Mord-Anklage gegen den Katernberger Doppelräuber

Mord-Anklage gegen den Katernberger Doppelräuber

Prozess: Ende März steht ein 45-Jähriger vor Gericht, weil er in Krefeld einen Auto-Händler erschossen haben soll. Der Mann war auch in Wuppertal aktiv – vor 14 Jahren.

Wuppertal. 10. August 1995: Vor der Sparkasse am Katernberg hält ein VW Derby: Um 11.16Uhr steigt ein merkwürdig gekleideter Mann aus. Er hat eine Gummimaske vor dem Gesicht, trägt eine Perücke auf dem Kopf und weiße Handschuhe zum blauen Overall. Der Mann betritt die Sparkasse, geht zielstrebig auf die Kasse zu, bedroht einen Kassierer mit einer Pistole, fordert Geld. Mit zwei gefüllten Beuteln verschwindet der Maskenmann. Die Beute damals: 35815 D-Mark.

Noch im selben Jahr kommt er wieder: Diesmal am 14.Dezember. Nachmittags um 16.45 Uhr. Da trägt er eine rote Jacke und eine blaue Jeanshose, hat sich einen Oberlippenbart angeklebt. Maskiert ist er mit einem braunen Nylonstrumpf. Er brüllt: "Überfall", schubst eine Kundin zur Seite, stürmt zur Kasse. Die Beute: 50830 D-Mark. Die beiden Wuppertaler Fälle sind eigentlich nur Fußnoten in einem ganzen Katalog von Vorwürfen gegen Fred Wittig.

Der 45-Jährige soll für die beiden Überfälle in Wuppertal und zwei weitere Taten im Juli 1990 (Preetz, Beute: 51210 D-Mark) und im Februar 1995 (wieder in Preetz, Beute: 49900 D-Mark) verantwortlich sein. Doch laut Staatsanwaltschaft ist der Familienvater auch ein Mörder. Im Mai 2008 soll er in Krefeld einen 27Jahre alten Autohändler erst beraubt und dann von hinten regelrecht hingerichtet haben.

Ende dieses Monats wird Wittig in Krefeld der Prozess gemacht. Die vier Bank-Überfälle soll der 45-Jährige gestanden haben. Den Mord allerdings streitet er ab. Er habe lediglich für einen unbekannten Holländer Schmiere gestanden. Diese Version glaubt ihm die Kripo allerdings nicht (siehe Kasten).

Auch nach seiner Festnahme auf Mallorca sorgten die Ermittlungen gegen den in Kiel aufgewachsenen Wittig immer wieder für Schlagzeilen. So wurde der 45-Jährige mittlerweile aus der JVA Krefeld in ein anderes Gefängnis verlegt. Der Grund: Offenbar plante der mutmaßliche Mörder und mehrfache Bankräuber in Krefeld seinen Ausbruch. Zu Details schweigt die Staatsanwaltschaft. Doch es steht außer Frage: Die Fahnder halten den Angeklagten für gefährlich. So wird der Familienvater auch mit einem Mord an einem Autohändler in Belgien in Zusammenhang gebracht. Dabei soll eine Waffe benutzt worden sein, die im Wagen des Angeklagten gefunden wurde.

Und: Der belgische Mord ist bislang noch nicht Bestandteil des Krefelder Prozesses. Gut möglich, dass das Gericht deshalb erst einmal die mehr oder weniger unstrittigen Banküberfälle durcharbeitet. Allein dafür droht dem Angeklagten eine mehrjährige Haftstrafe. Für Mord allerdings gäbe es lebenslang.