Neue Komödie lebt von der Spannung

Neue Komödie lebt von der Spannung

Kristof Stößel gastiert mit „Drei Morde, Küche, Bad“ in der Komödie am Karlsplatz.

„Entspann dich! Der Wohnungsmarkt ist kein Ponyhof.“ Ein wahrer Satz in diesen Tagen. Das Stück dazu in Cordula Polsters „Komödie“ ist aber weniger entspannt als spannend — dazu schön schräg und lebensnah. In „Drei Morde, Küche, Bad“ von Carsten Golbeck, inszeniert von Sabine Reinhardt, war die marode Eigentumswohnung auch noch Tatort, Hiphop-Bühne und Schauplatz von Beziehungskrisen.

Nicht zuletzt sind sie Treffpunkt zweier sehr verschiedener Paare: Das eine sind Uwe (Eric Haug), gescheiterter Wissenschaftler, und Irene (Viviane Flückiger), Feng-Shui-Beraterin mit Faible für Schwingungen. Dass die in Räumen ähnlich mies sein können wie zwischen Menschen, wird klar, als noch ein zweites Paar mit Besitzanspruch kommt: Philipp (Jan Phillip Keller), Immobilienhai und sonst Profiteur so windiger Geschäfte, wie sie diesmal ihm selbst das Liebesnest verderben. Und Jana (Melanie Spielmann), robuste Frau mit Mutterwitz, deren Ehewunsch plus Schwangerschaft ihm sichtlich nicht in den Business-Kram passt. Man ahnt schon: Das Eingangszitat stammt von ihm.

Höchste Zeit fürs Stichwort „Spannung“ — obwohl sie in Kristof Stößels Gastspiel von Anfang an im Raum schwebt. Um nicht zu sagen: müffelt... Schreck! Eine Leiche! Ja, ein Toter nebenan kippt schaurig ins Beziehungsglück und sorgt für ungewohnt schwarzhumorige Szenen. Wo sonst wird ein Toter in einer mehrfach verkauften Altwohnung ständig zwischen vier Menschen hin- und hergeschubst? Auch der hat übrigens einen Vorkaufsvertrag im letzten Hemd — pardon: der Tasche.

Uwe hat zu allem eine Sentenz parat: „Die Lebenden sind das Problem, nicht die Toten!“, predigt er mit großer Geste. Seine Frau kennt das längst, wahrscheinlich auch seine nicht eben lustfördernde Weltferne, und kommentiert das Palaver knapp: „Sartre.“ Witzig, wie sich beim Erkunden des neuen Heims zwischen Platon und positiver Aura die Differenzen auftun.

Die Schauspieler überzeugen, allen voran Melanie Spielmann: Bildungsfern mit Hang zum Schnodder, ist Jana doch auch lebenspraktisch und rät allen zum Zusammenraufen: „Frieden ist machbar, Herr Nachbar!“ Immuner als gedacht ist sie auch für den Charme ihres Edel-Brutalos: Als sie Philipp mit Würde Kontra gibt, bekommt sie bei der Premiere sogar Szenenapplaus.

Das Stück ist überdreht, aber leider gar nicht so realitätsfern. Mieter mit Stromschlägen zu vergraulen, mag noch verboten sein, aber Luxussanierung auf Kosten der Menschen gilt manchem nicht mal als Kavaliersdelikt. Ganz anders in der „Komödie“: Wohnungsgaunerei zwischen kriminell und ziemlich komisch. Das Gastspiel des KS Theaters läuft den ganzen Juli in Cordula Polsters Komödie am Karlsplatz.

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