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Neue Diskussion um die Rodungen im Wuppertaler Osterholz

Konflikt : Schneidewind plant runden Tisch für die Zukunft des Osterholz

Oberbürgermeister Uwe Schneidewind und die Betreiber der Kalkwerke Oetelshofen haben sich am vergangenen Wochenende in einer Videokonferenz über die Zukunft eines Waldstücks im Osterholz ausgetauscht.

Oberbürgermeister Uwe Schneidewind und die Betreiber der Kalkwerke Oetelshofen haben sich am vergangenen Wochenende über die Zukunft eines 200 x 250 Meter großen Waldstücks im Osterholz ausgetauscht. Ab dem 1. Oktober wollen die Kalkwerke dort rund 1000 Bäume fällen, um so Platz für eine Halde zu schaffen, auf der Abraum deponiert werden soll. Die Genehmigung der Bezirksregierung Düsseldorf dafür liegt den Betreibern vor. Über die Pläne, über mögliche Alternativen und deren Finanzierbarkeit soll weiter diskutiert werden. Oberbürgermeister Schneidewind und Ulrich-Timmo Christenn (Grüne), Vorsitzender des Umweltausschusses, haben sich als Moderatoren für Gespräche zwischen den Betreibern und der Bürgerinitiative Osterholz angeboten.

In den vergangenen Monaten hatte es eine Reihe von Vorschlägen gegeben, um Abholzungen zu verhindern. Zuletzt regten die Grünen an, das beim Kalkabbau anfallende Material für ein Wohnungsbauprojekt in Vohwinkel zu verwenden, um ein Gelände mit einer Höhendifferenz von acht Metern auszugleichen. Vorschläge wie diesen haben die Kalkwerke als nicht umsetzbar bezeichnet, da sich der Abraum wegen seiner Beschaffenheit nicht als Untergrund für den Wohnungsbau eigne. Zudem habe das Unternehmen selbst Alternativen geprüft. Doch keine habe einer Prüfung standgehalten.

Uwe Schneidewind hatte am Wochenende mit den Betreibern der Kalkwerke vereinbart, noch einmal Alternativen zu diskutieren und so zu transparenten Entscheidungen zu kommen. „Es stehen eine ganze Reihe von Vorschlägen im Raum. Die Frage ist, welche sind es wert, angepackt zu werden. Gibt es überhaupt Optionen, und wenn ja, zu welchen Kosten wären sie umsetzbar“, beschreibt Uwe Schneidewind die Aufgabenstellung für die anstehenden Gesprächsrunden, die in den kommenden beiden Wochen vorbereitet werden sollen. Dass am Ende der Diskussionen kein neues Ergebnis stehen könnte, schließt Schneidewind nicht aus. „Ich bin kein Experte für den Abbau von Kalksandstein“, sagt der Oberbürgermeister.

Osterholz wird Thema im Stadtrat nach der Sommerpause

Die Kalkwerke Oetelshofen kommentieren die kommenden Gespräche zurückhaltend. „Wir überlegen, zeitnah eine Kommunikationsoffensive zu starten“, sagt Jörg Iseke, Mitgeschäftsführer der Kalkwerke Oetelshofen. Dabei gehe es aber weniger darum, das Gesamtprojekt auf den Prüfstand zu stellen, sondern um eine bessere Kommunikation der Position des Unternehmens. „Wir haben nach wie vor einen rechtsgültigen Bescheid“, stellt Iseke klar.

Das Thema wird den Rat der Stadt nach der Sommerpause beschäftigen. Die Fraktion Die Linke will zur nächsten Ratssitzung eine Resolution einbringen, in der sie die Forderungen der Bürgerinitiative „Osterholz Bleibt“ nach einem Runden Tisch unterstützt.

„Es ist an der Zeit, dass sich der Rat der Stadt für die Erhaltung des Waldgebietes ausspricht. Das ist wichtig, da der Rat sich in der Vergangenheit nicht konsequent für die Bewahrung des Waldes eingesetzt und auf eine kritische Stellungnahme zur geplanten Haldenerweiterung verzichtet hat“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Linken, Gerd-Peter Zielezinski. Ziel müsse es sein, eine Teilrodung des Osterholz zu verhindern.

Die FDP-Fraktion begrüßt derweil den von der Bezirksregierung erteilten Planfeststellungsbeschluss für die Kalkwerke Oetelshofen als ein positives Signal für Wuppertal. „Es ist gut, wenn private Firmen in Wuppertal ihrem Geschäft nachgehen können und gleichzeitig etwas für den Umweltschutz gemacht wird“, so René Schunck, Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Nachhaltigkeit.

Die Kalkwerke Oetelshofen förderten seit vielen Jahren aktiv den Umweltschutz und ließen auf dem Firmengelände neue Biotope entstehen, in denen sich selten gewordene Tiere und Pflanzen ansiedelten, so die FDP. „Zu jeder Rodung kommt eine Aufforstung und gleichzeitig können die über 100 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Wuppertal erhalten bleiben“, so Schunck.

Die Freien Demokraten kritisieren in diesem Zusammenhang frühere Äußerungen von Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. René Schunck: „Kalk ist ein wichtiges Wirtschaftsgut, das in vielen Bereichen benötigt wird. Zudem gehen mit dem Abbau und der Verwendung von Kalk nur wenig Umweltrisiken einher. Hier würden wir uns vom grünen Oberbürgermeister etwas mehr Neutralität und Sachlichkeit wünschen“, so die FDP.