Wuppertaler Auslese Krisen, Inflation und KI: Moritz Klein vom Peter Hammer Verlag über die Herausforderungen der Buchbranche

Wuppertal · Buchhandel im Wandel: Moritz Klein, Geschäftsführer des Wuppertaler Peter Hammer Verlags, spricht im WZ-Podcast über Veränderungen in der Branche, Künstliche Intelligenz, die Wichtigkeit von Buchmessen und die Träume vieler angehender Autoren.

 Moritz Klein, Geschäftsführer des Peter Hammer Verlags, hat im Podcast „Wuppertaler Auslese“ über die Buchbranche gesprochen.

Moritz Klein, Geschäftsführer des Peter Hammer Verlags, hat im Podcast „Wuppertaler Auslese“ über die Buchbranche gesprochen.

Foto: Johanna Christoph

Wissen Sie, wann Sie zuletzt ein Buch gekauft haben? Seit Jahren geht der Absatz im Buchhandel zurück. Immer weniger Menschen kaufen Bücher. Diese Entwicklung nimmt auch der 1966 gegründete Wuppertaler Peter Hammer Verlag wahr. „Wir verkaufen seit vielen Jahren jedes Jahr weniger Bücher als im Vorjahr“, berichtet Geschäftsführer Moritz Klein im Podcast-Interview mit der WZ. Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung.

Laut Angaben des Börsenvereins Deutscher Buchhandel haben im Jahr 2022 rund 25,8 Millionen Menschen Bücher gekauft, das sind rund 1,4 Millionen weniger als im Vorjahr. Im Jahr 2017 seien es etwa noch rund 29,6 Millionen Menschen gewesen, die Bücher gekauft haben. Das ist ein Rückgang um rund 12,8 Prozent. Die Entwicklung ist auch in den Kennzahlen des des Gesamtmarkts erkennbar: „Von 2019 bis 2023 ist der Absatz von Büchern um 8,4 Prozent zurückgegangen“, so Klein. Jedoch sei der Umsatz um 1,6 Prozent gestiegen. „Die Branche hat auf diesen Absatzrückgang damit reagiert, dass sie die Ladenpreise angehoben hat. Glücklicherweise liegt die Entwicklung beim Peter Hammer Verlag deutlich über dem Marktdurchschnitt und wir konnten den Absatz stabil halten und den Umsatz kontinuierlich steigern.“

Das Sortiment des Peter Hammer Verlags ist breit gefächert, erstreckt sich von Kinder- und Jugendbüchern, Bilderbüchern, über südamerikanische Literatur und Sachbücher bis zur Belletristik. Besonders stark gewachsen ist das Programmsegment der Kinder- und Jugendliteratur, das Monika Bilstein in den Vorjahren bereits deutlich ausgebaut hatte und das mit den Bilderbüchern des Wuppertaler Illustrators Wolf Erlbruch einige Klassiker vorzuweisen hat, die sich seit Jahrzenten in jedem Kinderzimmer finden. Auf dem deutschen Buchmarkt ist das Kinder- und Jugendbuch zusammen mit der Belletristk die einzige Warengruppe ist, die zuletzt noch gewachsen ist. „Die Belletristik ist trotz Medienkonkurrenz immer noch ein sehr, sehr stabiles und auch ein in Wachstum begriffenes Segment“, so Klein. Besonders die Genres „Young Adult“ oder „New Adult“ (richten sich vor allem an Teenager bis junge Erwachsene) seien stark gefragt gewesen – auch Dank der Bewerbung auf Plattformen wie der Kurz-Video-App Tiktok. „Dadurch hat sich auch ein neuer Trend entwickelt, der junge Menschen erreicht und sie wieder zum Lesen verführt hat.“ Dieses Segment spielt im Programm des Peter Hammer Verlags jedoch keine Rolle.

Weiterhin ungebrochen ist darüber hinaus der Traum vieler Menschen, über einen Verlag ein Buch zu veröffentlichen. „Wir sind sehr froh, dass es Menschen gibt, die kreativ tätig sind, sich Geschichten, Bücher, Illustrationen ausdenken und sie uns zur Veröffentlichung anbieten“, so Klein. Wöchentlich gingen beim Verlag rund zehn bis 15 unaufgeforderte Manuskripte ein. Es sei eher ein strukturelles Problem, da es eine große Anzahl von Einsendungen gibt, die bearbeitet werden muss, und der Verlag habe leider nicht die Ressourcen, allen Einsendungen eine Rückmeldung zu geben – „das wäre eine zusätzliche Vollzeitstelle“.

Darüber hinaus gebe es viele Autoren, die ihre Manuskripte einschickten, ohne sich vorher mit dem Verlagsprogramm auseinandergesetzt zu haben. So passe das Werk womöglich gar nicht zum Verlag, was aber nichts über die Idee oder die Qualität des Werks aussagt.

Künstliche Intelligenz ist ein großes Thema in der Buchbranche, so Klein. Bisher hätte der Verlag aber noch kein Manuskript erhalten, wo kenntlich gemacht worden sei, dass KI beteiligt gewesen war. Doch könnte sich das bald ändern. Für Verlage, die etwa sehr kommerzielle Produkte schaffen, könnte es eine Möglichkeit sein, mit wenig Aufwand und ohne Autorenbeteiligung Bücher zu machen. „Auf der anderen Seite wird diese Entwicklung den Wert von originärem, kreativen Output von künstlerisch Schaffenden, von Autoren wiederum steigern“, so Klein.

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