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Mittendrin, aber nicht dabei: Muslime in der Weihnachtszeit

Mittendrin, aber nicht dabei: Muslime in der Weihnachtszeit

Wie es ist, kein Weihnachten zu feiern, aber schon mit Basteln und Wichteln im Kindergarten groß zu werden.

Wuppertal. Es ist wieder so weit. Der Weihnachtsbaum steht schon. Lichterketten erhellen die Innenstadt. Der Duft des Weihnachtsmarkts verzaubert die Besucher. Weihnachten steht vor der Tür und jedem Muslim begegnet die Frage: „Feiert ihr auch Weihnachten?“ Die Antwort ist: Im Islam gibt es das Weihnachtsfest nicht.

Die Geburt Jesu Christi wird im Koran zwar ausführlich beschrieben (Sure Maria Vers 16-36), aber nicht gefeiert. Die einzigen Festlichkeiten, die der Islam kennt und in gleichem Maße feiert, sind das Opferfest im Rahmen der Pilgerfahrt und das sogenannte Zuckerfest zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan.

Natürlich ist Weihnachten in der islamischen Welt trotzdem sehr bekannt. Zum einen werden an Heiligabend die Nachtmessen der Zentralen Kirchen in Betlehem, Kairo oder auch Beirut live im Fernsehen übertragen, so dass jeder die Möglichkeit hat, daran teilhaben zu können, und zum anderen gibt es auch christliche Bürger in den islamischen Ländern.

Muslimische Familien, die in Deutschland leben, stellen sich zwar keinen Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer — den könnte man mit dem muslimischen Glauben nicht vereinbaren —und feiern auch nicht die Geburt Christi. Aber trotzdem versammeln sich alle über die Feiertage. Das bedeutet also: Auch für Muslime gibt es an Heiligabend ein leckeres Festmahl mit der Familie. Mit dem kleinen Unterschied, dass man sich nicht versammelt, um ein Fest zu feiern und anschließend unter dem Weihnachtsbaum Geschenke auszupacken, sondern weil alle frei haben.

Hanan A. ist Diplom-Pädagogin und Islamwissenschaftlerin. Ihr Abitur hat sie in Saudi-Arabien gemacht und dort auch studiert. In Wuppertal lebt sie mit ihrem Ehemann und ihren drei Kindern schon seit mehr als 20 Jahren. Heute arbeitet sie in der Internationalen Begegnungsstätte der Caritas in verschiedenen Projekten. Da stellt sich die Frage, wie kann sie als Muslima Weihnachten noch aus dem Weg gehen?

Hanan A., Pädagogin aus Saudi-Arabien, lebt seit 20 Jahren in Wuppertal.

„Warum denn aus dem Weg gehen. Ich nehme an allen mir möglichen Aktivitäten teil, so lange das nicht meine religiösen Grenzen überschreitet. Ich akzeptiere andere Feste mit vollem Respekt und freue mich auch für die Nachbarn, wenn ich abends deren Weihnachtsdekoration bestaune. Aber bei mir Zuhause wird kein Weihnachten gefeiert.“

Islamische Kinder freuen sich genau wie jedes andere Kind über einen Schoko-Nikolaus oder über leckeres Weihnachtsgebäck. Ebenso ist es mit dem Weihnachtsmarkt, der wegen einer anderen Glaubensrichtung nicht umgangen, sondern von manchen sogar sehnlichst erwartet wird.

Weihnachten ist für die Muslime in Deutschland ein Teil ihres Lebens. Wenn man hier in den Kindergarten und in die Schule gegangen ist, dann hat man schon irgendwo das volle Programm mitgemacht — vom Wichteln übers Basteln bis hin zu den Weihnachtsfeiern. Man kann sich dem Weihnachtstrubel ja gar nicht ganz entziehen — und so manche Tradition ist ja auch für jedermann schön.

Hanan ist eine von vielem Muslimen in Deutschland, die offen gegenüber Weihnachten sind, solange diese Offenheit nicht dazu übergeht, die eigenen Feiertage zu vernachlässigen. Sie sagt dazu: „Der Dialog zwischen den beiden Religionen und verschiedenen Kulturen muss von Respekt geprägt sein. Respekt, der darauf beruht, sich gegenseitig zu akzeptieren und gewisse Kompromisse einzugehen — und nicht das eine oder das andere Fest vollkommen außer Betracht zu lassen und zu ignorieren.“