Wuppertal: Muslimischer Friedhof nimmt Gestalt an

Wuppertal: Muslimischer Friedhof nimmt Gestalt an

Landschaftsarchitekten stellen ihre bisherigen Entwürfe vor, um Anregungen der Anwohner berücksichtigen zu können.

Wuppertal. Der muslimische Friedhof in Wuppertal nimmt Gestalt an — zumindest auf dem Papier. Studenten des Lehrstuhls für Landschaftsarchitektur an der Bergischen Universität Wuppertal haben ihre Entwürfe für den ersten muslimischen Friedhof gezeigt. Er soll an der Krummacher Straße in Varresbeck auf einer Fläche von zwei Hektar entstehen.

Der Termin in den Uniräumen ist Teil eines Prozesses, der im vergangenen Dezember begonnen hat. In einer ersten Anhörung wurde das Projekt den Anwohnern vorgestellt. Seitdem haben die angehenden Landschaftsarchitekten mit ihrem Professor Klaus Overmeyer acht Entwürfe geplant, die den Anwohnern präsentiert werden. „Das ist jetzt die Entwurfsbetreuung“, erläutert Overmeyer. In die Pläne sollen die Anregungen der Anwohner einfließen.

Am 7. Februar werden die finalen Entwürfe präsentiert. Es sei wie ein Aushandlungsprozess auf einem Basar, findet Professor Overmeyer. Denn für die Gestaltung des Grabfeldes müssen viele Interessen unter einen Hut gebracht werden: Die Vorgaben der Stadt, die Wünsche des muslimischen Friedhofsträgervereins und die Sorgen der Anwohner.

„Wir arbeiten mit dem Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur zusammen, weil wir die Anwohner beteiligen wollen“, sagt Mohamed Abodahab. Er ist der zweite Vorsitzende des Muslimischen Friedhofsträgervereins Wuppertal. „In der Weise hätte das kein Planungsbüro leisten können“, sagt er und deutet auf die Tische, an denen Anwohner die Entwürfe mit den Studenten diskutieren.

Dabei geht es durchaus hitzig zu. Margitta Hohagen ist etwas geschockt: „Wir haben eine Terrasse und der Zaun ist die einzige Abgrenzung. Ich schaue dann direkt auf den Friedhof und die Trauerhalle.“ Eine Mauer oder hohe Bäume will sie jedoch nicht als Sichtschutz. „Dann fühle ich mich eingesperrt,“ sagt sie. Ein Anwohner pflichtet ihr bei, Bäume wolle er auch nicht haben, der Ausblick auf einen Friedhof behagt ihm aber auch nicht.

Die Anwohnerin Ewa Einhorn bemüht sich um eine differenzierte Betrachtung: „Es geht darum, alle Seiten zufrieden zu stellen.“ Mit Blick auf die Trauergäste plädiert sie, dass auch Geräusche der Anwohner stören könnten. „Stellen sie sich vor, Sie beerdigen jemanden und nebenan läuft ein Rasenmäher oder Musik.“

Den meisten Anwohner scheint nicht zu behagen, dass sie künftig neben einem Friedhof wohnen werden. „Deshalb ist uns die Bürgerbeteiligung sehr wichtig“, sagt Mohamed Abodahab, denn die Anwohner hätten berechtigte Sorgen. Ziel sei es, aus allen bisherigen Entwürfen die besten Ideen zu nehmen und die Forderungen der Nachbarn einzubinden. „Dennoch gibt es keine Garantie, dass alle Wünsche erfüllt werden“, sagt der zweite Vorsitzende des Trägervereins.

Allein die steile Hanglage des Geländes macht es für die Studenten schwer, das Grabfeld zu planen. „Vor allem, wenn der Friedhof barrierefrei sein soll“, sagt die Studentin Jasmin Quaas. Dazu gibt es die Vorgabe, dass alle Gräber nach Mekka ausgerichtet sein sollen. Besonders schwer sei es, den Anwohnern die Angst zu nehmen, findet Studentin Katharina Massold. Aber ein Friedhof sei ja auch eine Parklandschaft, die gestaltet werden könne.

In Wuppertal leben derzeit 30 000 Muslime, von denen 30 im Jahr in Deutschland bestatten werden. „Wir rechnen aber nicht mit einem sprunghaften Anstieg, wenn es einen muslimischen Friedhof gibt“, sagt Abodahab. Er geht von 100 Bestattungen im Jahr aus. Wenn alles nach Plan läuft, soll der Friedhof 2018 eröffnet werden.

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