Neue Bahnhofsfassade in Wuppertal bleibt Stückwerk

Böse Überraschung : Verspätung in Wuppertal - Neue Bahnhofsfassade bleibt Stückwerk

Das historische Empfangsgebäude des Wuppertaler Hauptbahnhofs soll mit einer neuen Fassade eigentlich zum Blickfang werden. Doch die Vollendung lässt auf sich warten - was mit der Deutschen Bahn zu tun hat.

Das historische Empfangsgebäude des Wuppertaler Hauptbahnhofs soll zum Blickfang am neuen Döppersberg werden. Doch bevor die Fassade ein einheitliches Gesicht aufweist, müssen sich die Wuppertaler gedulden. Laut einer Vereinbarung zwischen der Stadt und der Bahn wird in einem jetzt begonnenen Arbeitsschritt nur ein Teil der Außenwand mit Sandstein verkleidet. Wann und wie die Bahn das Werk vollendet, ist noch völlig offen. Es gibt keinen Vertrag, sondern lediglich eine Absichtserklärung der Bahn, bis zum Frühjahr 2019 einen Investor für das Empfangsgebäude zu finden. Gelingt das nicht, will die Bahn die Entwicklung der Immobilie selbst in die Hand nehmen, so Bahnvorstand Ronald Pofalla, der im Juli mit Oberbürgermeister Andreas Mucke einen sogenannten Letter of Intent unterzeichnete.

Udo Lauersdorf, Projektleiter des Döppersberg-Umbaus, ist zuversichtlich, dass die Stadt ihren Teil der Sanierung zügig umsetzen wird. „Wir verkleiden den westlichen Giebel und die nördliche Fassade zum oberen Platz bis zum Erdgeschoss. Beim östlichen Giebel hin zum Busbahnhof ist die Stadt laut der Vereinbarung für zwei Geschosse zuständig, Diese Arbeiten sollen bis zur Inbetriebnahme des Busbahnhofs am 25. November abgeschlossen sein. Der Rest ist Aufgabe der Bahn“, sagt Lauersdorf.

Warum es zu dieser Aufgabenverteilung zwischen Bahn und Stadt bei einem der zentralen Punkte für die Optik des neuen Döppersbergs gekommen ist, vermag Lauersdorf nicht zu beurteilen. „Das wurde vor mehr als zehn Jahren in Gesprächen so vereinbart, an denen ich nicht teilgenommen habe. Die Sanierung der Außenwände sei erforderlich, da nach dem Abriss des Drogeriemarktes, der über Jahrzehnte den Blick auf das 1848 erbaute architektonische Juwel verstellt hatte, erhebliche Schäden am Mauerwerk festgestellt worden seien.

Der Weg zum Bahnsteig 1
wird zum Baustellenrundgang

In Kürze werden die ersten Platten mit Sandstein aus Polen montiert. Da das Gebäude schon lange Wind und Wetter ausgesetzt ist, dürfte es bis zu 20 Jahre dauern, bis sich der Sandstein an das dunklere Braun der Fassade angeglichen hat. Einen Eindruck von den Fortschritten auf der Baustelle erhalten aktuell die Fahrgäste der Bahn, die wegen der Bauarbeiten im mittleren Abschnitt des Bahnsteigs 1 von Mitarbeitern der Bahnhofsmission über den oberen Platz umgeleitet werden.

Die Bahn saniert das Gleis 1 und baut dort den noch fehlenden Aufzug zum Gleistunnel ein. „Die Arbeiten am Gleis 1 sollen Mitte 2019 abgeschlossen sein“, sagt dazu eine Sprecherin der Bahn. Zum Ausbau des Reisezentrums in der Eingangshalle zum Hauptbahnhof (Mall) gebe es keinen neuen Stand. Allerdings deutet bisher nichts darauf hin, dass das Reisezentrum bis zum 25 November in Betrieb gehen wird, wenn der Busbahnhof eröffnet und der Zulauf in den Hauptbahnhof sich vervielfachen wird. Während in der Eingangshalle nach und nach die Ladenlokale bezogen werden, hat der Innenausbau für das Reisezentrum noch nicht einmal begonnen. Und auch auf die Toilettenanlage, die von der Bahn an einen privaten Betreiber übergeben werden soll, werden die Fahrgäste wohl noch länger warten müssen. Bauarbeiten sind nicht erkennbar. Das Reisezentrum befindet sich daher weiter in einem Container an Gleis 1, wo auch die einzige öffentliche Toilette am Bahnhof zu finden ist. Beide Örtlichkeiten sind aus der Eingangshalle für Menschen mit Handicap bis zum 25. November nur schwer erreichbar.
Positive Nachrichten gibt es von der Geschäftsbrücke. Dort wird zur Öffnung des oberen Platzes am 25. November ein Aufzug in Betrieb genommen. „Den haben wir vom Investor Signature Capital nachträglich gefordert, weil sonst ein barrierefreier Zugang zum oberen Platz nur über einen großen Umweg durch die Mall und über den Busbahnhof möglich wäre“, sagt Udo Lauersdorf.

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