Musical „Sissi“: Pomp, Prunk und jede Menge Klischee

Die Geschichte der Kaiserin zog als Musical zahlreiche Fans in die Historische Stadthalle.

Wuppertal. Romy Schneider litt ihr Leben lang an dieser Rolle — doch seit die blutjunge Filmdiva in spe als „Sissi“ das Deutschland der 1950er Jahre zu Tränen rührte, umflort die einstige österreichische Kaiserin ein Mythos von Kitsch und Melodram. Am Mittwochabend fand Sissi — die eigentlich Elisabeth von Österreich hieß — in der Historischen zu einer künstlerischen Wiedergeburt. Mit dem Untertitel „Liebe, Macht und Leidenschaft“ hatte das Musical fest umrissen, was dem Publikum in die Glieder fahren sollte.

Hätte es in Rheinland oder Westfalen einen Ort geben können, der dem Pomp des österreichischen Kaiserpaars besser zu Gesicht gestanden hätte als die Elberfelder Stadthalle? Wohl kaum, und das wurde den Gästen, die von weither angereist waren, sehr wohl bewusst. „Einfach traumhaft“, fand die Schweizer Besucherin Regina Bandera die Inszenierung wie auch die Spielstätte. Dass dem Kaiser Franz mit Martin Sommerlatte eine Wiener Echtbesetzung zuteilwurde, trug da nur noch peripher zum Wirkung bei.

Die Detailarbeit verdient indessen lobende Erwähnung. So wurde in Kopie jenes Porträt Sissis über den Bühnenboden hin und her geschoben, das einst Franz Xaver Hinterhalter malte. Im Prospekt erschien der Wolfgangsee, der — vom Computer animiert — lautlos vor sich hin blubberte. Und damit deutete sich der Bruch an, der Sissis Musical-Tauglichkeit auf die Probe stellte.

Komponist George Amade hatte Buch und Liedtexte (Jean Müller) mit Melodien unterlegt, die nur selten den Rahmen der Strauss-Ära sprengten. „Gott erhalte Franz den Kaiser“ und „Ja, das alles auf Ehr“ fanden da sogar im Original ihren Platz, nur um auch noch von Händels „Halleluja“ aufgepeppt zu werden.

Allein Franzens Mutter (Adelheid Brandstetter) erhielt als Haus- oder eben Palastdrachen einige Passagen, die deutlicher von den Strukturen einer Operette abrückten und dabei strammere Rhythmen aufnahmen. Derweil nudelte sich Sissi (Karolina Pasierbska) — stimmlich durchaus überzeugend — als das naive Dummchen, das das Libretto für sie vorgesehen hatte, durchs Programm.

So gab es Klischee zur Genüge für den, der es mag — indessen leider nur wenig Tanz. Das Kaiserpaar brachte es überhaupt nur zum Walzer, während die Nebendarsteller auch mal einen Schuhplattler hinlegten. Schließlich war Sissi im richtigen Leben geborene Bajuwarin.

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