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Name mit NS-Vergangenheit: Der Wuppertaler Runenweg soll anders heißen

Wuppertal : Name mit NS-Vergangenheit: Runenweg soll anders heißen

Die Stadt will die Straße an der Hardt umbenennen — die Anwohner sind mehrheitlich dagegen.

Ursula Leßmann wohnt seit 65 Jahren am Runenweg. Einen Umzug hat sie eigentlich nicht geplant. Und doch hat Leßmann vielleicht bald eine neue Adresse. Denn die Stadt will den Runenweg umbenennen — ihren Namen verdankt die kurze Straße in der Nähe der Hardt nämlich den Nazis, die 1935 die damalige Ulmenstraße umtauften. Die Bezirksvertretung Elberfeld entscheidet am kommenden Mittwoch, ob der Runenweg in Zukunft nun Maria-Husemann-Weg heißen soll. Die Mehrheit der rund 70 von der Stadt befragten Anwohner hat allerdings bereits ihr Votum abgegeben — gegen die Umbenennung.

Warum aber überhaupt ein neuer Name? Der Anstoß dazu kam unter anderem aus der Kirchengemeinde St. Marien, deren Kirche am Runenweg liegt. Man wolle Husemann, die eine verdiente und engagierte Mitarbeiterin der Caritas war und zudem im Dritten Reich Widerstand gegen das NS-Regime geleistet hatte, ehren, erklärt Bruno Kurth, Stadtdechant der Katholischen Kirche in Wuppertal.

Alternative: Ehrung von Maria Husemann an anderer Stelle

Einzelne Gemeindemitglieder hätten den Vorschlag gemacht, für den sich schließlich auch der Pfarrgemeinderat ausgesprochen habe. Auch Stadthistorikerin Elke Bychta habe in der Vergangenheit das Thema zur Sprache gebracht. Schließlich hätte die Umbenennung, so Kurth, auch den positiven Nebeneffekt, dass ein belasteter Name verschwinden würde.

In Wolfgang Stocks Standwardwerk zu den Wuppertaler Straßennamen steht, dass der Grund für die damalige Umbenennung nicht bekannt sei. Laut Kurth dürfte der Name Runenweg im Zuge der Germanisierung und Arisierung der Nazis gewählt worden sein. Eine nach der Machtergreifung verbreitete Praxis. Die Kommission für eine Kultur des Erinnerns, in der solche Fälle besprochen werden, hat sich bereits für den neuen Namen ausgesprochen.

Die Mehrheit der Bewohner steht allerdings nicht dahinter. Von deutlich mehr als die Hälfte ist die Rede. „Ich kenne keinen, der dafür ist“, sagt Leßmann. Ihre Bekannten seien alle für den alten Namen. Dazu gebe es noch einige Bewohner, „denen es egal ist“, die sich also bei der Befragung enthalten hätten. Dabei gehe es aber auch ausdrücklich nicht um eine Entscheidung gegen die Ehrung von Husemann, betont Leßmann, die die 1975 Verstorbene, die in der Nachbarschaft in der Worthmannstraße wohnte, vom Sehen her sogar kannte. Um an sie zu erinnern, gebe es aber bessere Möglichkeiten. Zum Beispiel könnte die aktuell noch namenlose Parkanlage zwischen Worthmannstraße und Neuenteich nach Husemann benannt werden. Und der Runenweg heiße nunmal ihr ganzes Leben schon Runenweg, sagt Leßmann. So wie sie dächten viele in der Straße.

Dass vor einer möglichen Umbenennung die Anwohner befragt würden, sei eine Premiere, heißt es von der Stadt. „Ein Testballon.“ Umbenennungen seien sehr selten, erklärt Frank Hörster, in der Verwaltung zuständig für dieses Thema. Er erinnert an den Fall der Lettow-Vorbeck-Straße. Jahrelang war die Benennung nach dem umstrittenen General, dem unter anderem Kriegsverbrechen in Deutsch-Ostafrika während des Ersten Weltkriegs vorgeworfen worden waren, ein Reizthema. Mittlerweile heißt sie Edith-Stein-Straße.

Bezirksvertretung Elberfeld soll Mittwoch entscheiden

Sollte der Runenweg umbenannt werden, würde ein Jahr lang das alte, dann durchgestrichene Namensschild unter dem neuen hängen, erklärt Hörster. So wie beim Hans-Dietrich-Genscher-Platz am Bahnhof Barmen, der früher die Adresse Winklerstraße 1-3 hatte.

Das letzte Wort im Fall Runenweg liegt nun bei der Politik. Da es sich um keine Straße mit überbezirklicher Bedeutung handelt, ist also die BV zuständig. Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Vitenius (SPD) will noch keine Einschätzung abgeben, wie das Gremium entscheiden wird.