Baureihe B 72: Nach 43 Jahren kommt wieder eine neue Schwebebahn

Baureihe B 72: Nach 43 Jahren kommt wieder eine neue Schwebebahn

Zeitzeugen erinnern sich an den letzten Modellwechsel 1972. Das Interesse der Wuppertaler hielt sich damals in Grenzen.

Wuppertal. Auf diesen Tag haben die Fans der Wuppertaler Schwebebahn lange gewartet. Am Samstag um 11.15 Uhr wird der erste Wagen der neuen Generation in der Fahrzeugwerkstatt in Vohwinkel eintreffen. Die neuen Wagen lösen die Modelle der Baureihe B 72 ab, von denen der erste Wagen vor 43 Jahren erstmals auf die Strecke ging.

Foto: Archiv Kurt Keil

Ein Begrüßungsfest — so wie es heute geplant ist — gab es am 13. Juli 1972 bei der Ankunft des Wagens mit der Nummer 1 allerdings nicht. „Das Interesse beschränkte sich auf einige Schaulustige“, erinnert sich WZ-Fotograf Kurt Keil, der den Wagen mit der Nummer 1 zuerst am Güterbahnhof Vohwinkel ablichtete. Von dort wurde er auf einen Schwertransporter geladen und in den Hof der Schwebebahnwerkstatt rangiert.

„Die Ankunft der ersten Bahn habe ich leider als Schuljunge verpasst. Daher hatte ich mir fest vorgenommen, bei der Ankunft des letzten Wagens dabei zu sein. Der Wagen 28 wurde aber erst am 22. April 1975 per Güterzug aus Nürnberg geliefert“, sagt Michael Malicke. Er vermutet, dass der Hersteller MAN wegen voller Auftragsbücher massive Lieferprobleme hatte. „Die bauten meines Wissens auch die Wagen für die Münchener U-Bahn. Und wegen der Olympischen Spiele 1972 hatte die U-Bahn Vorrang.

Peter Joachim Schmied, langjähriger Redakteur der WZ, kann sich daran erinnern, dass die Vorfreude der Wuppertaler 1972 eher gedämpft war. „Die Leute waren zwar froh, dass die alten Wagen weg waren, aber sie waren auch ein bisschen überrascht über das simple Design und die Plastiksitze in den Wagen. Das vertraute Quietschen, das bis dahin über ganze Stadtteile zu hören war, haben jedenfalls viele vermisst.“

Der Zusammenbau der Fahrzeugteile in der Schwebebahnwerkstatt wird 2015 nach dem gleichen Prinzip wie vor 40 Jahren erfolgen. Jeweils nur ein Wagenteil passt durch eine Aussparung in der Decke vom Erdgeschoss zum 1. Stock, wo die Bahn in die Schienen eingehängt wird.

Peter Joachim Schmied und Kurt Keil berichteten für die Westdeutsche Zeitung wenige Monate später auch über die Jungfernfahrt der neuen Bahn. Viel Prominenz war am 23. November 1972 an Bord: Johannes Rau in seiner damaligen Funktion als NRW-Wissenschaftsminister, der damals amtierende Oberbürgermeister Gottfried Gurland und Alt-Oberbürgermeister Heinz Frowein. Die neue Schwebebahn, die als Gelenkzug mit 200 Plätzen weit mehr Fahrgäste aufnehmen konnte als das Vorgängermodell, war das Symbol einer florierenden, Stadt, die mit dem Bau der Universität gerade ein weiteres Großprojekt in Fahrt gebracht hatte. Dass es 43 Jahre bis zu einem Modellwechsel dauern würde, konnte niemand ahnen.