Neue Kuratorin kennt den Zoo seit Kindertagen

Neue Kuratorin kennt den Zoo seit Kindertagen

Silja Heller hat im Grünen Zoo die Nachfolge von Kurator André Stadler angetreten. Die 29-jährige Biologin ist unter anderem für die Huftiere zuständig.

Ein Foto am Schreibtisch? Auf keinen Fall. Silja Heller schmunzelt. Lieber bei den Okapis. Natürlich gehöre Büroarbeit zu ihrem Job als Kuratorin im Wuppertaler Zoo. „Es ist auch wichtig“, sagt die 29-Jährige, fügt aber schnell an: „Ich finde es richtig schön, draußen zu sein.“ Mit Tieren „was zu machen“, sei schon zu Kinderzeiten ihr großer Wunsch gewesen. Tierärztin oder so etwas, das Typische halt. Dass sie Kuratorin werden würde, habe sich erst im Biologiestudium ergeben.

Da recherchierte die gebürtige Wuppertalerin für ihre Bachelorarbeit zum Thema Vogelmalaria im Wuppertaler Zoo. Einer ihrer Betreuer damals: André Stadler. Dass sie mal als seine Nachfolgerin zurückkehren würde, hätte sie sich damals nicht gedacht. Wobei Heller zielstrebig vorging. Im Frankfurter Zoo bewarb sie sich 2014 erfolgreich als Volontärassistentin. Eine Stelle, die auf dessen legendären Leiter Bernhard Grzimek zurückgeht, und die in der Branche angesehen ist. Und im vergangenen Jahr folgte dann ein Telefonanruf aus der Heimat, ob sie sich nicht auf Stadlers Posten bewerben möchte.

Für Heller ein Glücksfall. „Ich hatte eine schöne Eingewöhnungszeit hier“, blickt sie auf die vergangenen Monate zurück. Offiziell im Amt ist sie seit dem 1. Januar.

Die Absprachen und Abstimmungen mit den Tierpflegern und Tierärztin Lisa Wiegmann, die Pflege und Kontrolle des Tierbestandes, das Projekt Europäisches Erhaltungszuchtprogramm oder natürlich die vielen Bauprojekte im Grünen Zoo: Die Aufgaben einer Kuratorin sind breit gestreut. Und wenn man für Aralandia & Co. dann mit Architekten zusammensitze, habe das mit dem Biologiestudium nur noch wenig zu tun, wie Heller lächelnd einräumt. „Das muss man sich dann aneignen.“ Aber gerade die Bauprojekte seien spannend, zeigen sie doch auch, wie Zoos sich verändern. Immer unter der Maßgabe: Was heißt das für die Tiere, für die Tierpfleger, deren „tolle Arbeit“ Heller hervorhebt, und für die Besucher? Vielen Ansprüchen müsse man gerecht werden. „In Wuppertal ist das eine wunderbare Entwicklung“, ist die neue Kuratorin überzeugt.

Silja Heller spricht den Tierpflegern ein dickes Lob aus

Im Grünen Zoo ist sie unter anderem für die Carnivoren, also die Raubtiere, sowie die Huftiere zuständig. Deshalb das Foto bei den Okapis — auch, weil man an die näher herankomme als an die Eisbären, wie sie scherzt. Kollege Severin Dreßen kümmert sich um die Nicht-Säuger und Affen, die Elefanten sind Chefsache von Direktor Arne Lawrenz.

Früher habe es in vielen Zoos geheißen: Hauptsache, es gibt viele Arten. Beim Rundgang erinnert sie zum Beispiel an das alte Elefantenhaus, wo mehrere Dickhäuter auf engem Raum zusammen hausen mussten. Dass man davon weggekommen sei, „ist der richtige Weg“, betont Heller. Die Spezialisierung, das Nachhaltige, sei wichtig, hebt sie hervor. Lieber zu schauen, ob es nicht besser ist, eine spezielle Art zu zeigen, vielleicht ein Nachzuchtprogramm zu planen. Das sei schließlich eine Aufgabe von Zoos.

Kritiker gebe es aber immer. Dass manche Tiere jetzt mehr Platz haben, führt dazu, dass sie mitunter seltener zu sehen sind, wie mancher Besucher verärgert anführt. Heller hält dagegen. „Wir wollen ja, dass sich die Tiere zurückziehen können, und sie nicht auf den Präsentierteller setzen.“ Die Besucher sollten sich stattdessen einfach mal mehr Zeit nehmen, diese im Zoo genießen.

Früher, als sie selbst „nur“ als Besucherin in Zoos unterwegs war, sei ihr Blick natürlich ein anderer gewesen. Jetzt, wenn es zum Beispiel während des Urlaubs in Zoos geht — „ein schönes Pflichtprogramm“ — schaue sie schon genauer hin. Nicht nur auf die Tiere. Was für Zäune nutzen zum Beispiel die Kollegen? Ein Punkt, der Otto-Normal-Zoobesucher eher nur ganz am Rande interessieren dürfte, wie sie lachend zugibt. „Aber für mich ist das natürlich interessant. Man holt sich so auch Anregungen.“ Das sei das Schöne in der Zoowelt. „Es gibt einen internationalen Austausch.“ Gerade Biologen sähen sich nicht als Konkurrenten, sondern ständen sich mit Rat und Tat zur Seite. Auch ein Punkt, der ihr so richtig Spaß an der Arbeit mache.

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