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Nachbarn stoppten Bagger-Aktion im Steinbruch

Nachbarn stoppten Bagger-Aktion im Steinbruch

Das Ordnungsamt untersagte lautes Gerät am Feiertag. Die Aktion wird am heutigen Samstagvormittag nachgeholt.

Sprockhövel. „Baggern statt Bollerwagen“ sollte das Vatertagsvergnügen im Steinbruch Weuste von Thomas Lange am Himmelfahrtstag lauten. Doch die rustikal gekleideten Herren mussten um 11 Uhr enttäuscht hinnehmen, dass die fünf vorgesehenen Bagger und Radlader im Schuppen zu bleiben hatten. Die Ankündigung von dem ungewöhnlichen Event im Voraus hatte nämlich einen um seine Feiertagsruhe besorgten Nachbarn auf den Plan gerufen. Der hatte das Ordnungsamt in Sprockhövel verständigt, und das wiederum hatte Liane und Thomas Lange mitgeteilt, dass es am Vatertag nichts mit selbst aus den Felsen gebrochenen Steinen werden würde.

„Die gesetzlichen Bestimmungen besagen, dass an Sonn- und Feiertagen ein Bagger und ähnliche Gerätschaften nicht geführt werden dürfen“, erläuterte Matthias Kleineberg vom Ordnungsamt Sprockhövel die eindeutige Sachlage. „Wir sind extra deshalb gekommen“, erklärte Martin Kayka, der mit Sohn und den als Kiebitzen und Motivationshilfen vorgesehenen Ehefrau und Tochter die Steinwüste Weuste angesteuert hatte.

„Und ich wäre auch gern Bagger gefahren“, sagte Tanja Ackermann, die auch unbedingt mal das schwere Arbeitsgerät — unter fachkundiger Anleitung selbstverständlich — durch den Steinbruch bewegen wollte. Aber aufgehoben bedeutet lediglich aufgeschoben, denn am heutigen Samstag darf von 9 bis 12 Uhr nach Herzenslust gebaggert werden. „Da gilt keine Feiertagsruhe“, so Thomas Lange, der aber die Gelegenheit wahrnahm, die Gäste durch den Steinbruch zu führen. Der ist übrigens nicht wie viele Steinbrüche, die in Fernsehkrimis oft als Kulisse für Delikte und Gewalttaten am Menschen dienen, eine kahle Einöde, sondern liegt mitten im Grünen.

Bei der Führung erfuhren die Gäste, unter denen auch etliche Familien waren, dass der hier seit 200 Jahren abgebaute Ruhrsandstein im Gegensatz zu vielen anderen steinernen Mineralien absolut unempfindlich ist, Frost und Säure widersteht und am Trassentunnel Schee genauso wertvolle Verwendung fand wie zuletzt an der Essener Villa Hügel. Lange schlug vor, kleine Ruhrsandsteine auch mal als „Whisky-Steine“ zu probieren. „Die werden in Würfel zersägt und eiskalt gekühlt und verwässern dann die jeweiligen Getränke nicht so wie schmelzende Eiswürfel.“

Damit den Gästen aber nicht nur das Zuhören bei Langes Vortrag und der Verzehr von Grillwurst, Bier und Mineralwasser blieb, gab es ab 14Uhr noch ein Schubkarrenrennen als Aktivitätsausgleich. „Mann gegen Mann“, lautete das Motto, das aber dank handfester Damen ein wenig abgewandelt wurde. Dass Steine auch die Grundlage für Fotos bilden können, erlebten die Besucher in einem zum Fotostudio umfunktionierten Zelt gegenüber dem selbstverständlich steinernen Imbissstand. Da konnte man sich nämlich fotografieren und sein Konterfei auf einer fast schwarzen Platte mit Eiffelturm-oder Sprockhövel-Hintergrund oder auf glatt poliertem Ruhrsandstein anbringen lassen.

Eine betrübliche Nachricht hatte Stein-Experte Thomas Lange übrigens für die Wuppertaler Gäste. Die erfuhren nämlich, dass die vielfach kritisierte und ungeliebte Mauer am Döppersberg aus für diesen Zweck völlig ungeeignetem Jurakalk erstellt worden ist.