Muslime: „Wir akzeptieren keine radikalen Prediger“

Muslime: „Wir akzeptieren keine radikalen Prediger“

Mohamed Abodahab vom Verein Islam und Frieden setzt sich für mehr Dialog ein.

Herr Abodahab, ist Wuppertal eine Hochburg für Islamisten, wie es der Verfassungsschutz behauptet?

Abodahab: So empfinden wir von der Interessenvertretung der Wuppertaler Moscheen das nicht. Wir können aber auch nur das sehen, was in unseren Moscheen und in unserem Umfeld geschieht und was wir durch die Presse erfahren. Ich empfinde Wuppertal als tolerante und weltoffene Stadt, auch wenn es an der ein oder anderen Stelle Schwierigkeiten gegeben hat. Ich denke, dass wir unsere Moscheen gut im Griff haben.

Zwei junge Wuppertaler sind nach Afghanistan gereist und wurden bei Al Kaida ausgebildet. Einer ist tot, der andere wird wegen Totschlags angeklagt. Wie kann so etwas geschehen?

Abodahab: Das hat überhaupt nichts mit dem Islam zu tun.

Sondern?

Abodahab: Es ist so etwas wie eine Mischung aus Unwissenheit und Perspektivlosigkeit, die bei diesen Menschen vorhanden ist. Das macht junge Menschen anfällig für radikale Ansichten, aber das kann ich aus der Ferne nicht abschließend beurteilen. Dieses Phänomen sehen Sie übrigens auch bei anderen Gruppierungen, denken sie an die NSU-Zelle. Daher müssen Konzepte für die Jugendlichen entwickelt werden, um gegenzusteuern.

Was unternehmen die Wuppertaler Moscheen, um ein Abdriften ihrer Mitglieder in den Extremismus zu verhindern?

Abodahab: Die Wuppertaler Moscheen tun im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine ganze Menge. Sie machen eine gute Öffentlichkeitsarbeit und ein gutes Angebot in ihren Moscheen.

Wie sieht das aus?

Abodahab: Unter anderem binden wir die Jugendlichen in die Moscheearbeit ein, bieten Informationsveranstaltungen an, in denen wir mit ihnen über aktuelle Themen sprechen, und auch Islamvorträge, in denen wir den Jugendlichen den wahren, gemäßigten und toleranten Islam erklären. So wie der Prophet Mohammed, Friede sei mit ihm, ihn gelehrt hat.

Bekommen die Imame in den Moscheen und die Vorsitzenden der Vereine überhaupt mit, wenn junge Muslime radikal werden?

Abodahab: Das ist sehr schwierig. Die Imame sprechen in den Freitagspredigten auch diese Themen an. Sie erklären den Jugendlichen, wie sie sich zu verhalten haben und dass es Gefahren gibt. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Diese Freitagspredigten werden auch in deutscher Sprache gehalten.

In den Wuppertaler Moscheen wird freitags auf Deutsch gepredigt?

Abodahab: Nicht in jeder, bei uns im Verein Islam und Frieden hält der Imam die Predigt auf Arabisch und sie wird später auf Deutsch noch einmal zusammengefasst. In anderen Moscheen wird sie meines Wissens schriftlich in deutscher Sprache zusammengefasst. Es gibt sehr viele Jugendliche, die arabisch oder türkisch nicht verstehen.

Gibt es Zentren von Salafisten in Wuppertal?

Abodahab: In Wuppertal ist mir kein Zentrum von Salafisten bekannt.

In Vohwinkel gab es Salafisten, die gezielt junge Muslime angesprochen haben. Ist das bei Ihnen bekannt?

Abodahab: Es ist nicht unsere Aufgabe als Interessenvertretung der Wuppertaler Moscheen, zu kontrollieren, wo was und mit welchem Inhalt gepredigt wird. Als Ehrenamtler fehlen uns dazu die Mittel und Kapazitäten. Ich selbst habe den in Rede stehenden Gebetsraum nie besucht.

Einer der Prediger soll auch in der Abu Bakr Moschee gepredigt haben, heißt es. Wie wehren sich die Moscheen dagegen, dass radikale Muslime dort predigen?

Abodahab: Sobald es nur Anhaltspunkte gibt, dass jemand intolerante Ansichten vertritt, wird verhindert, dass er bei uns Vorträge oder Predigten hält. Der Vorstand der Abu Bakr Moschee hat daher richtig und gut gehandelt, als er sich vorsorglich von dem Prediger aus Vohwinkel getrennt hat. Das ist doch ein Beleg dafür, dass die Wuppertaler Moscheen daran interessiert sind, derartige Entwicklungen schon im Keim zu ersticken.

Sie akzeptieren also keine radikalen Prediger in ihren Moscheen?

Abodahab: Auf keinen Fall. Wir akzeptieren keine radikalen Prediger. Wir schützen niemanden, aber wir vorverurteilen auch niemanden. Wir leben hier in einem Rechtsstaat. Wenn es Anhaltspunkte gibt, dass radikale Ansichten diesen Rechtsstaat angreifen, gibt es rechtsstaatliche Organe, die dieses verhindern können und müssen.

Müssen die integrierten und gemäßigten Muslime nicht deutliche Signale gegen Hass und Terror setzen?

Abodahab: Eine Gegenfrage: Müssen Sie sich als Wuppertaler rechtfertigen, wenn es in Wuppertal rechtsradikale Gruppen gibt, die unschöne Handlungen durchführen? Ich sage Nein, weil ich davon ausgehe, dass Sie ein toleranter und offener Mensch sind. Diese Haltung erwarte ich auch von den Menschen uns gegenüber. Man kennt uns doch mittlerweile in Wuppertal. Ich würde mich freuen, wenn die Menschen ihr Misstrauen ablegen und uns mehr Vertrauen entgegenbringen.

Warum?

Abodahab: Wir erklären immer wieder, wie wir unsere Religion hier leben und dass wir die freiheitliche demokratische Grundordnung achten. Ich finde es überzogen, wenn wir uns jedes Mal rechtfertigen müssen. Man kann grundsätzlich davon ausgehen, dass Muslime hier ganz friedlich leben und diesem Land nützlich sein möchten. Wir strecken unsere Hand zum Dialog aus, wie sie etwa vor zwei Monaten bei der Demonstration von Pro NRW sehen konnten, als unser Selim Mercan von der Moschee an der Gathe eine Rose an die Pro-NRW-Demonstranten überreichte.

Es geht nicht um eine Rechtfertigung, sondern um eine Einordnung. Wenn jemand im Namen des Islam hetzt, ist es dann falsch, wenn Sie als Vertreter des Islam in Wuppertal sagen: „Wir tolerieren es nicht, wenn im Namen des Islam zu Gewalt aufgerufen wird“?

Abodahab: Dafür bin ich doch heute hier. Grundsätzlich ist das richtig und eine gute Sache, dass man Stellung bezieht und informiert. Davon rücken wir auch nicht ab. Deswegen wiederhole ich: Wir sind offen für jeden Dialog.

Homepage des Vereins Islam und Frieden

Mehr von Westdeutsche Zeitung