Motten und Bakterien setzen Kastanien zu

Motten und Bakterien setzen Kastanien zu

In diesem Jahr sind laut Grünflächenamt rund 95 Prozent dieser Bäume von der Miniermotte befallen und tragen daher schon seit August braune Blätter. Doch der Kastanie droht noch größere Gefahr.

Wuppertal. Hat der Herbst in diesem Jahr etwa früher begonnen? Mit Blick auf die Kastanien im Stadtgebiet ließe sich das annehmen. Schon seit August sind die Blätter vieler Bäume in Wuppertal komplett braun. Schuld daran ist die Miniermotte. „In diesem Jahr ist der Befall extrem“, kommentiert Michael Kaiser, Abteilungsleiter der Grünflächenunterhaltung, das bekannte Phänomen. Lediglich das Ausmaß ist neu. „Es gibt kaum eine Kastanie in der Stadt, die nicht befallen ist“, so Kaiser. Rund 95 Prozent der Kastanien seien betroffen.

Die Larven der Motte, die wachsen in den Blättern heran und fressen Gänge ins Blattgewebe. Schon im Frühsommer zeigen sich gelbliche bis braune Flecken. Doch Baumliebhaber müssen nicht, um die teils stattlichen Exemplare bangen. „Das ist zwar unschön, aber ist für den Baum nicht weiter schlimm“, so Kaiser.

Auch könne man gegen die Motten, die sich derzeit verstärkt in Europa ausbreitet, nichts tun. Die Puppen fallen mit dem Laub auf den Boden, wo sie überwintern, um im nächsten Jahr zum nächsten Fress-Angriff anzusetzen. „Man müsste direkt jegliches Laub unter jedem Baum entsorgen. Das ist unmöglich“, sagt der Experte. Daher müsse man eben mit dem Phänomen leben, das Jahr für Jahr unterschiedlich stark ausgeprägt sei.

Während die Motten sichtbaren Schaden an der Kastanie hinterlassen ist die viel größere Gefahr das Bakterium Pseudomonas. Der Befall zeigt sich durch schwarze Stellen am Stamm und durch eine teerfarbige Flüssigkeit, die unten aus dem Baum herausläuft, so als ob er bluten würde. „Das schlimme daran, ist dass die geschwächten Bäume leicht von Pilzen befallen werden“, weiß Kaiser. Der Befall ist besonders tückisch, weil der Baum noch nahezu gesund aussehen kann, innerlich aber bereits ganz verfault ist und daher nicht mehr standsicher. Erkrankte Bäume überprüft das Grünflächenamt regelmäßig, fällt laut Kaiser jedoch erst, wenn der Pilzbefall das entsprechende Exemplar zu einer Gefahr für den Straßenverkehr werden lässt.

So wird es jetzt an der Staubenthaler Straße 39 passieren. Die Kastanie ist an Pseudomonas erkrankt und laut Frank Jäger von der Baumkontrolle komplett abgestorben. Weitere Kastanien, denen in Kürze die Säge droht befinden sich etwa an der Oberen Lichtenplatzer Straße 73, wo die Kastanie ebenfalls von einem Pilz hingerafft wurde. Holzzersetzende Pilze im Kronenbereich und erhebliche Einfaulungen führen dazu, dass an der Flexstraße 9 bald gefällt werden muss. In der Parkanlage an der Rheinstraße wird ebenfalls gefällt. Ein Pilzbefall hat zu Wurzel- und Stammschäden geführt. Insgesamt zehn Kastanien muss die Stadt in nächster Zeit aufgrund verschiedener Schädigungen fällen. Gerade arbeitet das Amt an einer Baumfällungsliste, die den Bezirksvertretungen vorgelegt wird. Trotzdem dominieren Kastanien noch immer das Stadtbild. „550 Kastanien werden von uns als Straßenbäume unterhalten“, so Frank Jäger.

„Keine Sorge, die Kastanie wird nicht so schnell aus dem Stadtbild verschwinden“, sagt Michael Kaiser. Aber: Bei Neupflanzungen setzt die Stadt für die Zukunft bewusst auf Bäume, die weniger anfällig für Krankheiten sind — ein weiterer „Problembaum“ ist die Rubinie. Jäger: „Als Zukunftsbäume pflanzen wir gerne Amberbaum, Baumhasel, Feldahorn, Ginkgo, Säulenahorn und Schnurbaum.“