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Mitarbeiter von Schaeffler in Wuppertal kämpfen um 850 Arbeitsplätze

Wirtschaft in Wuppertal : Mitarbeiter von Schaeffler kämpfen um 850 Arbeitsplätze

Hunderte Stellen sollen bei Schaeffler in Wuppertal wegfallen. Dagegen haben sich die Mitarbeiter am Mittwoch massiv gewehrt.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Arbeit klaut“, riefen am Mittwoch rund 400 Teilnehmer einer Demonstration am Werkstor der Schaeffler Technologies AG & Co. KG. Zu der Protestkundgebung an der Mettmanner Straße hatte die IG Metall aufgerufen, nachdem in der vergangenen Woche der Vorstand der Schaeffler Gruppe den Abbau von 4400 Stellen in Deutschland und Europa angekündigt hatte.

Zum Entsetzen und zur Empörung vieler Wuppertaler Schaeffler-Mitarbeiter spekulierte der Konzern dabei öffentlich über eine Schließung des kompletten Wuppertaler Werkes im Jahr 2022. Von den Plänen der Konzernleitung in Herzogenaurach hatten die Betroffenen und deren Familien aus den Medien erfahren, was für zusätzlichen Unmut sorgt. Dem Aufruf zur Protestkundgebung folgten nicht nur viele Mitarbeiter von Schaeffler und organisierte Metaller, sondern auch Politiker der SPD, der Linken und der Grünen, die sich für den Erhalt des Standortes einsetzen wollen.

„Wir werden heftigen Widerstand gegen den Abbau von Arbeitsplätzen leisten“, kündigte Clarissa Bader, Geschäftsführerin der IG Metall Wuppertal, an. Sie äußerte den Verdacht, dass es Schaeffler unter dem Deckmantel der Coronakrise allein um Profitmaximierung gehe. Die Salamitaktik des Vorstands sei durchschaubar. Ziel sei es, den 150 Jahre alten Standort ausbluten zu lassen und die Produktion nach Osteuropa zu verlagern.

Die Bedeutung des Werkes geht über die 850 Mitarbeiter hinaus

Der Betriebsratsvorsitzende Özgür Ecevit Sönmezcicek wies auf die Bedeutung des Werkes für die Stadt Wuppertal hin. „Es sind nicht allein 850 Mitarbeiter im Werk betroffen, sondern es geht auch um deren Familien sowie die Zulieferer und deren Arbeitnehmer. Es sind mehrere tausend Menschen, denen der Boden unter den Füßen weggezogen wird“, so Sönmezcicek. Er berichtete, dass der Konzern-Betriebsrat ein Gutachten in Auftrag gegeben hat, um die Plausibilität des Maßnahmenkatalogs von Schaeffler zu prüfen. „Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen, wir werden für Wuppertal kämpfen“, kündigte der Betriebsratsvorsitzende an.

Kämpferisch gab sich Oberbürgermeister Andreas Mucke, der als Gastredner kein Blatt vor den Mund nahm. „Ich bin stinksauer auf die Konzernleitung. Das Unternehmen will sich auf eure Kosten sanieren“, rief Andreas Mucke den Teilnehmern der Kundgebung zu. „Durch Corona sind viele Unternehmen in Schwierigkeiten geraten, aber sie haben staatliche Instrumente wie die Kurzarbeit genutzt und setzen die Leute nicht auf die Straße“, sagte der Oberbürgermeister.

In einem Brief an den Vorsitzenden des Vorstandes der Schaeffler AG, Klaus Rosenfeld, erklärte Mucke, dass er auf die Einhaltung der mit dem Betriebsrat geschlossenen Zukunftsvereinbarung vertraut habe und sich nun getäuscht sehe. „Schaeffler hat sich immer als verantwortungsvolles Familienunternehmen in der Öffentlichkeit dargestellt. Das was sie jetzt planen, widerspricht diesem Unternehmensbild. Bei uns im Bergischen Land tragen Familienunternehmen Verantwortung für die Belegschaft, den Standort und die Gesellschaft“, heißt es in dem Schreiben. Die Entwicklung sei ein schwerer Schlag für die Stadt als Wirtschaftsstandort, aber insbesondere für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Josef Neumann rief zu einer gemeinschaftlichen, parteiübergreifenden Initiative der Bergischen Abgeordneten zum Erhalt des Standortes auf. Klaus Lüdemann (Grüne) befürchtet, dass die Aktionen der IG Metall ins Leere laufen könnten. „Es sollte über eine Sondersitzung des Stadtentwicklungsausschusses nachgedacht werden“, schlug  Lüdemann vor.

Zum Abschluss der Kundgebung ließen die Teilnehmer 1000 Luftballons aufsteigen. Im Anschluss an die Kundgebung setzten sie ihre Arbeit fort oder es begann für sie ihre Schicht.