Nach der Randale: Gemeinde zeigt Geschlossenheit

Nach der Randale: Gemeinde zeigt Geschlossenheit

Große Betroffenheit und großer Andrang bei Sonntagsmesse in St. Mariä Empfängnis. Mutmaßliche Täter befinden sich in U-Haft.

Vohwinkel. Eine genähte Platzwunde am Kopf, ein zugeschwollenes Auge und ein gelockerter Zahn. Wie berichtet, wurde eine 69 Jahre alte Frau in der Kirche St. Mariä Empfängnis in Vohwinkel von zwei randalierenden Männern angegriffen und verletzt. Trotz ihrer Blessuren war die 69-Jährige am Sonntag wieder in „ihrer“ Kirche. „Ich lasse mich nicht unterkriegen“ , sagte sie mit fester Stimme. Große Betroffenheit, aber auch Wut herrschen bei den Mitgliedern der Katholischen Gemeinde Vohwinkel. Bei der Sonntagsmesse in der Kirche an der Edith-Stein-Straße zeigte sich die Gemeinde zwar betroffen, demonstrierte gleichzeitig jedoch ihre Geschlossenheit.

Die Festnahme der mutmaßlichen Täter — die WZ berichtete — löste Erleichterung aus. Am Wochenende bestätigte die Polizei, dass sich die beiden 41 und 25 Jahre alten Männer in U-Haft befinden. Begründung unter anderem: Die beiden haben keinen festen Wohnsitz. Sie werden der Vohwinkeler Obdachlosen-Szene zugerechnet, sind unter anderem wegen Diebstahls und diverser Sachbeschädigungen polizeibekannt. Religiöse oder politische Motive für die Randale schließen die Ermittler bislang aus. Die beiden Alkoholiker sollen zum Tatzeitpunkt einfach nur betrunken und gewalttätig gewesen sein. Am Tattag sollen sie zudem der Polizei bereits aufgefallen sein. Bei ihnen sei eine selbstgebastelte verbotene Schlagwaffe sichergestellt worden, hieß es am Sonntag. Das Duo soll bereits vor zwei Wochen im Gotteshaus eine Spur der Verwüstung hinterlassen haben.

Der leitende Pfarrer der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Wuppertaler Westen, Christoph Bersch, fand in der vollbesetzten Kirche in der Messe deutliche Worte: „Es ist erschütternd, wozu Menschen fähig sind und dass selbst das Haus Gottes kein Tabu mehr ist.“ Ähnlich sieht es Ingrid Wege: „Es ist schon eine bodenlose Unverschämtheit, sich an dieser Kirche zu vergehen, aber ein solch tätlicher Angriff ist das Allerschlimmste.“ Gemeindemitglied Christian Franken: „Ich bin schockiert über soviel Respektlosigkeit an einem solchen Ort.“

Gegenüber der WZ berichtete die verletzte 69-Jährige am Sonntag, wie sie die Randale am vergangenen Freitag erlebte. Die betrunkenen Männer seien laut grölend in die Kirche gekommen. Nach ihrer Aufforderung zu gehen, habe ihr der Jüngere ins Gesicht gespuckt. Dann hätten die Männer ihren Rollator umgeworfen, sie mit einer großen Kerze am Kopf getroffen und versucht, ihr das Handy abzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt habe die Pfarrsekretärin schon die Polizei alarmiert. Die 69-Jährige ist regelmäßig in der Kirche und sieht dort „nach dem Rechten.“

„Dass die Dame heute wieder in unserer Mitte weilen kann, ist Glück im Unglück und wahrscheinlich einem Schutzengel zu verdanken“, sagte Pfarrer Bersch am Sonntag. Die Kirche soll auch weiterhin für Gläubige geöffnet bleibe. Es werde allerdings eine Videoüberwachung geben (siehe Kasten oben).

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