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„Momo“ erzeugt viel Spannung

„Momo“ erzeugt viel Spannung

Theater der Generationen feierte mit Michael Endes Roman Premiere.

Eines Stoffs hat sich das „Theater der Generationen“ der Wuppertaler Bühnen jetzt angenommen, der zu seiner besonderen Altersstruktur passt, wie kaum ein anderer: „Momo“ hatte am Samstag Premiere und bot zu Michael Endes Roman eine aufregende Version voller Überraschungen.

Regie führte Theaterpädagogin Sylvia Martin zusammen mit Svea Schenkel. Sie hat erlebt, wie die Zusammensetzung der Amateurdarsteller sich seit Beginn ihres Generationentheaters veränderte: Zuerst gab es gegenüber einer Mehrheit an Spielern im Seniorenalter nur einen Jugendlichen; zur nun dritten Inszenierung haben sich nicht nur die Pole Alt und Jung zahlenmäßig angeglichen, sondern auch aus der Lebensmitte ist das Teilnehmerfeld inzwischen gut gefüllt. Ob das Übergreifen der Generationen dann speziell beim Zeit-Roman „Momo“ Bedeutung hat? Vorab gefragt, bestätigt Martin das sofort: „Sehr viel“ — und gleich ab der ersten Szene besteht daran kein Zweifel.

Denn als Momo nach einer assoziativen Eingangsszene erstmals auftritt, sorgt das beim Zuschauer kurz für Unsicherheit, denn die Darstellerin (Renate Müller-Wallraf) ist sichtlich nicht im Mädchenalter. Nach ihr geben drei weitere Spielerinnen die Titelfigur und streifen sich dazu „Momos“ Jacke über. Und quer durchs Stück bleibt die kleine Herausforderung, an ungewohnten Besetzungen die bekannte Geschichte zu verfolgen. Die Handlung also um die grauen Herren, die den Menschen einreden, Zeit zu sparen auf Kosten des Lebens, und die Kinder um Momo, die mit Spiel und Zuhören dagegenhalten. Da kann auch schon einmal ein vielleicht 16-Jähriger (Alexander Baci) als zum Star arrivierter Fremdenführer Gigi sinnieren: „Das Gefährlichste im Leben sind Lebensträume, die erfüllt werden.“

Das Wechseln bleibt Prinzip und es gilt über den Altersaspekt hinaus. So wird Straßenkehrer Beppo von einer Frau (Petra Moll) gespielt, die seinen lebensklugen Typ überzeugend trifft. Außer zu Beginn, wo ein „Alter“ und ein „Junger“ ihn und Gigi geben: Hartmut Krüpe-Silbersiepe und Philipp Budak sind wie Kehrer und Führer gekleidet (die schön sprechenden Kostüme verantwortet Sarah Prinz) — später allerdings mutieren sie flugs zu Meister Hora: dem Herrn über die Zeit und heute zweigeteilt. Konstante bei alldem ist Barbara Sojka als unerschütterliche und leicht listige Schildkröte. So ist diese „Momo“ ein Abend voll Spielerei zur denkwürdigen Geschichte, der die alt-junge Truppe auch als Bühnenmittel nutzt: ein spannendes Stück Theater.

„Momo“ läuft im Theater am Engelsgarten noch diesen Dienstag und Mittwoch, je um 19 Uhr.