Nazis beschmieren Kirchen

Nazis beschmieren Kirchen

Hakenkreuze und Runen an Gebäuden: Der Staatsschutz ermittelt in fünf Fällen. Der Stadtdechant spricht von Kirchenschändung.

Wuppertal. Hakenkreuze, Runen, Tierblut — eine Serie von Schmierereien mit mutmaßlich politischem Hintergrund hat die Wuppertaler Kirchen und kirchliche Einrichtungen getroffen. Das sagte gestern die Polizei in einem Gespräch mit der WZ.

Foto: Uwe Schinkel

Aktuell ermittelt der Staatsschutz in fünf Fällen, die wegen der Tatzeit und den Tatorten zusammengefasst würden, so Polizeisprecherin Anja Meis. Der Staatsschutz der Polizei ermittelt immer dann, wenn ein politischer Hintergrund vermutet wird. „Einen rechtsextremistischen Hintergrund können wir nicht ausschließen“, sagte Meis. Alle Fälle sind zwischen dem 2. und 14. November passiert und betreffen größtenteils kirchliche Einrichtungen rund um die Hardt.

Zuletzt hat es die Marienkirche an der Wortmannstraße getroffen. Stadtdechant Bruno Kurth sagt, dass ein Nachbar der Kirche am Montagmorgen entdeckt habe, dass die Marienstatue an der Außenwand mit roter Farbe bemalt worden sei. Später habe man dann noch ein in schwarz auf den Boden vor dem Haupteingang gemaltes Hakenkreuz entdeckt, ebenso wie eine Rune an der Südseite, die dem Runenweg zugewandt ist. Dazu habe man noch eine Messingschale mit verbrannten Chilischoten gefunden.

Der Pfarrer der St. Laurentiuskirche geht davon aus, dass es eine „überlegte Tat“war. Die Marienstatue sei aufwendig angemalt worden, nicht nur beschmiert oder mit Farbe übergossen, so Kurth. „Erst sind wir von normalem Vandalismus ausgegangenen, aber dafür wurde zu aufwendig gearbeitet.“ Die Gemeinde sei geschockt, beschreibt er die Gemütslage der Gemeindemitglieder. Er spricht von „Entsetzen und Wut“. „Das ist eine entsetzliche Kirchenschändung.“

Und dabei ist das nicht der einzige Fall. Denn schon am 9. November wurden Banner an der Thomaskirche zerstört. Dabei wurde der Satz „Hand in Hand gegen Rassismus. Für Toleranz und Menschenrechte“ entstellt.

Die von der Polizei angenommene Serie ging aber bereits am 2. November los. An dem Mittwoch sei ein Mehrfamilienhaus an der Hagenauer Straße mit Hakenkreuzen und Runen beschmiert worden. Der einzige Fall ohne kirchlichen Hintergrund, sagte Meis.

Zwischen dem 11. und 14. November war zuvor das Gerontopsychiatrische Zentrum der Evangelischen Tannenhof-Stiftung an der Wesendonkstraße Opfer eines Anschlags geworden. Dort sei mit Tierblut geschmiert und Runen an die Wand gemalt worden, so Meis. Zwischen dem 12. und 13. November war außerdem ein weiterer Banner an einer weiteren Kirche an der Hardtstraße mit Feuer beschädigt worden, teilte die Polizei mit.

Während Stadtdechant Bruno Kurt, sagt, die Ermittler hätte nach dem Vorfall an der Marienkirche als „okkultes Pseudeoritual“ bezeichnet, vermutlich aus der rechten Szene, gibt die Polizei offiziell zu Protokoll, dass in alle Richtungen ermittelt werde.

Polizeisprecherin Anja Meis sagte, die verwendeten (umgedrehten) Lebensrunen und Hakenkreuze seien historisch betrachtet nicht ausschließlich dem Nationalsozialismus zuzuordnen, sondern vor allem im Hinduismus verwurzelt. Dort seien die Zeichen Glücks- oder Lebenssymbole. Auch gebe es an der Hardt eine Steinformation, die von der Metal- und Gothikszene genutzt werde. Dort gebe es eine Überschneidung mit dem beschriebenen Okkultismus. Wenngleich weder Hindus noch Gothik-Anhänger als typische Täters gelten, gab Meis zu.

In Deutschland wurden die Symbole während der NS-Zeitverwendet. Das Hakenkreuz war das Symbol der NSDAP — die Nutzung ist in Deutschland verboten —, die Lebensrune das Zeichen des SS-Vereins Lebensborn zur Förderung „erbgesunden“ Nachwuchses.

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