Wuppertal: Mobilität im Betrieb klug organisieren

Wuppertal: Mobilität im Betrieb klug organisieren

Bei zwei Vorträgen in der Citykirche ging es um nachhaltigen Verkehr.

Elberfeld. Betriebe produzieren Verkehr — so die Grundthese am Mittwoch in der Citykirche. Mitarbeiter müssen zur Arbeit fahren, Produkte müssen zu Nutzern oder Geschäften gebracht werden, auch Dienstreisen sind in vielen Betrieben ein Thema. Doch wie organisiert man diesen Verkehr am Besten? Und wie können Firmen davon profitieren, dass die Mobilität in und um den Betrieb gut organisiert ist? Dem versuchten sich Oscar Reutter vom Wuppertalinstitut und Jochen Stiebel, Geschäftsführer der „Neuen Effizienz“ beim Vortrag der Reihe „Zukunftsfähige Mobilität“ der Transformationsstadt zu nähern.

Die Transformationsstadt ist eine Plattform, die Anfang Mai von vier Wuppertaler Einrichtungen angestoßen wurde: Sie wurde vom Wuppertalinstitut gemeinsam mit dem Forschungszentrum Transzent, Utopiastadt und dem Institut „Neue Effizienz“ angeregt. Die Ziele der Transformationsstadt? Wandel, mehr Gerechtigkeit, mehr Nachhaltigkeit, kurz: die Lebensqualität vor der eigenen Haustür und in den Quartieren der Stadt zu verbessern.

Bei den Vorträgen am vergangenen Mittwoch standen die Betriebe im Mittelpunkt. „Betriebliches Mobilitätsmanagement“ ist der Schwerpunkt von Oscar Reutters Vortrag. Dabei geht es darum, wie man den betrieblichen Verkehr sinnvoller und nachhaltiger gestalten kann. „Vermeiden, verlagern, verbessern“, nennt der Wissenschaftler des Wuppertalinstituts als Schlagworte. Vermieden werden kann Verkehr zum Beispiel durch mehr Videokonferenzen statt Dienstreisen zu anderen Stellen der Firma oder zu Kunden. So werden Wege eingespart. Verlagern meint nicht etwa an einen anderen Ort, sondern auf ein anderes Verkehrsmittel. „Mit Jobtickets zum Beispiel kann ein Betrieb einen Anreiz schaffen, mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren“, sagt Reutter. Verbessern, das kann zum Beispiel ein Umsteigen auf das Rad sein. Gerade in Wuppertal liegen viele Firmen nahe zur Nordbahntrasse. Da sei man mit dem Fahrrad nicht nur gesünder sondern im Berufsverkehr sogar schneller am Arbeitsplatz. „Es gibt außerdem Studien, die zeigen, dass Mitarbeiter, die mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, zufriedener sind und weniger Krankheitstage haben“, sagt Reutter. Eine andere Möglichkeit, den betrieblichen Verkehr zu verbessern ist außerdem, den Firmenfuhrpark ökologischer zu gestalten, indem man zum Beispiel Elektrofahrzeuge anschafft.

Jochen Stiebel zeigt in seinem Vortrag vor allem die Perspektive der Betriebe. Denn er als Unternehmer weiß, dass solche Statistiken oft nicht ausreichen, um etwas am Mobilitätsmanagement zu verändern. Andere hingegen schon: Schlecht organisierte Betriebsmobilität kann zu einem echten Platzproblem werden. Mit Luftbildern zeigt er Beispiele. Bei manchen Firmen nehmen Parkplätze ein Drittel der Fläche des Firmengeländes ein. Der Vergrößerung eines Betriebs steht das oft im Weg. Zudem sei Parkplatznot in vielen Quartieren ohnehin ein Problem. Die Lösung wäre oft, auf öffentliche Verkehrsmittel oder Carsharing zu setzen. Doch nicht überall ist das möglich: In vielen Gewerbegebieten gebe es mehrere eher kleine Betriebe, die für sich allein gesehen kaum Möglichkeiten haben, etwas beispielsweise an der Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel zu ändern. „Wir wollen in solchen Gebieten Unternehmen und Mitarbeiter befragen, welche Bedürfnisse sie haben und diese dann bündeln“, erklärt Stiebel. Nur so könne sich die Lage für viele verbessern.

Auch Reutter steht vor einem großen Projekt. Bis Dezember 2019 sollen sechs Fallstudien im Bergischen Städtedreieck durchgeführt werden. Dabei wird verschiedenen Gebietstypen, wie Gewerbegebiete oder Mischgebiete, bei denen sich eine Firma im Wohngebiet befindet, untersucht und Betriebe bei der Organisation der Mobilität ihrer Mitarbeiter beraten. So wollen die Forscher mehr über die Bedürfnisse der Betriebe heraus- und Lösungen für nachhaltigeren Verkehr finden.

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