Muslimischer Friedhof Wuppertal hofft auf Fördergeld

Modellprojekt: Fördert das Heimat-Programm bald den Muslimischen Friedhof in Wuppertal?

Der Trägerverein hat sich beim Landesministerium beworben. Spenden reichen bisher nicht.

Es ist ein bisher einmaliges Projekt: ein muslimischer Friedhof in direkter Nachbarschaft zu einem christlichen und einem jüdischen Friedhof. Jetzt hoffen die Initiatoren des muslimischen Friedhofs an der Krummacher Straße, dass das Land diese Idee unterstützt. Sie haben Fördergeld aus dem Heimatprogramm des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung beantragt.

„Da muss was gehen“, dachte Mohamed Abodahab vom Verein „Muslimische Friedhöfe Wuppertal“, als er im Frühjahr auf dem Weg zu Arbeit zum ersten Mal von dem Förderprogramm des Ministeriums im Radio hörte. Mehr als 100 Millionen Euro will die Landesregierung bis 2022 für die Gestaltung von Heimat zur Verfügung stellen. „Unser Projekt ist auch ein Heimatprojekt“, sagt Mohamed Abodahab. „Wenn man hier beerdigt werden will, zeigt das doch, dass man hier seine Heimat gefunden hat.“

Seit Ende 2017 ist die Planung für den Friedhof fertig. Bisher sind rund 150 000 Euro an Spenden eingegangen – von den zehn Moscheevereinen, die den Trägerverein bilden, von Privatleuten, auch von vielen Nicht-Muslimen, wie Abodahab betont. Doch gebraucht werden 500 000 Euro für den ersten Bauabschnitt. Deshalb würde Geld aus dem Förderprogramm sehr helfen.

Im Frühjahr schrieb der Verein sofort ans Ministerium, musste sich aber gedulden. Denn die Nachricht war nur eine Ankündigung gewesen, die genauen Rahmenbedingen ließen noch auf sich warten. Erst im November erhielt der Verein die Unterlagen, füllte Formulare aus und erläuterte sein Projekt schriftlich. Dabei erhielt er auch Unterstützung, auch von Seiten der Stadt. Sozialdezernent Stefan Kühn bestätigt das und sagt: „Wir finden das richtig klasse, dass der Verein auf den Gedanken gekommen ist.“ Er hat das gleiche Argument wie Abodahab: „Das Friedhofsprojekt macht deutlich, dass Wuppertal für sie Heimat ist.“

Im Übrigen werde der muslimische Friedhof dringend benötigt. Denn auf dem einzigen nicht-christlichen Friedhof Wuppertals in Ronsdorf sei kein Platz mehr. Immer mehr Muslime ließen sich in ihrer neuen Heimat begraben. Zudem seien viele Menschen nach Wuppertal gekommen, bei denen eine Beerdigung im Herkunftsland nicht möglich ist, zum Beispiel Syrien.

Das Land habe dem wachsenden Bedarf bereits Rechnung getragen durch Änderungen im Bestattungsgesetz. So sei seit einigen Jahren eine Beerdigung mit einem Tuch möglich wie bei Muslimen üblich. Ebenso sei es möglich, dass muslimische Gemeinden Träger eines Friedhofs sein können.

Ihm gefällt besonders, dass drei Friedhöfe der unterschiedlichen Religionen nebeneinander liegen werden. Bei einer Besichtigung des Geländes mit Vertretern aller drei Religionen hätten sie sich über die Trauer- und Beerdigungsbräuche ausgetauscht. Und hätten festgestellt: „Da sieht man, was uns verbindet.“

Kühn lobt auch, dass der Verein sich sehr viel Mühe damit gegeben habe, die Anwohner und alle Wuppertaler über ihr Projekt zu informieren. Deshalb hofft er, dass die Bewerbung Erfolg hat. Wann es eine Entscheidung gibt, konnte auch das Ministerium nicht sagen.

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