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Neue Kleider für Zuckerfritz & Co.

Neue Kleider für Zuckerfritz & Co.

Die Stadtführer werden mit Kostümen aus dem Fundus der Wuppertaler Bühnen ausgestattet.

Anfang April gibt es die erste Stadtführung mit Mina Knallenfels und Zuckerfritz. In die Rolle der beiden Originale werden Kristof Stößel und Michael Dietz schlüpfen. Für eine Tour durch die Geschichte Elberfelds braucht es natürlich die passenden Klamotten. Die kommen von den Wuppertaler Bühnen, die Stößel und Dietz zur Anprobe in ihren Fundus einluden — und Jürgen Holzhauer, der schon seit 2016 mit Stößel die „Engels und Marx“-Tour macht. Natürlich auch in Kostümen, die von den Bühnen ausgeliehen wurden.

Für Fans historischer Kleidung ist die Lagerhalle in Wichlinghausen ein Paradies. An Kleiderhaken hängen dicht an dicht Hosen, Hemden, Röcke und Kleider. Mützen und anderes Zubehör werden, nach Typ und Größe sortiert, in Schubfächern aufbewahrt. Was nicht mehr in die Halle passt, lagert eine Etage tiefer.

Wenn Stößel als Baronin von Wupp Besucher durch die Stadt führt, trägt er gern extravagant bunte Textilien. Größer könnte der Kontrast zur Weberin Mina, die sich der Heimatdichter Otto Hausmann ausgedacht hat, also kaum sein. Damit der Schauspieler und seiner neuen Frauenrolle gerecht wird, holen die beiden Kostümfrauen graue Kittelkleider hervor. Darin sieht er dem „Mina“-Standbild in der Elberfelder City schon ziemlich ähnlich. „Leider zu eng“, sagt Stößel und schüttelt den Kopf. Wie wäre es mit einem dunkelblauen Kleid? Das sitzt schon besser. Richtig gut ist es aber erst dann, wenn Stößel es mit weiblicher Oberweite tragen kann. Er stopft sich zwei künstliche Brüste unter den Kleiderstoff. Ja, das sieht überzeugend aus.

Danach geht’s ums Schuhwerk. Genau wie das Standbild soll Stößels Mina Holzschuhe tragen. Im Untergeschoss findet sich schnell ein Paar in der richtigen Größe. Apropos Holzschuhe: Platt kallen kann Stößel zwar nicht, aber „meine Sprache wird ein bisschen Bergisch angehaucht sein“. Fehlt nur noch die passende Perücke. Nach der müssen die Bühnen-Mitarbeiterinnen aber nicht kramen, beruhigt Stößel. Er habe genug in seinem eigenen Fundus.

Für Stößel, Chef des KS Theater Wuppertal, ist Kostümieren geradezu Alltag. Auch Holzhauer, der bei der Anprobe in einen grauen Anzug schlüpft, hat bereits Routine. Für Stadtführer Michael Dietz jedoch ist es eine echte Premiere. Zuckerfritz ist seine erste Rolle - und da ist es nicht einfach, für den stadtbekannten Hausierer das richtige Outfit zu finden. Die Wahl der Kopfbedeckung geht noch am schnellsten. Dietz entscheidet sich für eine Prinz-Heinrich-Mütze, wie man sie von Altkanzler Schmidt kennt.

Claudia Brenke von Wuppertal Touristik, die bei der Anprobe mit dabei ist, schlägt ihm einen „etwas abgeranzten Gehrock“ vor. Dietz zieht geduldig aus und wieder an, bis er zufrieden ist. Mit den Beinkleidern ist das auch so eine Sache. Soll es eher eine Cord- oder eine Leinenhose sein? „Das ist zu elegant“, meint Dietz. Am Ende wählt er eine Hose aus grober Wolle aus.

Über Requisiten hat er auch schon nachgedacht. Allerdings möchte er während des Rundgangs keine Schubkarre schieben - so eine wie die, die zur Zuckerfritz-Skulptur gehört. „Dafür will ich Süßigkeiten mitnehmen“, erklärt er mit einem Lächeln.

Nicht nur das Team Mina und Zuckerfritz macht die neue Stadtführung zu etwas Besonderem. Denn Führungen, die an zwei Orten gleichzeitig beginnen, gibt es sonst selten. Wer die Tour mit Stößel beginnen möchte, findet sich bei der bronzenen Mina auf der Alten Freiheit ein. Wer zuerst mit Dietz gehen möchte, stellt sich zum Zuckerfritz auf den Neumarkt. Beide treffen sich in der Mitte ihrer Rundgänge - und dann wechseln die Teilnehmer ihren Stadtführer. Kristof Stößel freut sich auf das Wechselspiel: „Jeder von uns macht zweimal die Tour, aber immer mit anderen Leuten.“