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Mobiles Wuppertal: Gemeinsam für die Verkehrswende

Mobilität : Gemeinsam für die Verkehrswende

Das Bündnis Mobiles Wuppertal will die Initiativen der Stadt bündeln und fordert klare Positionen aus der Politik.

In Wuppertal gibt es zahlreiche Initiativen, Projekte und Engagierte, die sich mit dem Thema Verkehrswende auseinandersetzen. Der „Mobile Ölberg“ hat die erste Mobilstation im Wohnquartier eingerichtet. Die „Mobile Mirke“ setzt sich etwa mit Gehwegparkern auseinander. Fuss e.V. will mehr für den Fußgänger tun. Die neue Mitte Heckinghausen befasst sich mit der Idee eines autofreien Quartiers. Das neue Bündnis „Mobiles Wuppertal“ will die Energien und Ideen jetzt bündeln und in die Öffentlichkeit tragen.

Die Auftaktveranstaltung am 28. März ist wegen der Corona-Pandemie und der Absagen aller Veranstaltungen natürlich gestrichen. Initiativen-Sprecher Christian Wolter sagt aber, der Termin sei nur verschoben. „Wir müssen sehen, wann sich die Möglichkeit ergibt, das nachzuholen. Wenn es sich zu lange hinzieht, machen wir das vielleicht auch online“, denkt er laut nach.

Die Idee hinter der Initiative ist es, die vorhandenen Gruppen zu vernetzen. Damit sie voneinander profitieren können. „Mobiles Wuppertal soll nicht eine weitere Gruppe sein“, sagt Wolter. Es soll ein Netzwerk sein, eine Verbindung, ein Katalysator. Hier sollen Ideen angestoßen werden, um die Verkehrswende vor Ort zu beschleunigen. Über die Gruppe sollen Ideen geteilt werden.

Wolter erklärt das am Beispiel Mobilstation. Die Einrichtung auf dem Ölberg soll Menschen helfen, von einer Art der Mobilität auf eine andere umsteigen zu können, weil Fahrradgarage, Bus, Taxi und Carsharing an einem Ort sind. Am Arrenberg gibt es auch Interesse daran. Über das Netzwerk soll der Austausch erleichtert werden. Damit das in festen Bahnen läuft und der Kontakt sich verstetigt.

Wolter sagt, bisher hätten alle in ihrem Quartier gute Ideen entwickelt. Aber „wenn man über den Tellerrand guckt, gibt das Impulse. Andere Ideen können Rückenwind geben, weiterzumachen.“ Außerdem soll so auch die Personaldecke gestärkt werden – wenn man Engagierte aus anderen Initiativen als Helfer für eigene Vorhaben anfragen kann.

Wuppertal müsse ja nicht Kopenhagen werden

Auch sollen Interessierte von Außen über eine zentrale Homepage einen Überblick über die Ideen und Initiativen bekommen. Ein Fenster für alle.

Dass es nicht um eine Minderheitenmeinung und die Initiative von angeblichen Autogegnern geht, ist für den Arzt Wolter deutlich. „Eigentlich ist doch jedem klar, dass es so nicht weitergehen kann“, sagt er mit Blick auf eine Rekordzahl zugelassener Autos in Wuppertal, mit Blick auf die Stickoxid-Werte und drohende Fahrverbote, mit Blick auf CO2-Werte des Verkehrs, die seit 1990 nicht gesunken sind, und auch mit Blick auf den steigenden Parkdruck. „Um alle Autos abstellen zu können, müsste man Häuser abreißen“, sagt er.

 Klaus Lang, Beteiligter bei Mobiles Wuppertal und ADFC-Vorsitzender in Wuppertal, sieht das auch aus einer anderen Perspektive als problematisch. Wegen der vielfach zugeparkten Kreuzungen sind Kinder im Verkehr nicht für Autofahrer zu erkennen – ebenso wenig andersherum. Das erhöhe das Unfallrisiko und sorge zudem für mehr Unsicherheitsgefühl und letztlich für mehr Elterntaxis, mehr Verkehr.

Dass es aber Sorgen gibt, bei Bürgern und Politikern, die sich immer noch gegen Maßnahmen stellen, versteht Wolter: „Wenn es Veränderungen geben soll, macht das Angst“, sagt er. Aber es gebe gute Beispiele, die zeigen, dass es anders gehe, wenn man etwa nach Skandinavien schaut. „Mein Eindruck ist, die Politiker haben das auch verstanden“, sagt Wolter. „Aber sie haben Angst, es den Bürgern zu sagen.“ Dabei bräuchte es klare Maßnahmen, klare Ansagen.

Und dann ging es auch gar nicht darum, alle Autos abzuschaffen, gar zu verbieten. Nicht jede Fahrt sei ohne Auto möglich. „Natürlich fährt man keine 100 Kilometer am Tag mit dem Rad. Aber die Dinge des täglichen Lebens erreicht man damit gut, die sind im Umfeld.“

„Es geht nicht darum, Wuppertal zu Kopenhagen zu machen“, Wuppertal werde keine perfekte Fahrradstadt. Aber es gehe um besseren ÖPNV, sichere Rad- und Fußwege - auch und vor allem für Kinder. Kleine Schritte, die zu großen werden.

Das sollte mit dem Auftakt passieren, Die Teilnehmer sollten Themen erarbeiten, die dann gemeinsam angegangen werden können – in konzentrierten Kampagnen – etwa zur B7 oder Schulwegsicherheit. „Die Themen liegen auf der Hand“, sagt Wolter. Sie müssen nur kompakt bearbeitet werden. Und dann an die Politik getragen werden. „Wir wollen die OB-Kandidaten ansprechen und fordern konkrete Positionen“, sagt Wolter.