dafür sei aber nicht von der Stadt ausgegangen. Grundsätzlich dürften Gebäude nicht zweckentfremdet werden. „Strenggenommen sind auch handwerkliche Tätigkeiten in Garagen untersagt“, erklärt die Stadtsprecherin.

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