Neue Begegnungsorte für die Nordstadt

Ideen für das Bürgerbudget : Neue Begegnungsorte für die Nordstadt

Der Mobile Ölberg und die Mobile Mirke wollen mit Parklets die Diskussion anstoßen, wie der öffentliche Raum genutzt wird.

Die Nordstadt ist dicht bebaut, es existieren kaum öffentliche Grünanlagen und der Straßenraum wird weitgehend durch parkende Autos belegt. Der öffentliche Raum bietet daher nur eine geringe Aufenthaltsqualität. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Wie viele Autos braucht eine Familie eigentlich? Muss ich ein eigenes Auto besitzen? Diese Fragen wollen die Initiativen „Mobiler Ölberg“ und „Mobile Mirke“ mit einem Projekt anstoßen. Mit Geld aus dem Bürgerbudget wollen sie für sechs Wochen in den Sommerferien 2020 sogenannte Parklets schaffen.

Die Parklets sollen im öffentlichen Parkraum entstehen, auf zwei zusammenhängenden Parkbuchten. 20 Kfz-Stellplätze sollen zu kreativ gestalteten Aufenthaltsräumen umgewidmet werden. Die Parklets sollen nach dem Prinzip „Von Bürgern für Bürger“ durch Anwohner, Vereine und Gewerbetreibende vor Ort betrieben werden. Die Möglichkeiten der Gestaltung sind nahezu unbegrenzt: zum Beispiel Sitzbänke, begrünte Stadtgärten, Urban Gardening, Spielorte für Minigolf oder Tischtennis. Ziel ist es, eine Diskussion rund um die Mobilität anzustoßen.

„Mit der Verkehrssituation sind mehr und mehr Menschen unzufrieden“, sagt Thomas Weyland vom Mobilen Ölberg. Falschparker versperrten Rettungswege und die Buslinie 643 bleibe häufig stehen, weil Autos den Weg verstellten. „Das ist ärgerlich, besonders für Menschen, die im Lutherstift leben. Die kommen nicht aus dem Quartier raus.“ Weyland rechnet nicht nur mit Zuspruch, wenn Parklücken für das Projekt wegfallen. „Aber 90 Prozent des Tages stehen die meisten Fahrzeuge nur rum“, sagt er.

Die Aktion soll mehr Bewusstsein für das Autofahren und das Parken im Quartier schaffen. Die Parklets sollen dabei helfen, den öffentlichen Raum neu zu verteilen. Das Ziel des Mobilen Ölbergs und der Mobilen Mirke ist die Mobilitätswende. Die Parklets sind nur ein Baustein in ihren Bemühungen. „Am Schusterplatz soll eine Mobilstation entstehen: zwei Stellplätze für Car-Sharing-Autos und eine Fahrradgarage für zwölf Fahrräder“, sagt Weyland. Ein Taxenplatz und der ÖPNV sind bereits vorhanden. Ergänzt werden könnte die Station durch eine Ladestation für E-Bikes und Elektro-Autos.

Die Parklets sollen in der Nordstadt erprobt und auf das Stadtgebiet erweitert werden. Das Projekt ist für die Sommerferien angesetzt, weil in dieser Zeit weniger Autos in der Stadt sind und Nutzungskonflikte weitestgehend vermieden werden können, hoffen die Planer. Gleichzeitig bieten die Schulferien vielen Schülern die Möglichkeit einer ganztägigen Nutzung der Parklets. Die Kosten für das Projekt betragen etwa 31 000 Euro.

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